Teilzeitquote: Jeder dritte Arbeitnehmer arbeitet weniger als Vollzeit
28.05.2026 - 04:12:23 | boerse-global.de
Fast jeder dritte Arbeitnehmer in Deutschland arbeitet in Teilzeit – ein historischer Höchststand.
Neue Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zeigen: Die Teilzeitquote kletterte 2025 auf 31,9 Prozent. Auch in Nordrhein-Westfalen liegt die Quote bei knapp 32 Prozent. Rund jeder dritte Beschäftigte im Land arbeitet damit weniger als die reguläre Vollzeit.
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Frauen und Männer: Unterschiedliche Entwicklungen
Besonders auffällig ist der Blick auf die Geschlechter. In NRW arbeiten 49,9 Prozent der Frauen in Teilzeit, bei den Männern sind es 13,9 Prozent. Der Anstieg fällt bei Männern jedoch prozentual stärker aus: Während die weibliche Teilzeitquote von 48 Prozent (2015) auf 50,6 Prozent (2025) stieg, legte die männliche Quote von 10,6 auf 14,3 Prozent zu.
Die Gründe dafür sind vielfältig. Bei Eltern mit Kindern unter 18 Jahren arbeiten 66,4 Prozent der Mütter in Teilzeit, aber nur 8,6 Prozent der Väter. Ein Drittel der Frauen nennt Kinderbetreuung als Hauptgrund für die reduzierte Stundenzahl.
Weniger Stunden – aber mehr pro Teilzeitkraft
Interessant: Teilzeitkräfte arbeiten heute mehr als noch vor zehn Jahren. 2025 lag die durchschnittliche Wochenarbeitszeit bei 21,3 Stunden – zwei Stunden mehr als 2015. Vollzeitbeschäftigte kamen dagegen auf 39,9 Stunden, ein Minus von 0,6 Stunden im Vergleich zu 2015.
Gleichzeitig sinkt das gesamte Arbeitsvolumen in einigen Regionen deutlich. Im Kreis Minden-Lübbecke fiel die durchschnittliche Jahresarbeitszeit zwischen 2019 und 2024 um 2,3 Prozent – von 1.360 auf 1.327 Stunden.
Ältere Arbeitnehmer treiben den Trend
Eine besonders starke Entwicklung zeigt sich bei älteren Beschäftigten. 2025 arbeiteten 33,5 Prozent der 60-Jährigen in Teilzeit. Bei den 65-Jährigen waren es bereits 53,4 Prozent – und von den 70-Jährigen, die noch berufstätig sind, sogar 90,3 Prozent.
Politische Debatte um Arbeitsanreize
Die Recordzahlen lösen eine grundsätzliche Diskussion aus. Yvonne Lott vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) sieht darin eine positive Entwicklung: Längere Teilzeitmodelle hätten sich etabliert und ermöglichten Arbeitszeiten, die besser zum individuellen Leben passten.
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Politiker hingegen zeigen sich besorgt. Kanzler Merz warnte, dass der Fokus auf Work-Life-Balance und Vier-Tage-Wochen nicht ausreiche, um den Wohlstand zu sichern. Gitta Connemann, Vorsitzende der CDU-Mittelstandsvereinigung (MIT), sieht systemische Probleme: Die hohe Besteuerung von Mehrarbeit schrecke ab. Auf dem jüngsten CDU-Parteitag sprach sich die Partei dafür aus, den Rechtsanspruch auf Teilzeit für Beschäftigte ohne Betreuungs- oder Bildungspflichten einzuschränken.
Arbeitsmarkt zeigt Abkühlung
Der Teilzeit-Boom fällt mit einer Abkühlung des Arbeitsmarktes zusammen. Der Ifo-Beschäftigungsbarometer stieg zwar von 91,4 Punkten im April auf 93,9 Punkte im Mai 2026 – doch die Industrie bleibt vorsichtig. Laut EY-Daten lag die Beschäftigung im Industriesektor Ende des ersten Quartals 2026 um 2,3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Das entspricht einem Verlust von rund 127.300 Stellen.
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