Ultralangsames, Joggen

Ultralangsames Joggen: Zehn Minuten verbessern Stimmung und Denkleistung

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 18:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Studie der Universität Tsukuba verbindet kurzes, gemächliches Laufen mit besseren kognitiven Testergebnissen. Auch psychisches Wohlbefinden motiviert viele Europäer.

Zehn Minuten langsames Joggen verbessern Stimmung und Denkleistung
Ein sonnendurchfluteter Waldweg in einem Park, der zu Bewegung und körperlicher Aktivität einlädt. Illustration mit AI erstellt.

Eine im August 2026 veröffentlichte Untersuchung der University of Tsukuba liefert neue wissenschaftliche Belege für den Zusammenhang zwischen moderater körperlicher Betätigung und kognitiver Gesundheit.

Wie die Forschungsgruppe unter der Leitung von Hideaki Soya an 24 gesunden Erwachsenen nachwies, führen bereits zehn Minuten ultralangsames Joggen auf dem Laufband zu einer unmittelbaren Verbesserung der Stimmung sowie der Ergebnisse in kognitiven Tests.

Zehn Minuten Bewegung steigern Hirnaktivität

Die Probanden absolvierten die Laufeinheiten in einem moderaten Tempo von etwa 10 bis 13 Minuten pro Kilometer. Messungen ergaben, dass die Aktivität im präfrontalen Cortex, einer für exekutive Funktionen und Stimmungsregulation zentralen Hirnregion, direkt nach der Belastung messbar zunahm.

Im Gegensatz dazu zeigten Kontrollphasen, in denen die Teilnehmenden zehn Minuten saßen, keine vergleichbaren Effekte auf die Stimmung oder die geistige Leistungsfähigkeit.

Diese Ergebnisse decken sich mit einem breiteren Trend zu mehr körperlicher Aktivität in der Bevölkerung, den die Europäische Kommission in ihrer Eurobarometer-Sonderumfrage 2026 dokumentiert. Laut der Befragung von 26.508 Personen treiben inzwischen 39 % der Europäer nie Sport, was einen Rückgang gegenüber dem Wert von 45 % im Jahr 2022 darstellt.

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Fast die Hälfte der Befragten gibt an, täglich oder mehrmals pro Woche aktiv zu sein. Besonders hoch ist die Beteiligung in Finnland und Dänemark, während in Ländern wie Portugal, Griechenland und Rumänien über 60 % der Bevölkerung angeben, nie Sport zu treiben.

Psychische Gesundheit als zentrales Motiv

Die Beweggründe für sportliche Aktivität haben sich laut der Erhebung verschoben. Während die körperliche Gesundheit mit 44 % weiterhin das Hauptargument bleibt, nennen 39 % Entspannung und 26 % die psychische Gesundheit als Motivation.

Fasst man diese Aspekte zusammen, betrachten 65 % der Befragten die psychische Verfassung als wesentlichen Antrieb für ihre Bewegung. Als größte Hindernisse werden jedoch weiterhin Zeitmangel (37 %) und mangelnde Motivation (26 %) angeführt.

Die Bedeutung niederschwelliger Angebote wird durch die Europäische Woche des Sports unterstrichen, die vom 23. bis 30. September 2026 unter dem Motto „#BeActive Your Way“ stattfindet. In Deutschland koordiniert der Deutsche Turner-Bund (DTB) diese Aktionswoche bereits zum zehnten Mal, wobei die Umsetzung 2026 durch das Bundeskanzleramt gefördert wird.

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Wirtschaftliche Relevanz und betriebliche Prävention

Die Auswirkungen von Bewegungsmangel sind auch ökonomisch spürbar. Eine Erhebung des VCÖ in Österreich beziffert die Kosten für Krankenstände auf jährlich 15,5 Mrd. Euro, was 3,1 % der Wirtschaftsleistung entspricht. Obwohl mehr als die Hälfte der Arbeitswege kürzer als 10 km ist, legen drei von vier Erwerbstätigen diesen Weg in einer typischen Woche weder zu Fuß noch mit dem Rad zurück.

Forschungsergebnisse der Meduni Wien verdeutlichen das Potenzial aktiver Mobilität: Wer täglich 15 Minuten pro Wegstrecke aktiv pendelt, erreicht die WHO-Empfehlung von 150 Minuten pro Woche und senkt sein Depressionsrisiko um rund 17 % sowie das Risiko für Angststörungen um 26 %.

Unternehmen reagieren zunehmend mit eigenen Programmen. Die Deutsche Post weitete im Juli 2026 ihr Präventionsprogramm auf rund 150 Standorte aus, nachdem in Pilotphasen Rückgänge bei Muskel-Skelett-Erkrankungen beobachtet wurden.

Gleichzeitig weisen Studien des ifo Instituts, des IAB und der Universität Konstanz darauf hin, dass bei körperlich fordernden Tätigkeiten eine starke Nutzung vernetzter digitaler Technik mit rund 20 % mehr Krankheitstagen einhergehen kann, während Digital-Trainings und unterstützende Führung diesen Effekt abmildern können.

Gezielte Förderung für Kinder und Kranke

Auch in der Kinder- und Jugendgesundheit spielt Sport eine Schlüsselrolle. Die digitale COMO-Längsschnittstudie zeigt, dass etwa jedes fünfte Kind in Deutschland Anzeichen psychischer Belastung aufweist, wobei sportlich aktive Vereinsmitglieder eine bessere psychische Verfassung zeigen.

Um Bewegung fest in der Therapie zu verankern, starteten die Uniklinik Köln und das Universitätsklinikum Essen im Jahr 2026 die BEPPO-Studie, die ein sechsmonatiges Bewegungsprogramm für Kinder in der Onkologie untersucht.

Parallel dazu fördern Institutionen wie das Poitras Center am MIT die Forschung mit Millionensummen, um langfristige Stipendien im Bereich der psychischen Gesundheit zu ermöglichen.

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