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USA verschärfen Stahl- und Zollregime: Kupfer erstmals betroffen

13.05.2026 - 11:08:26 | boerse-global.de

Die USA erheben ab April 2026 deutlich höhere Importzölle auf Metalle, berechnet auf den Gesamtwert. Besonders Kupfer wird neu als strategischer Rohstoff eingestuft.

USA verschärfen Stahl- und Zollregime: Kupfer erstmals betroffen - Foto: über boerse-global.de
USA verschärfen Stahl- und Zollregime: Kupfer erstmals betroffen - Foto: über boerse-global.de

Seit dem 6. April 2026 gelten deutlich höhere Abgaben auf Stahl und Aluminium – und erstmals auch auf Kupfer. Die Neuerung: Anders als bisher wird nicht mehr nur der Metallanteil, sondern der gesamte Warenwert besteuert. Für deutsche Exporteure und die europäische Industrie könnte dies weitreichende Folgen haben.

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Neue Berechnungsmethode trifft die gesamte Lieferkette

Das Herzstück der Reform ist die sogenannte „Full Value Rule“. Wurden bisher Zölle nur auf den deklarierten Metallgehalt eines Produkts erhoben, verlangen die US-Behörden nun pauschal 50 Prozent auf den Gesamtwert von Halbfertigprodukten aus Aluminium, Stahl und Kupfer. Dazu zählen Rohmaterialien, Coils und Bleche – also grundlegende industrielle Vorprodukte.

Für fertige Erzeugnisse wie Haushaltsgeräte, Lastwagen oder schwere Maschinen gilt ein pauschaler Zollsatz von 25 Prozent auf den kompletten Warenwert. Handelsexperten rechnen damit, dass sich die finanzielle Belastung für viele Importeure damit verdreifacht. Die US-Regierung begründet den Schritt mit dem Schließen von Schlupflöchern, die ausländische Hersteller genutzt hätten, um die nationalen Sicherheitszölle zu umgehen.

Kupfer wird strategischer Rohstoff

Erstmals in der Geschichte der Section-232-Zölle stuft Washington Kupfer als strategisch gleichwertig mit Stahl und Aluminium ein. Das US-Verteidigungsministerium bezeichnet Kupfer als den zweitwichtigsten Werkstoff überhaupt – unverzichtbar für kritische Infrastruktur.

Die Folgen für die Elektro- und Energiebranche sind erheblich. Bestimmte Industrieanlagen und Netzinfrastruktur wie Transformatoren und Schaltanlagen unterliegen nun einem Zollsatz von 15 Prozent. Diese Regelung gilt bis Ende 2027 und soll den Ausbau der heimischen Industrie fördern, ohne die Versorgung der Versorger schlagartig zu unterbrechen.

Technische Korrekturen und Nachweispflichten

Am 6. Mai 2026 veröffentlichte der US-Zoll- und Grenzschutz (CBP) aktualisierte Richtlinien, die rückwirkend zum 6. April gelten. Sie präzisieren vor allem die Meldepflichten für „Schmelz- und Gussinformationen“. Importeure müssen nun das Land des primären und sekundären Schmelzens sowie des letzten Gusses mit spezifischen ISO-Codes angeben. Bei recycelten Materialien muss das sekundäre Schmelzland mit dem offiziellen Ursprungsland übereinstimmen.

Die Strafen für Verstöße sind drastisch: Für Aluminiumderivate mit unbekanntem Ursprungsland fällt ein Zoll von 200 Prozent an. Die neuen Richtlinien erlauben es Importeuren jedoch, nachträgliche Korrekturen einzureichen, sobald sie die Herkunft ihrer Rohstoffe verifiziert haben.

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Die 95-Prozent-Hürde: Präferenzzölle für heimische Lieferanten

Die US-Regierung schafft Anreize für den Bezug aus heimischer Produktion. Wer nachweisen kann, dass mindestens 95 Prozent des Aluminiums in den USA geschmolzen und gegossen wurden – oder 95 Prozent des Stahls –, erhält einen Vorzugszollsatz von nur 10 Prozent.

Diese Schwelle gilt auch für bestimmte Handelspartner. Das Vereinigte Königreich behält einen Sonderstatus: Produkte aus Großbritannien sind zu ermäßigten Sätzen von 25 Prozent (Primärartikel) beziehungsweise 15 Prozent (Derivate) zugelassen – sofern die 95-Prozent-Regel innerhalb des Landes erfüllt wird.

Eine Erleichterung gibt es für Produkte mit geringem Metallanteil: Waren, die 15 Prozent oder weniger Stahl, Aluminium oder Kupfer enthalten, fallen nicht unter die neuen Zölle – sofern sie nicht unter die entsprechenden Metallkapitel des Zolltarifs fallen. Diese Ausnahme soll den bürokratischen Aufwand für Hersteller komplexer Produkte reduzieren.

Nordamerikanische Partner unter Zugzwang

Handelsminister Howard Lutnick hat ein Verfahren für Ausnahmeregelungen skizziert. Produzenten aus Kanada und Mexiko können eine Reduzierung des 50-Prozent-Zolls auf 25 Prozent beantragen – unter einer Bedingung: Sie müssen eine verbindliche Zusage geben, ihre Produktionskapazitäten in den USA auszubauen. Voraussetzung ist zudem, dass sie bereits direkte oder indirekte Zulieferer für US-Hersteller von mittelschweren und schweren Nutzfahrzeugen sind.

Ausblick: Lieferketten vor dem Umbau

Branchenbeobachter erwarten für den Rest des Jahres 2026 eine intensive Umstrukturierung der globalen Lieferketten. Da mehrere allgemeine Ausnahmegenehmigungen im Frühjahr ausgelaufen sind, haben sich die Optionen für Importeure weiter verengt. Die nächste turnusmäßige Überprüfung der Section-301-Zölle wurde bereits am 6. Mai eingeleitet.

Für Unternehmen bedeutet das: Wer seine Bezugsquellen nicht umgehend prüft und die neuen 95-Prozent-Vorgaben oder die 15-Prozent-Gewichtsgrenze erfüllen kann, riskiert erhebliche Mehrkosten. Die Botschaft aus Washington ist eindeutig: Der trend zu höheren Zöllen und strengeren Herkunftsnachweisen wird sich so schnell nicht umkehren.

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