Tankrabatt endet Juni: Inflation klettert über 3-Prozent-Marke
19.06.2026 - 13:13:37 | boerse-global.de
Führende Institute haben ihre Wachstumserwartungen am Donnerstag deutlich nach unten korrigiert.
Sowohl das Ifo Institut als auch das IMK sehen die Konjunktur durch einen massiven Energiepreisschock ausgebremst. Besonders betroffen: die Kaufkraft der privaten Haushalte.
34 Milliarden Euro Kaufkraftverlust
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Der aktuelle Energiepreisschock kostet die Verbraucher laut Ifo-Berechnungen insgesamt 34 Milliarden Euro. Das sind rund 400 Euro pro Kopf.
Haupttreiber sind die Auswirkungen des Iran-Konflikts. Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser sieht die Wirtschaft zwar vorübergehend stagnieren, aber nicht in eine tiefe Rezession fallen.
Ein Fiskalpaket der Bundesregierung stützt das BIP immerhin mit etwa 0,5 Prozentpunkten. Ohne diese Maßnahmen sähe es noch düsterer aus. Das Staatsdefizit dürfte 2026 auf 4,1 Prozent und 2027 auf 4,9 Prozent des BIP steigen.
Wachstum: Ifo optimistischer als IMK
Die Prognosen der Institute gehen leicht auseinander. Das Ifo erwartet für 2026 ein BIP-Wachstum von 0,8 Prozent, das IMK ist mit 0,6 Prozent vorsichtiger. Für 2027 rechnet Ifo ebenfalls mit 0,8 Prozent, das IMK mit 0,9 Prozent.
Beide Institute haben ihre Vorhersagen gegenüber dem Frühjahr deutlich gesenkt.
Auch bei der Inflation gibt es Unterschiede. Ifo prognostiziert für 2026 eine Rate von 2,9 Prozent, die 2027 auf 2,7 Prozent sinken soll. Das IMK geht von 2,8 Prozent im laufenden und 2,3 Prozent im nächsten Jahr aus.
IMK-Direktor Sebastian Dullien bezeichnet den wirtschaftlichen Schaden als erheblich, die Lage aber als beherrschbar – sofern der Iran-Konflikt nicht weiter eskaliert.
Tankrabatt läuft aus – Inflation zieht an
Ein entscheidender Faktor für die Preisentwicklung: Das Ende staatlicher Unterstützung. Die Bundesbank weist in ihrem Juni-Monatsbericht darauf hin, dass der Tankrabatt – eine Senkung der Energiesteuer um rund 17 Cent pro Liter – Ende Juni ausläuft.
Die Folge: Die Inflationsrate, die im Mai bei 2,7 Prozent lag, dürfte wieder über die 3-Prozent-Marke steigen.
Im Mai profitierten vor allem Familien noch von einer leichten Entspannung. Laut IMK-Inflationsmonitor sank die Teuerungsrate für Paarfamilien mit geringem Einkommen von 2,9 Prozent im April auf 2,4 Prozent im Mai.
Die Nahrungsmittelpreise legten nur um 0,4 Prozent zu – der niedrigste Wert seit zwei Jahren. Die Bundesbank rechnet jedoch erst im Herbst mit einer wirtschaftlichen Erholung und einem Mini-Wachstum von 0,1 Prozent im dritten Quartal.
Erzeugerpreise auf Höhenflug
Aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes vom Freitag unterstreichen den anhaltenden Preisdruck. Die Erzeugerpreise stiegen im Mai um 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat – der stärkste Anstieg seit Mai 2023.
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Besonders Mineralölprodukte explodierten um 34,9 Prozent. Metalle verteuerten sich um 11,1 Prozent, chemische Grundstoffe um 10,4 Prozent.
Ein Lichtblick: Nahrungsmittel wurden 3,6 Prozent günstiger. Butter kostete 40 Prozent weniger, Schweinefleisch 16,7 Prozent.
Auch im Euroraum bleibt der Preisdruck hoch. Eurostat bestätigte für Mai eine Inflationsrate von 3,2 Prozent – deutlich über dem EZB-Ziel von 2,0 Prozent.
