Verlags-Klage gegen OpenAI und Microsoft: 47% Traffic-Rückgang
Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 13:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die US-amerikanischen Zeitungsverlage Seattle Times und Newsday haben am vergangenen Freitag eine Klage gegen die Technologieunternehmen OpenAI und Microsoft eingereicht.
In der beim US-Bezirksgericht für den Südbezirk von New York hinterlegten Klageschrift werfen die Medienhäuser den KI-Entwicklern vor, journalistische Inhalte systematisch ohne Zustimmung für das Training ihrer Sprachmodelle genutzt zu haben.
Ein zentraler Vorwurf der Kläger lautet, dass die Unternehmen gezielt Paywalls umgangen hätten, um geschützte Inhalte für das sogenannte Scraping zugänglich zu machen.
Die Verlage fordern in ihrer Klage nicht nur finanziellen Schadensersatz, sondern verlangen zudem die Vernichtung sämtlicher KI-Trainingsdatensätze sowie der daraus resultierenden KI-Modelle, sofern diese auf den Inhalten der Seattle Times oder von Newsday basieren.
Zur Begründung der wirtschaftlichen Dringlichkeit verwiesen die Verlage auf Marktdaten, wonach mittelgroße Publisher im Dezember 2025 einen Rückgang des Such-Referral-Traffics um 47% verzeichneten. Diese Entwicklung untergrabe die finanzielle Basis des Qualitätsjournalismus massiv.
Reaktionen und bisherige Zusammenarbeit
Microsoft äußerte sich überrascht über den juristischen Vorstoß der beiden Verlage und betonte eine grundsätzliche Bereitschaft zum Dialog. Die Klage markiert eine deutliche Verschärfung im Verhältnis der Parteien, da in der Vergangenheit durchaus Kooperationen bestanden.
Im Jahr 2024 hatten OpenAI und Microsoft über das Lenfest Institute einen Zuschuss in Höhe von 10 Mio. US-Dollar für verschiedene Medienprojekte bereitgestellt. Zudem förderte Microsoft Philanthropies in der Vergangenheit spezifische Projekte der Seattle Times.
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Der neue Rechtsstreit fügt sich in eine Reihe von Auseinandersetzungen über die Grenzen der KI-Entwicklung ein. Am selben Tag der Klageeinreichung reichten OpenAI und Microsoft in dem bereits seit 2023 bestehenden Verfahren mit der New York Times einen sogenannten Fair-Use-Antrag ein.
OpenAI argumentierte in diesem Zusammenhang, dass das Urheberrecht nicht dazu genutzt werden dürfe, technologischen Fortschritt zu behindern. Microsoft verwies in seiner Argumentation im New-York-Times-Verfahren zudem auf die Pionierin Ada Lovelace, während die New York Times auf das Andy-Warhol-Urteil des Obersten Gerichtshofs Bezug nahm, um ihre Urheberrechtsansprüche zu untermauern.
Stellungnahme des Justizministeriums sorgt für Diskussionen
Eine neue Dynamik erhielt die Rechtsdebatte durch eine Stellungnahme des US-Justizministeriums (DOJ), die Anfang September beim Bezirksgericht in New York eingereicht wurde. In dem 20-seitigen Dokument stützt das Ministerium die Position von OpenAI im Streit mit der New York Times. Das DOJ argumentiert, dass das Training von KI-Modellen mit geschützten Texten als „hochtransformativ“ anzusehen sei und somit unter die Fair-Use-Doktrin falle.
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Diese Einschätzung des Ministeriums ist jedoch strikt auf die Trainingsphase der Modelle begrenzt und umfasst nicht deren spätere Ausgaben. Das DOJ begründete seine Haltung zudem mit Erfordernissen der nationalen Sicherheit. Kritisch vermerkt wurde in der Stellungnahme allerdings auch ein potenzieller Interessenkonflikt: Es liegen Berichte über Gespräche vor, die eine Übertragung von 5% der Firmenanteile an die Regierung vorsehen.
Die New York Times reagierte ablehnend auf die Positionierung der Behörde. Ein Sprecher des Medienhauses gab zu bedenken, dass sich die Regierung hier auf die Seite einiger weniger Billionen-Dollar-Unternehmen stelle, während die Interessen der eigentlichen Schöpfer von Inhalten vernachlässigt würden.
Bereits im Jahr 2023 hatte die New York Times OpenAI wegen des angeblichen Diebstahls von Inhalten im Wert von mehreren Milliarden Dollar verklagt. Die nun eingereichte Klage von Newsday und der Seattle Times zeigt, dass der juristische Druck auf die Entwickler generativer KI-Systeme durch regionale Verlage weiter zunimmt.
