Uniper-Reprivatisierung, Bund

Uniper-Reprivatisierung: Bund sucht Investoren für Energieriesen

19.05.2026 - 19:17:17 | boerse-global.de

Bundesregierung startet Verkaufsprozess für Uniper-Anteile. Betriebsrat und Gewerkschaften fordern Börsengang statt Direktverkauf.

Uniper-Reprivatisierung: Bund sucht Investoren für Energieriesen - Foto: über boerse-global.de
Uniper-Reprivatisierung: Bund sucht Investoren für Energieriesen - Foto: über boerse-global.de

Das Finanzministerium veröffentlichte eine Verkaufsanzeige im „Financial Times“, um das Interesse potenzieller Investoren zu prüfen. Knapp dreieinhalb Jahre nach der Verstaatlichung während der Energiekrise 2022 steht der Düsseldorfer Konzern vor der Rückkehr in private Hände.

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Doch der Weg dorthin ist politisch heikel. Die Arbeitnehmervertreter des Unternehmens stemmen sich gegen einen direkten Verkauf an einen Großinvestor – sie fordern stattdessen einen Börsengang.

Arbeitsnehmer fordern Börsengang statt Hinterzimmer-Deal

Der Konzernbetriebsrat und die Gewerkschaft Verdi haben massiven Widerstand gegen einen möglichen Verkauf an einen einzelnen Investor oder eine Private-Equity-Gesellschaft angekündigt. „Ein außerbörslicher Verkauf kommt für die Belegschaft nicht in Frage“, stellte Betriebsratschef Martin Geilhorn klar. Nur ein Börsengang mit breiter Aktionärsbasis könne die langfristige Unabhängigkeit des Unternehmens sichern.

Die Sorge der Arbeitnehmer: Ein direkter Verkauf an einen Wettbewerber oder Finanzinvestor könnte zu aggressiven Umstrukturierungen, Stellenabbau und der Zerschlagung des Konzerns führen. Rolf Wiegand, Verdi-Energieexperte und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, betonte am Dienstag: „Unser Ziel ist es, Uniper als starkes und unabhängiges Unternehmen zu erhalten.“ Ein frischer Börsengang – bei dem der Bund eine Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie behält – biete die nötige Stabilität für die rund 7.000 Beschäftigten, davon knapp 3.000 in der Düsseldorfer Zentrale.

Die Gewerkschaften Verdi und IGBCE hatten ihre Bedenken bereits in einem gemeinsamen Brief an die Regierung adressiert. Ein feindlicher Übernahmeversuch sei ein Akt gegen die Interessen der Belegschaft, heißt es darin. Die Arbeitnehmerseite sieht den Staat in der Pflicht: Die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens und die deutsche Versorgungssicherheit müssten im Mittelpunkt des Privatisierungsprozesses stehen.

Finanzministerium prüft mehrere Optionen

Das SPD-geführte Finanzministerium bestätigte am Dienstag, dass verschiedene Verkaufsvarianten geprüft werden – sowohl ein Börsengang als auch ein direkter Verkauf an strategische oder Finanzinvestoren. Eine Ministeriumssprecherin erklärte, die Regierung wolle die Zukunftsfähigkeit des Gesamtunternehmens sichern und gleichzeitig die nationale Energieinfrastruktur schützen.

Interessenten haben bis zum 12. Juni 2026 Zeit, ihre Absichtserklärungen bei den koordinierenden Investmentbanken JP Morgan und UBS einzureichen. Die Regierung sucht dem Vernehmen nach langfristig orientierte Investoren, die sich zur Wahrung der Konzernintegrität verpflichten. Eine endgültige Entscheidung über die genaue Struktur oder den Zeitpunkt des Verkaufs steht noch aus. Internen Planungen zufolge könnte ein Börsengang für Januar 2027 anvisiert werden.

Die Europäische Kommission beobachtet den Privatisierungsprozess genau. Sie hatte den Staatsausstieg als Bedingung für die milliardenschwere Rettungsaktion gefordert. Die Strategie der Regierung scheint auf einen schrittweisen Rückzug zu setzen: Anteile könnten in Tranchen über den Kapitalmarkt verkauft werden, während der Bund bis zur Frist 2028 eine strategische Minderheit behält.

Finanzielle Erholung ebnet den Weg

Der Zeitpunkt für die Privatisierung ist günstig gewählt. Uniper meldet eine deutliche Verbesserung seiner Finanzlage. Für das erste Quartal 2026 erzielte der Konzern ein bereinigtes EBITDA von 407 Millionen Euro und einen bereinigten Nettogewinn von 231 Millionen Euro – ein deutlicher Kontrast zu den Verlusten auf dem Höhepunkt der Energiekrise.

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Konzernchef Michael Lewis betonte, das Unternehmen sei widerstandsfähiger und strategisch fokussierter geworden. Uniper habe die Risiken extremer Marktbewegungen erfolgreich abgemildert und sein Gasgeschäft stabilisiert. Die Erholung ermöglicht dem Vorstand, für das Geschäftsjahr 2025 eine Dividende von 0,72 Euro pro Aktie vorzuschlagen – das entspricht einer Gesamtausschüttung von rund 300 Millionen Euro.

Auch bei den von der EU auferlegten strukturellen Auflagen kommt Uniper voran. 2025 schloss das Unternehmen den Verkauf mehrerer Vermögenswerte ab, darunter das Kohlekraftwerk Datteln 4, die Uniper Wärme GmbH und das nordamerikanische Stromportfolio. Während einige Vermögenswerte – wie die russische Tochter Unipro und Beteiligungen an der OPAL-Pipeline – noch unter staatlich verordneten Verkaufsplänen stehen, gilt die sogenannte „Remedy“-Phase weitgehend als abgeschlossen.

Strategische Bedeutung und Marktausblick

Die mögliche Rückkehr von Uniper an die Börse gilt als Gradmesser für die Stabilität des europäischen Energiesektors. Mit einer aktuellen Marktkapitalisierung von rund 18 Milliarden Euro wäre eine Neuplatzierung eines der größten Eigenkapitalereignisse in Europa in diesem Jahr. Analysten zufolge wird die Entscheidung der Regierung für einen Börsengang oder einen Direktverkauf maßgeblich von der Tiefe des Interesses bis zur Juni-Frist abhängen.

In früheren Berichten wurden potenzielle Interessenten wie Brookfield, EPH und Equinor genannt. Der Widerstand des Betriebsrats gegen eine Komplettübernahme verleiht den Verhandlungen jedoch eine zusätzliche politische Dimension. Das Finanzministerium hat signalisiert, dass es potenziellen Käufern keine spezifischen Klimaauflagen machen werde. Stattdessen setze man auf bestehende europäische Regelungen wie das Emissionshandelssystem zur Steuerung der Transformation.

Die Debatte um die „Unabhängigkeit“ von Uniper bleibt zentral. Der Betriebsrat argumentiert, dass die systemische Relevanz des Unternehmens – als Deutschlands größter Gasimporteur und Betreiber wichtiger Gasspeicher – eine Eigentümerstruktur erfordere, die langfristige Versorgungssicherheit über kurzfristige Finanzoptimierung stelle.

Ausblick auf den Privatisierungszeitplan

Die kommenden Wochen werden entscheidend sein. Die Investmentbanken werten die Interessenbekundungen potenzieller Bieter aus. Nach Ablauf der Frist am 12. Juni will die Regierung ihre Kandidatenliste eingrenzen und entscheiden, ob sie ein Bieterverfahren für einen direkten Anteilsverkauf einleitet oder die Vorbereitungen für einen Börsengang 2027 beschleunigt.

Die Uniper-Führung hat betont, dass die endgültige Entscheidung über Form und Zeitpunkt der Reprivatisierung allein bei der Bundesregierung liegt. Die klare Haltung des Betriebsrats deutet jedoch darauf hin, dass jeder Schritt in Richtung eines außerbörslichen Verkaufs auf erheblichen internen Widerstand stoßen wird. Für die tausenden Beschäftigten in Düsseldorf und europaweit steht ein „preisschonender“ und geordneter Übergang im Vordergrund, der die Rolle des Unternehmens als Eckpfeiler der deutschen Energiewende bewahrt.

Die Hauptversammlung am 20. Mai wird voraussichtlich weitere Klarheit über die langfristige Dividendenpolitik und die Strategie zur nachhaltigen Wertschöpfung bringen. Für Uniper beginnt mit dem Übergang von der Staatsbeteiligung zurück in den Privatsektor das letzte Kapitel einer der teuersten und komplexesten Unternehmensrettungen der deutschen Geschichte.

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