Stromsteuer, Euro

Stromsteuer: 93 Euro Ersparnis für Haushalte mit 4.000 kWh Verbrauch

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 16:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die mögliche Senkung könnte Familien jährlich rund 80 bis 100 Euro sparen lassen; wann sie kommt, ist wegen des Haushaltsvorbehalts offen.
Ein Hochspannungsmast in einem weiten Getreidefeld bei klarem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Diskussion über eine steuerliche Entlastung bei den Energiekosten hat in Deutschland erneut an Dynamik gewonnen. Nach einer Klausurtagung des CDU-Präsidiums in Berlin stellte Bundeskanzler Friedrich Merz in Aussicht, die Stromsteuer für alle Verbraucher auf das europäische Mindestmaß abzusenken.

Eine solche Maßnahme ist im Koalitionsvertrag von Union und SPD verankert, bislang profitieren jedoch vor allem das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft von reduzierten Steuersätzen. Die tatsächliche Umsetzung für Privathaushalte und weitere Wirtschaftszweige knüpft die Regierungsspitze allerdings an künftige finanzielle Spielräume.

Mögliche Einsparungen für private Haushalte

Der reguläre Satz der Stromsteuer liegt bei 2,05 Cent je Kilowattstunde (kWh). Bei einer Reduzierung auf das europäische Mindestmaß von 0,1 Cent je kWh ergäbe sich unter Berücksichtigung der verringerten Mehrwertsteuer laut CDU-Angaben eine Entlastung von 2,32 Cent je kWh. Ein typischer Familienhaushalt könne dadurch jährlich etwa 80 bis 100 Euro beziehungsweise rund 7 bis 8 Euro monatlich einsparen.

Berechnungen des Vergleichsportals Verivox von Mitte Oktober 2026 zeigen für einen Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 4.000 kWh eine jährliche Ersparnis von rund 93 Euro, wobei die Stromkosten von etwa 1.375 auf 1.282 Euro sinken würden.

Der durchschnittliche Strompreis ginge demnach von 34,36 auf 32,04 Cent je kWh zurück, was einem Minus von rund 7 Prozent entspricht. Bei einem Jahresverbrauch von 2.800 kWh bezifferte das Portal die Ersparnis auf rund 65 Euro, bei 1.500 kWh auf etwa 35 Euro.

Private Haushalte in Deutschland verbrauchen jährlich mehr als 130 Milliarden kWh Strom und könnten rechnerisch zusammen um rund 3 Milliarden Euro entlastet werden. Das Bundesfinanzministerium schätzt den Spielraum auf 1,3 bis 2,4 Cent je kWh, was bei 4.000 kWh Jahresverbrauch 52 bis 96 Euro Ersparnis entspräche.

Wirtschafts- und Branchenverbände wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sowie der Handelsverband Deutschland (HDE) signalisierten Zustimmung. BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae mahnte eine zügige Umsetzung an. Laut BDEW zahlen Haushalte bei Neuverträgen im Schnitt 38,9 Cent je kWh, wovon Steuern, Abgaben und Umlagen rund 33 Prozent ausmachen.

Fiskalische Vorbehalte und politischer Kontext

Trotz der angekündigten Pläne bleibt der Beginn einer flächendeckenden Absenkung offen. Nach Angaben der CDU entgehen dem Staat bei einer vollständigen Umsetzung jährlich über 5 Milliarden Euro.

Anzeige

Die geplante Absenkung der Stromsteuer auf das EU-Mindestmaß würde einen typischen Haushalt mit 4.000 kWh Jahresverbrauch rund 93 Euro im Jahr entlasten — doch die Umsetzung ist an den Haushaltsvorbehalt geknüpft. Unser kostenloser Report zeigt Ihnen, wie hoch Ihre persönliche Entlastung ausfiele und welche Schritte Sie unabhängig davon jetzt gehen können. Kostenlosen Stromsteuer-Report anfordern

Bundeskanzler Merz verwies auf die jüngste Anhebung der Regierungsprognose für das Wirtschaftswachstum 2026 von 0,5 auf 1,3 Prozent. Ein Prozentpunkt zusätzliches Wachstum bringe rund 10 Milliarden Euro Steuereinnahmen, davon etwa 5 Milliarden für den Bund.

Gleichwohl bestehen erhebliche Haushaltsrisiken. Eine Studie der Denkfabrik Dezernat Zukunft verweist darauf, dass für den Bundeshaushalt 2027 eine Lücke von über 20 Milliarden Euro besteht.

CSU-Chef Markus Söder stärkte Merz den Rücken; bereits im Juli 2025 hatte die Bundesregierung mit Verweis auf den Haushaltsvorbehalt eine Verschiebung breitflächiger Entlastungen auf Januar 2027 signalisiert. Die Debatte fällt zudem in eine Phase schwacher Umfragewerte für die Union, die nach Verlusten bei mehreren Landtagswahlen in Umfragen unter die Marke von 20 Prozent fiel.

Auswirkungen auf Energiewende und E-Mobilität

Neben der reinen Entlastungswirkung berührt die Steuerhöhe strukturelle Weichenstellungen bei der Dekarbonisierung. Der Analyse von Dezernat Zukunft zufolge würde die Steuersenkung das Verhältnis zwischen Strom- und Gaspreisen in Deutschland von 3,2 auf mindestens 3,0 verringern.

Die Europäische Kommission empfiehlt im Rahmen ihres Electrification Action Plan ein Verhältnis von maximal 2,5, um den Wechsel zu strombetriebenen Technologien zu beschleunigen.

Anzeige

Steuern, Abgaben und Umlagen machen bei Neuverträgen rund ein Drittel des Strompreises aus — Tendenz unklar, denn ein konkreter Start der Entlastung ist offen. Wer jetzt seinen Tarif prüft, bleibt handlungsfähig, egal wie die politische Entscheidung ausfällt. Unsere Checkliste führt Sie Schritt für Schritt durch die wichtigsten Punkte. Checkliste Stromtarif-Wechsel sichern

Für die Verkehrswende gilt der Strompreis als zentraler Faktor. Auswertungen des Verbandes der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) auf Basis von Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes zeigen, dass die Neuzulassungen batterieelektrischer Fahrzeuge in den ersten neun Monaten des Jahres 2026 um 58,1 Prozent auf 604.144 Einheiten stiegen, was einem Marktanteil von 27,2 Prozent entspricht.

VDIK-Präsidentin Imelda Labbé bezeichnete eine Stromsteuersenkung als wichtigen Schritt, mahnte jedoch an, dass die Ladesäulenbetreiber diesen Preisvorteil auch direkt an die Fahrer weiterreichen müssten. Am 16. Oktober 2026 berät der Bundesrat über Regelungen zur Stromsteuer, nachdem Ausschüsse der Länderkammer im Vorfeld noch Klärungsbedarf angemeldet hatten.

Disclaimer...
de | wirtschaft | 70341216 |