Trassenpreise steigen 2027 um 7,7 Prozent im Regionalverkehr
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 13:06 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFinanzielle Folgen für den Regionalverkehr
- Christian Bernreiter fordert Bundesfinanzminister Lars Klingbeil zu Gesprächen über die Finanzierung auf.
- DB InfraGo soll die Trassenpreise im Schienenpersonennahverkehr 2027 um 7,7 Prozent erhöhen.
- Die Verkehrsministerkonferenz tagt am Mittwoch und Donnerstag im bayerischen Hohenschwangau.
Bund soll steigende Schienenkosten abfedern
Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter fordert angesichts höherer Trassenpreise Gespräche mit Bundesfinanzminister Lars Klingbeil. Er warnt vor Einschnitten im Regionalverkehr und höheren Ticketpreisen für Millionen Bahnreisende.
Bernreiter sieht Klingbeil am Zug
„Wir fordern natürlich, dass Bundesfinanzminister Lars Klingbeil an den Tisch kommt“, sagte Bernreiter im ARD-„Morgenmagazin“. Der CSU-Politiker ist derzeit Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz und macht ebenso wie weitere Landesverkehrsminister Druck auf die Bundesregierung.
Bernreiter verweist auf die Verantwortung des Bundes für die Finanzierung des Schienenpersonennahverkehrs. Der Bund müsse den Ländern die notwendigen Finanzmittel zur Verfügung stellen, sagte er.
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EuGH-Urteil lässt Trassenpreise steigen
Hintergrund ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom März, mit dem die Trassenpreisbremse für den Schienenpersonennahverkehr gekippt wurde. Die Schienenmaut fällt für Güter-, Fern- und Regionalverkehr unterschiedlich hoch aus.
Für den Schienenpersonennahverkehr plant DB InfraGo 2027 eine Erhöhung der Trassenpreise um 7,7 Prozent. Für 2028 sind weitere deutliche Steigerungen vorgesehen.
Länder warnen vor Zugausfällen
Bernreiter warnt, dass die Länder wegen der höheren Kosten Fahrten abbestellen könnten. Schleswig-Holstein hatte bereits vor zwei Jahren nach gekürzten Bundeszuschüssen auf fast allen Linien Fahrten gestrichen und das Angebot um insgesamt 1,5 Prozent reduziert.
Auch die Grünen-Haushälterin Paula Piechotta forderte schnelles Handeln von Bundesverkehrsminister Steffen Bilger. Wenn der Minister nicht tätig werde, werde die Bundesregierung das Leben für Menschen verteuern, die auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen seien, sagte sie der dpa.
Minister beraten in Hohenschwangau
Die Verkehrsministerkonferenz trifft sich am Mittwoch und Donnerstag im bayerischen Hohenschwangau. Dort soll es auch um den Vorschlag für ein weiteres digitales Ticket für Gelegenheitsfahrer gehen, den Bernreiter ablehnt.
Der Streit über die Trassenpreise trifft den Regionalverkehr zu einem Zeitpunkt, in dem die Länder ihre Zugangebote langfristig bestellen und finanzieren müssen. Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs im März 2026 entfiel die bisherige Begrenzung der Preissteigerungen für den Schienenpersonennahverkehr. Damit werden Kosten, die bislang teilweise abgefedert wurden, stärker an die Besteller des Nahverkehrs weitergereicht.
Für die Länder entsteht daraus ein doppelter Druck: Sie müssen entweder zusätzliche Bundesmittel erhalten, eigene Haushalte belasten oder Zugkilometer abbestellen. Schleswig-Holstein hat bereits vor zwei Jahren Fahrten gestrichen und das Angebot um 1,5 Prozent verringert. Bayern beziffert die zusätzliche Belastung nach Angaben des Bayerischen Rundfunks auf 72 Millionen Euro jährlich; bundesweit forderte Bernreiter demnach für die kommenden Jahre zusätzliche Mittel in Milliardenhöhe.
Folgen für Fahrgäste
Für Reisende entscheidet sich der Konflikt zunächst weniger an der Schienenmaut selbst als an den Bestellungen der Länder. Werden Verbindungen reduziert, betrifft das Pendler, Schüler und Menschen in Regionen mit wenigen Alternativen zum Zug. Höhere Ticketpreise sind eine weitere mögliche Folge, wenn die Mehrkosten nicht aus öffentlichen Mitteln ausgeglichen werden.
Die Verkehrsministerkonferenz in Hohenschwangau bietet den Ländern ein gemeinsames Forum, um eine Reform der Finanzierung und des Trassenpreissystems zu verlangen. Offen bleibt, wie Bund und Länder die Lasten verteilen und ob kurzfristig eine Lösung für die Preissteigerungen ab 2027 gefunden wird.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
BR24: „Gegen Zugstreichungen: Bernreiter fordert mehr Geld von Berlin“ (20.10.2026)
Der Beitrag bestätigt Bernreiters Forderung nach mehr Bundesgeld und beschreibt die finanzielle Belastung Bayerns. Als zusätzlichen Schwerpunkt nennt er eine Klage von mehr als 40 Eisenbahnverkehrsunternehmen sowie mögliche Zugstreichungen in Bayern ab 2029.
tagesschau.de: „Hohe Kosten für Schienennetz: Madsen fordert Unterstützung vom Bund“ (21.10.2026)
Der Bericht bestätigt den Zusammenhang mit dem EuGH-Urteil und die Forderung der Länder nach Entlastung durch den Bund. Er setzt den Schwerpunkt auf Schleswig-Holstein, nennt dort zusätzliche Kosten und stellt einen Reformvorschlag zur Finanzierung der Netzerhaltung vor.
Übereinstimmend sehen die Beiträge steigende Trassenpreise als Risiko für das Regionalzugangebot. Unterschiede gibt es bei der regionalen Betroffenheit und bei den Reformansätzen; offen bleibt vor allem die künftige Verteilung der Kosten zwischen Bund und Ländern.
