Studierende: Sicherheit verdrängt Gehalt bei der Jobsuche
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 07:24 Uhr | dpa, AD HOC NEWSStudierende bewerten Jobkriterien neu
- 52 Prozent der Befragten nannten einen sicheren Arbeitsplatz als wichtigstes Kriterium.
- Gehalt und mögliche Gehaltssteigerungen liegen nun hinter der Arbeitsplatzsicherheit auf Rang zwei.
- EY ließ im Frühjahr 2026 mehr als 2.000 Studierende online befragen.
Arbeitsplatzsicherheit wird zum wichtigsten Kriterium
Studierende achten bei der Jobsuche zunehmend auf einen sicheren Arbeitsplatz: 52 Prozent nannten dieses Kriterium in einer EY-Umfrage, zehn Prozentpunkte mehr als vor zwei Jahren. Gehalt und mögliche Gehaltssteigerungen, damals noch an erster Stelle, rangieren nun auf Platz zwei.
Weniger Gewicht für Vereinbarkeit
Auch die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf verlor an Bedeutung. Ihr Anteil sank von 38 auf 26 Prozent.
Weniger wichtig sind den Befragten inzwischen zudem flache Hierarchien sowie die Möglichkeit zu selbstständigem und eigenverantwortlichem Arbeiten.
Wirtschaftsflaute prägt Erwartungen
EY-Experte Jan-Rainer Hinz erklärte: «Sicherheit steht beim Berufseinstieg ganz oben.» Als Grund nannte er die seit Jahren schwache Wirtschaft und die Zurückhaltung der Unternehmen bei Neueinstellungen. Es gebe spürbar weniger Einstiegsstellen.
«Wer so startet, schaut zuerst darauf, ob die Stelle hält - und erst dann aufs Gehalt», sagte Hinz. EY riet Absolventen zugleich, nicht ausschließlich auf Sicherheit zu setzen, weil sie sonst Chancen verpassen könnten.
Mehr als 2.000 Studierende befragt
Für die Umfrage ließ EY im Frühjahr 2026 mehr als 2.000 Studierende online befragen. Den Angaben zufolge ist die Erhebung repräsentativ.
Die Ergebnisse der EY-Umfrage spiegeln die angespannte Lage beim Berufseinstieg wider. Wenn Unternehmen vorsichtiger einstellen und weniger Einstiegsstellen anbieten, gewinnt die Aussicht auf Beschäftigungsstabilität für Studierende an Gewicht. Der Anstieg um zehn Prozentpunkte innerhalb von zwei Jahren zeigt, dass sich die Prioritäten deutlich verschoben haben.
Für Absolventinnen und Absolventen bedeutet das eine stärkere Orientierung an Branchen, Arbeitgebern und Geschäftsmodellen mit verlässlicher Nachfrage. Sicherheit ist dabei nicht nur eine Frage des Kündigungsschutzes, sondern auch der langfristigen wirtschaftlichen Perspektive eines Unternehmens. Besonders in einer schwachen Konjunktur können selbst gut ausgebildete Berufseinsteiger mit längeren Bewerbungsphasen und mehr Konkurrenz rechnen.
Arbeitsmarkt im Wandel
Die Entwicklung steht zugleich für einen Wandel bei den Erwartungen an den ersten Job. Aspekte wie Gehalt, Vereinbarkeit und eigenständiges Arbeiten bleiben relevant, verlieren in der Umfrage aber an Priorität. Das legt nahe, dass viele Studierende kurzfristige Stabilität höher bewerten als zusätzliche Vorteile des Arbeitsalltags.
Für Arbeitgeber entsteht daraus ein Spannungsfeld: Wer Einstiegsstellen streicht oder Perspektiven unklar lässt, könnte qualifizierte Bewerber verlieren. Umgekehrt weist EY darauf hin, dass eine ausschließliche Konzentration auf Sicherheit Chancen begrenzen kann. Für die Beschäftigungschancen der nächsten Absolventenjahrgänge wird deshalb entscheidend sein, ob Unternehmen wieder mehr Nachwuchskräfte einstellen und welche Zukunftsfelder tatsächlich neue Stellen schaffen.
