Volkswagen plant Abbau von bis zu 100.000 Stellen in Deutschland
Veröffentlicht: 18.07.2026 um 17:39 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Mercedes-Benz: Mehrarbeit ohne mehr Geld
Die Führung von Mercedes-Benz verteidigte Mitte Juli den geplanten Ausbau des ungarischen Werks Kecskemét. Produktionsvorstand Michael Schiebe verwies auf Standortvorteile in Osteuropa: Die Faktorkosten lägen dort rund 70 Prozent niedriger als in Deutschland. Zudem sei der Krankenstand geringer, die Arbeitszeit höher. Kecskemét soll zum größten europäischen Werk des Konzerns werden.
Um Werksschließungen in Deutschland abzuwenden, fordert der Vorstand eine Anhebung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden – ohne Lohnausgleich. Schiebe droht: Scheitern die Verhandlungen, drohten Verlagerungen und Stilllegungen. Dabei ist Mercedes weiter profitabel: Im ersten Quartal standen 31,6 Milliarden Euro Umsatz und 1,8 Milliarden Euro operativer Gewinn zu Buche.
Die IG Metall zeigt keine Kompromissbereitschaft. Barbara Resch, Vorsitzende in Baden-Württemberg, lehnt längere Arbeitszeiten oder materielle Einschnitte ab. Seit 2019 seien in der Region rund 75.000 Jobs in der Metall- und Elektroindustrie gestrichen worden – ein Großteil in der Autoindustrie. Die Sicherung der Beschäftigung werde im Fokus der Tarifverhandlungen im Herbst stehen.
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Volkswagen: Betriebsrat lädt Blume vor
Bei Volkswagen droht ein noch größerer Konflikt. Konzernchef Oliver Blume erwägt offenbar den Abbau von bis zu 100.000 Stellen in Deutschland sowie Werksschließungen. Mehrere Standorte – darunter Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm – haben laut Berichten keine gesicherte Auslastung für das kommende Jahrzehnt. Blume will die Produktionskapazität bis 2030 um eine Million Fahrzeuge senken.
Der Betriebsrat lädt den Vorstandsvorsitzenden nun zu Versammlungen an neun Standorten ein. Ende August soll Blume den Beschäftigten Rede und Antwort stehen. Parallel laufen alternative Szenarien: In Zwickau könnte ein Joint Venture mit einem chinesischen Hersteller die Auslastung sichern. Für Osnabrück ist der Einstieg des israelischen Rüstungskonzerns Rafael im Gespräch.
UAW schaltet sich ein
Unterstützung kommt aus den USA. UAW-Präsident Shawn Fain kritisierte die Sparpläne von Volkswagen und Mercedes-Benz als „giergetrieben“. Die Konzerne nutzten Wettbewerbsfähigkeit nur als Vorwand für Stellenstreichungen. Beide Unternehmen seien weiter profitabel.
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Die UAW hatte erst Anfang des Jahres einen ersten Tarifvertrag für das VW-Werk in Chattanooga erkämpft – mit 20 Prozent mehr Lohn. Laut Fain zeigt das: Beschäftigte weltweit müssen gegen die Kürzungspläne mobilisieren.
Auch BMW schwächelt. Der Münchner Autobauer verkaufte in der ersten Jahreshälfte rund 1,15 Millionen Fahrzeuge und senkte die Gewinnprognose leicht. Experten fordern sinkende Lohnkosten in Deutschland. Arbeitnehmervertreter warnen vor einem Wettlauf um die niedrigsten Standards – den der Standort Deutschland nicht gewinnen könne.
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