Millionen, Euro

Überweisungsbetrug: 89 Millionen Euro Schaden durch Social Engineering

Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 22:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Österreichs unbare Zahlungsvorgänge verzeichnen 2025 einen Schadensrekord: Überweisungsbetrug dominiert mit 89 Mio. Euro Verlust, Banken verschärfen Sicherheitsmaßnahmen.

OeNB-Report 2025: Betrugsschäden im Zahlungsverkehr steigen auf 115,4 Mio. Euro
Eine Person betrachtet besorgt ihr Smartphone an einem modernen Schreibtisch, was die Problematik von digitalem Betrug verdeutlicht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat neue Daten zur Kriminalität im unbaren Zahlungsverkehr für das Jahr 2025 vorgelegt. Demnach stieg die Gesamtschadenssumme durch Betrugsfälle um 17,6 % auf 115,4 Millionen Euro an.

Insgesamt wurden 351.000 betrügerische Transaktionen registriert, wobei der durchschnittliche Schaden pro Fall bei 329 Euro lag. Die Zahlen verdeutlichen eine zunehmende Professionalisierung der Täter, insbesondere im Bereich der Manipulation von Kontoinhabern.

Überweisungen als Hauptrisikofaktor für hohe Verluste

Besonders verlustreich erwiesen sich im Berichtszeitraum betrügerische Überweisungen. Obwohl diese lediglich 9 % der gemeldeten Vorfälle ausmachten, waren sie für 78 % der Gesamtschäden verantwortlich. Dies entspricht einer Summe von 89 Millionen Euro. Der durchschnittliche Schaden pro Überweisungsbetrug lag mit 3.000 Euro deutlich über dem Gesamtschnitt.

Laut den Analysen der OeNB lassen sich 83 % der Verluste bei Überweisungen auf sogenanntes Social Engineering zurückführen. Hierbei werden Opfer gezielt manipuliert, um Zahlungen selbst auszulösen oder sensible Zugangsdaten preiszugeben.

Im Vergleich zum EU-Schnitt liegt die Betrugsrate bei Überweisungen in Österreich mit 0,004 % doppelt so hoch wie der europäische Durchschnitt von 0,002 %. In anderen Bereichen des unbaren Zahlungsverkehrs bewege sich die Quote hingegen unter dem EU-Niveau.

Verschärfte Regulierung und Haftungsfragen für Finanzinstitute

Angesichts der Bedrohungslage steigen die Anforderungen an die Sicherheitsinfrastruktur der Banken. Die EU-Verordnung DORA (Digital Operational Resilience Act), die seit dem 17. Januar 2025 gilt, verpflichtet Finanzinstitute zu strengen Kontrollen.

Anzeige

Wer sich mit der Absicherung sensibler Finanztransaktionen befasst, sollte auch den Schutz des meistgenutzten Endgeräts nicht vernachlässigen. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen 5 einfache Schritte, um Ihr Smartphone effektiv vor Zugriffen durch Kriminelle zu schützen. 5 Schutzmaßnahmen für Ihr Smartphone jetzt entdecken

Dazu gehören personengebundene Identitäten für Zugriffe auf kritische Systeme sowie eine Rezertifizierung dieser Zugriffsrechte mindestens alle sechs Monate. Eine Multifaktor-Authentisierung (MFA) ist für privilegierte Zugriffe zwingend vorgeschrieben, wobei einfache SMS- oder Sprachanrufe nicht mehr als sicher eingestuft werden.

Verstöße gegen diese Richtlinien können zu Geldbußen und einer persönlichen Haftung des Vorstands führen. Parallel dazu festigt sich die Rechtsprechung bei Phishing-Vorfällen. Gerichte stellen hohe Anforderungen an die Kontrollmechanismen der Banken und folgen dem Grundsatz, dass ein Institut das Konto bei einer nicht autorisierten Zahlung unverzüglich berichtigen muss.

Internationaler Kontext und technologische Abwehrstrategien

Nicht nur im europäischen Raum, sondern weltweit verzeichnet der Finanzsektor massive Angriffe. In Südkorea meldeten die vier größten Banken für das Jahr 2025 Verluste von 231,9 Milliarden Won (rund 167 Millionen US-Dollar) durch Finanzkriminalität – ein Zehnjahreshoch.

In Sri Lanka führten Ermittlungen gegen ein informelles Geldtransfersystem kürzlich zur Verhaftung von vier Bankmanagern, denen vorgeworfen wird, Transaktionen im Wert von etwa einer Milliarde US-Dollar ohne entsprechende Warenimporte ermöglicht zu haben.

Krypto-Plattformen und Fintechs setzen verstärkt auf automatisierte Präventionssysteme. Der Anbieter Bybit gab für das erste Halbjahr 2026 an, durch Risiko-Überwachungen Verluste von über 700 Millionen US-Dollar verhindert zu haben. Dabei wurden 100 % der geschäftsrelevanten On-Chain-Aktivitäten überwacht.

Anzeige

Banking und PayPal werden heute fast ausschließlich mobil genutzt, was neue Angriffsflächen für Kriminelle eröffnet. Wie Sie Ihr Android-Gerät in wenigen Minuten gegen Hacker absichern können, erfahren Sie in diesem kostenlosen PDF-Sicherheitspaket. Kostenlosen Sicherheits-Ratgeber herunterladen

Auch Wirex Limited konnte im selben Zeitraum Betrugsverluste von fast 450.000 Pfund verhindern, indem 246 verschiedene Präventionsregeln angewendet wurden.

Branchenexperten forderten zuletzt auf Fachkonferenzen wie dem ETBFSI CXO Conclave eine verstärkte Zusammenarbeit. Ein Vertreter der Bank of Baroda wies darauf hin, dass Betrüger häufiger Menschen als die zugrunde liegende Technologie hacken würden.

Ohne eine branchenweite Echtzeit-Intelligence und eine gemeinsame Dateninfrastruktur sei ein fairer Kampf gegen organisierte Strukturen kaum möglich. Ergänzend dazu treten neue Transparenzregeln wie die EU-Richtlinie DAC8 in Kraft, die Kryptoanbieter ab 2026 verpflichtet, Nutzerdaten und Transaktionen für Steuerbehörden zu dokumentieren.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 69978328 |