Unternehmensführung, Krise

Unternehmensführung in Krise: BP setzt dritten Chef in drei Jahren ab

28.05.2026 - 04:25:31 | boerse-global.de

Mehrere Konzerne geraten wegen Führungsproblemen in die Kritik. BP entlässt Aufsichtsratschef, Aktionäre rebellieren bei Repay.

Unternehmensführung in Krise: BP setzt dritten Chef in drei Jahren ab - Foto: über boerse-global.de
Unternehmensführung in Krise: BP setzt dritten Chef in drei Jahren ab - Foto: über boerse-global.de

Gleich mehrere Großkonzerne und politische Institutionen geraten in diesen Tagen wegen ihrer Unternehmensführung massiv unter Beschuss. Die Folgen: Führungskräfte werden entlassen, Klagen drohen, Aktionäre rebellieren. Betroffen sind die Energie-, Banken- und Batteriebranche.

BP: Dritter Chefwechsel in drei Jahren

Der Ölkonzern BP hat seinen Aufsichtsratschef Albert Manifold mit sofortiger Wirkung abgesetzt. Die Entscheidung fiel einstimmig – Grund sind schwerwiegende Bedenken hinsichtlich Führung, Kontrolle und persönlichem Verhalten. Damit ist Manifold bereits der dritte Board-Vorsitzende innerhalb von drei Jahren, der das Unternehmen verlassen muss. Auch der Vorstandsvorsitzende wechselte in diesem Zeitraum bereits mehrfach.

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Die Ankündigung ließ die BP-Aktie zwischenzeitlich um neun Prozent einbrechen. Am Ende des Handelstages stand ein Minus von fünf Prozent – ein Verlust von rund 4,5 Milliarden Euro an Marktwert. Manifold kündigte bereits rechtliche Schritte gegen seine Entlassung an.

Die aktuelle Vorstandschefin Meg O'Neill, seit zwei Monaten im Amt, treibt unterdessen den Sparkurs und die Rückkehr zu fossilen Brennstoffen voran. Die Zahlen geben ihr vorerst recht: Der Gewinn im ersten Quartal 2026 hat sich auf über 2,8 Milliarden Euro verdoppelt. Allerdings drückt ein Schuldenberg von mehr als 18 Milliarden Euro auf die Bilanz.

Aktionärsaufstand bei Repay

Der aktivistische Investor Forager Capital Management hat am 27. Mai seinen zweiten offenen Brief an die Aktionäre des Zahlungsdienstleisters Repay veröffentlicht. Darin äußert das Unternehmen wachsende Sorgen über die Führungsstruktur. Bereits am 19. Mai hatte Forager seinem Frust Luft gemacht: Der Verwaltungsrat weigere sich, ein Barangebot mit einem Aufschlag von 75 Prozent zu verhandeln.

Der Streit eskalierte, nachdem Repay am 4. Mai ein unaufgefordertes Übernahmeangebot von Forager ablehnte. Daraufhin ließ Forager seine Pläne fallen, die restlichen 87,62 Prozent der Anteile zu kaufen. Der offene Brief zeigte immerhin Wirkung: Die Repay-Aktie legte um 2,13 Prozent auf umgerechnet rund 3,50 Euro zu.

Indische Großbank unter Druck

In Indien geriet die HDFC Bank am 27. Mai unter Druck. Ein Bericht zur Unternehmensführung hatte höhere Zinszahlungen an ein staatliches Unternehmen offengelegt. Anleger fürchten nun regulatorische Konsequenzen. Vorstandschef Sashidhar Jagdishan steht vor der Aufgabe, das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen.

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Nordvolt-Affäre: Landesregierung in der Kritik

In Deutschland musste sich die Landesregierung von Ministerpräsident Daniel Günther am 27. Mai vor dem Wirtschaftsausschuss des Landtags verantworten. Im Zentrum: die Finanzierung einer Batteriefabrik von Nordvolt. Ein Sonderbericht des Landesrechnungshofs wirft der Regierung vor, bei einer 600-Millionen-Euro-Wandelanleihe über die KfW gegen Haushaltsregeln verstoßen zu haben.

Das Parlament hatte die Anleihe im Januar 2024 genehmigt. Bund und Land standen jeweils zur Hälfte gerade. Doch nach der Übernahme durch das Unternehmen Lyten konnten nur 153 Millionen Euro gesichert werden. Am 29. Mai will der Verfassungsgerichtshof entscheiden, ob die Regierung ihre Informationspflichten gegenüber dem Parlament verletzt hat.

Pharmazulieferer: Investoren drängen in den Aufsichtsrat

Auch in der Pharmabranche rumort es. Bei Gerresheimer AG haben Investoren um Florian Schuhbauer und Klaus Röhrig die Zehn-Prozent-Schwelle der Stimmrechte überschritten – Stand 30. April 2026. Die Gruppe kündigte an, einen Sitz im Aufsichtsrat anzustreben. Weitere Aktienkäufe innerhalb der nächsten zwölf Monate seien nicht ausgeschlossen.

Neue Nachhaltigkeitsregeln: Versicherer in der Pflicht

Ab 2025 greifen die neuen EU-Standards zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD). Versicherungskonzerne müssen dann unter anderem über ihre Treibhausgasbilanzen und Klimarisikomodelle berichten. Die Botschaft ist klar: Transparente Unternehmenskontrolle wird zur Pflicht – nicht nur in der Finanzbranche, sondern quer durch alle europäischen Märkte.

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