Unternehmenskultur, Werte

Unternehmenskultur: Nur 19 Prozent sehen Werte gelebt

28.05.2026 - 09:20:34 | boerse-global.de

Personalexperten warnen auf dem New Work Summit: Corporate Benefits sind kein Ersatz für faire Bezahlung und klare Führungsstrukturen.

Unternehmenskultur: Nur 19 Prozent sehen Werte gelebt - Foto: über boerse-global.de
Unternehmenskultur: Nur 19 Prozent sehen Werte gelebt - Foto: über boerse-global.de

Flexible Arbeitsmodelle und Benefits sind kein Ersatz für faire Gehälter und klare Führung. Das wurde beim New Work Summit in Berlin deutlich.

Auf der Fachkonferenz am heutigen Donnerstag in Berlin diskutierten Personalexperten und Führungskräfte über die Grenzen von Corporate Benefits. Sandra Strauss, Personalchefin von Urban Sports Club mit 500 Mitarbeitenden, warnte davor, Benefits als Lückenbüßer für strukturelle Probleme zu sehen. „Schlecht durchdachte Benefit-Programme erzeugen selten langfristige Zufriedenheit“, so Strauss.

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Was Mitarbeiter wirklich wollen

Eine Stepstone-Studie aus dem Jahr 2025 zeigt: Flexible Arbeitszeiten, mehr Urlaubstage und Gesundheitsangebote stehen ganz oben auf der Wunschliste. Doch Strauss betont einen entscheidenden Punkt: Diese Angebote verpuffen, wenn die Führungsebene nicht mitmacht und sie selbst vorlebt.

Klare Führung statt autoritärer Härte

Der Druck auf Unternehmen wächst – und damit die Gebatte über den richtigen Führungsstil. Eine YouGov-Umfrage vom Mai 2025 unter 600 Fach- und Führungskräften ergab: 62 Prozent der Deutschen halten in der Wirtschaftskrise einen autoritäreren Führungsstil für nötig.

Führungskräftecoach Matthias Kolbusa, der unter anderem die Deutsche Bahn und Volkswagen berät, warnt jedoch vor einem Missverständnis: „Konsequenz ist nicht gleich Härte.“ Viele Führungskräfte scheiterten an ihrem Harmoniebedürfnis, das Innovation und Produktivität bremse. Klare Vereinbarungen seien die einzig legitime Grundlage für Konsequenz. Kolbusa verweist auf die deutsche Industrie: Bei Volkswagen etwa habe jahrelange Konfliktscheu Entscheidungen verzögert.

Wahrnehmungslücke in der Chefetage

Die Kluft zwischen Selbst- und Fremdbild ist gewaltig. Eine Haufe-Studie aus dem Jahr 2026 belegt: 65 bis 70 Prozent der Manager halten sich für hochkompetent – doch nur 40 bis 45 Prozent werden von Personalentwicklern auch so eingestuft.

Noch alarmierender: Gerade einmal 19 Prozent der Beschäftigten glauben, dass die gelebte Unternehmenskultur den offiziellen Werten entspricht. 41 Prozent sehen eine klare Diskrepanz zwischen Werten und tatsächlichem Führungsverhalten. Max Weiss von Weiss Consulting & Marketing GmbH sieht hier den entscheidenden Hebel: „Werteorientierte Führung senkt Fluktuation und Krankheitsausfälle – sie ist der Schlüssel zu Wachstum und Stabilität.“

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Leuchttürme der Arbeitskultur

Es gibt sie – die Positivbeispiele. Der digitale Marktplatz willhaben wurde am heutigen Donnerstag zum 17. Mal in Folge als „Great Place to Work“ ausgezeichnet, Platz eins in der Kategorie Großunternehmen in Österreich. Auch der E-Commerce-Spezialist Niceshops wächst: 2025 stieg der Umsatz um 20 Prozent auf 169 Millionen Euro. Das Unternehmen, das 2026 weitere 50 Stellen schaffen will, belegt Spitzenplätze in Österreich und Europa.

Öffentlicher Dienst und Sport ziehen nach

Die Stadt Stuttgart modernisiert seit 2023 mit der Strategie „goodwork@LHS“. Die Version 2.0, gestartet 2026, setzt auf Kultur, Führung und Zusammenarbeit. Erkenntnis der Projektverantwortlichen: Der schönste Arbeitsplatz macht ohne kulturelle Entwicklung und flexible Raumkonzepte nicht glücklich.

Im Sportbereich endete im Mai 2026 das mehrjährige Modellprojekt „Steilpass“. Es verankerte Diversität und Inklusion in Fußball-Jobs – unterstützt vom FC St. Pauli, SC Freiburg und VfL Wolfsburg. Die Ergebnisse stehen online zur Verfügung, um strukturelle Veränderungen in der Branche voranzutreiben.

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