VW-Konflikt, Betriebsrat

VW-Konflikt: Betriebsrat warnt vor 115.000 Arbeitsplätzen Risiko

Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 04:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Volkswagen plant weitere Stellenstreichungen, während Betriebsrat und IG Metall Widerstand leisten. Über Werksschließungen ist noch nicht entschieden.

Volkswagen vor Streit über Stellenabbau und mögliche Werksschließungen
Leere Montagehalle einer Volkswagen-Produktionsstätte mit Industrierobotern bei natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Konzernspitze von Volkswagen und die Arbeitnehmervertretung stehen vor einer harten Auseinandersetzung über die künftige Ausrichtung des Automobilherstellers.

Bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg am 27. August positionierte sich Betriebsratschefin Daniela Cavallo vor rund 10.000 Beschäftigten deutlich gegen die vom Vorstand erwogenen Einschnitte. Während Konzernchef Oliver Blume Werksschließungen als letzte und kostspieligste Lösung bezeichnete, lehnte Cavallo sowohl solche Schließungen als auch betriebsbedingte Kündigungen kategorisch ab.

Massive Differenzen über den Umfang des Stellenabbaus

In der Diskussion um die personelle Zukunft des Konzerns wurden am 27. August unterschiedliche Szenarien deutlich. Oliver Blume bestätigte Pläne für weltweit 50.000 zusätzliche Stellenstreichungen, wovon 25.000 auf deutsche Standorte entfallen sollen. Diese ergänzen den bereits bis zum Jahr 2030 vereinbarten Abbau von 50.000 Arbeitsplätzen.

Die Arbeitnehmervertretung rechnet jedoch mit weitaus drastischeren Folgen. Daniela Cavallo warnte vor einem Verlust von bis zu 115.000 Arbeitsplätzen in Deutschland.

Diese Kalkulation setzt sich aus den bereits vereinbarten 50.000 Stellen, den 25.000 zusätzlich geplanten Streichungen sowie weiteren 40.000 Stellen zusammen, die im Falle von Werksschließungen zur Disposition stünden. Cavallo kritisierte die bisherigen Informationen des Vorstands als unzureichend.

Auch die IG Metall bemängelte, dass entscheidende Fragen offen geblieben seien, und drohte mit einer Verschärfung des Konflikts, sollte die Unternehmensführung einseitig auf Kürzungen setzen. Die Gewerkschaft verwies zudem darauf, dass die Belegschaft bereits einen Arbeitskostenbeitrag in Höhe von 1,5 Mrd. Euro leiste.

Auslastungsprobleme an mehreren Standorten

Der Konzernvorstand begründet den Handlungsbedarf mit einer unzureichenden Rendite von 3,8 % und mangelnder Wettbewerbsfähigkeit. Insbesondere für die 2030er-Jahre sieht das Management keine ausreichende Auslastung für die Werke in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm.

Am Standort Zwickau, in den seit 2022 rund 1,2 Mrd. Euro investiert wurden, um ihn vollelektrisch aufzustellen, zeigt sich die Krise deutlich: Bei einer Kapazität von 350.000 Fahrzeugen pro Jahr wurden im Jahr 2025 lediglich 210.000 Einheiten produziert.

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Für 2027 ist dort bereits die Stilllegung einer Fertigungslinie angekündigt, was 1.000 Jobs betrifft. Der Betriebsrat in Zwickau befürchtet zudem massive Auswirkungen auf die Region, da 780 Zulieferer mit 95.000 Beschäftigten am Werk hängen.

Auch in anderen Werken ist die Lage angespannt. Im Werk Emden mit 7.700 Beschäftigten liegen die Arbeitskosten laut Unternehmensangaben doppelt so hoch wie an vergleichbaren Standorten. In Kassel-Baunatal, dem weltweit größten Komponentenwerk mit rund 15.000 Mitarbeitern, mahnte der Technikvorstand Schmall die geringen Margen an; von 100 Euro Umsatz blieben weniger als 4 Euro übrig.

Einzig aus dem Motorenwerk Chemnitz mit 1.800 Mitarbeitern gab es am 27. August positive Signale aufgrund einer guten Auftragslage für Benzin- und Hybridmotoren.

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Politische Widerstände und rechtliche Hürden

Eine Entscheidung über Werksschließungen steht laut Blume noch aus, jedoch rückt die nächste Aufsichtsratssitzung am 4. September in den Fokus. Hier prallen drei verschiedene Konzepte vom Vorstand, dem Land Niedersachsen und der Arbeitnehmerseite aufeinander.

Das Land Niedersachsen, vertreten durch Ministerpräsident Olaf Lies, fordert ein tragfähiges Zukunftskonzept ohne Massenentlassungen oder Standortschließungen. Die rechtlichen Hürden für Schließungen sind hoch: Laut VW-Gesetz ist dafür eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Aufsichtsrat erforderlich.

Da die Arbeitnehmerseite über zehn Sitze verfügt und das Land Niedersachsen zwei weitere Stimmen hält, können diese zwölf Stimmen entsprechende Vorhaben blockieren. Parallel dazu prüft das Land Niedersachsen einen Einstieg am Standort Osnabrück, wofür Investitionen von mindestens 200 Mio. Euro im Gespräch sind. Die nächste Versammlung der Belegschaft ist für den 31. August in Hannover angesetzt.

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