Tarifverhandlungen, Lufthansa

Tarifverhandlungen Lufthansa: Deadline 1. April 2027 für Kabinenpersonal

Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 07:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Lufthansa rechnet mit ruhigem Sommer ohne Streiks, senkt aber wegen hoher Kosten und Arbeitskämpfen die Jahresprognose deutlich.

Lufthansa erwartet streikfreien Sommer trotz Tarifkonflikten und gesenkter Gewinnprognose
Ein Lufthansa-Passagierflugzeug auf einem sonnigen Rollfeld, symbolisch für operativen Flugbetrieb und Stabilität. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Lufthansa will die verbleibende Ferienzeit ohne weitere Arbeitskämpfe überstehen. Konzernchef Carsten Spohr erwartet, dass der Sommer 2026 ohne neue Streiks der Crews bleibt. Die Verhandlungen mit den Gewerkschaften Cockpit und Ufo laufen derzeit konstruktiv.

Kostspielige Arbeitskämpfe belasten die Bilanz

Die Streiks kosteten die Lufthansa im zweiten Quartal mindestens 150 Millionen Euro. Andere Schätzungen gehen sogar von bis zu 200 Millionen Euro aus. Angesichts dieser Einbußen betont die Konzernleitung die Notwendigkeit einer verlässlichen Planung für die Hauptreisezeit.

Bei der Kabinengewerkschaft Ufo zeichnet sich eine vorsichtige Annäherung ab. Doch es gibt eine Deadline: Bis zum 1. April 2027 muss ein neuer Abschluss stehen, sonst tritt für das Kabinenpersonal wieder der alte Konzerntarifvertrag in Kraft. Auch mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) bewertet das Management die Gespräche als zielführend.

Allerdings bleiben juristische Baustellen offen. Die VC klagt gegen die Kündigung der Perspektiv- und Freistellungsvereinbarung durch den Arbeitgeber. Grundsätzliche Strukturfragen der Personalpolitik sind also trotz der operativen Beruhigung weiterhin ungeklärt.

Gewinnprognose gesenkt, Kosten steigen

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Der wirtschaftliche Druck macht eine Einigung dringend nötig. Die Lufthansa senkte ihre Gewinnprognose für 2026: Das bereinigte EBIT soll nun zwischen 1,7 und 2,2 Milliarden Euro liegen – im Vorjahr waren es noch 1,96 Milliarden. Im zweiten Quartal brach das bereinigte EBIT um 56 Prozent auf 383 Millionen Euro ein, der Überschuss fiel sogar um 88 Prozent auf 123 Millionen Euro.

Doch nicht nur die Streiks schmerzen. Der Konzern rechnet mit Kerosin-Mehrkosten von rund 750 Millionen Euro für das laufende Jahr. Dazu kommen geopolitische Spannungen, insbesondere der Iran-Krieg, die das Marktumfeld belasten. Während die Netzwerk-Airlines deutliche Einbußen verkraften mussten, profitierte die Frachtsparte: Lufthansa Cargo steigerte ihr bereinigtes EBIT dank des KI-Booms um 47 Prozent auf 199 Millionen Euro – der Transportbedarf für Server-Infrastruktur boomt.

Frankfurter Flughafen spürt die Folgen

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Die Streiks hinterlassen auch am größten deutschen Drehkreuz ihre Spuren. Laut Flughafenbetreiber Fraport waren im ersten Halbjahr rund 700.000 Passagiere von den Ausständen betroffen. Insgesamt zählte Frankfurt 28,9 Millionen Fluggäste – ein leichter Rückgang von 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Trotz stabiler Buchungslage im Sommer bleibt das Kostenniveau ein Branchenthema. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) fordert Entlastung bei den staatlichen Standortkosten, die 2025 auf 4,3 Milliarden Euro gestiegen sind. Während die Lufthansa intern um Tarifstabilität ringt, bahnt sich extern eine Konsolidierung an: Die italienische ITA Airways plant ihren Beitritt zur Star Alliance bis Anfang 2026 und hat bereits erste Kooperationen bei Meilenprogrammen und Lounge-Zugängen mit der Lufthansa Group gestartet.

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