Straßendienst, Risikodrom-Schulung

Straßendienst: Risikodrom-Schulung senkt 13-faches Unfallrisiko

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 08:42 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Bis 2041 scheiden über 60.000 Fahrer im Nahverkehr aus. Auch im Güterverkehr droht eine Pensionierungswelle von rund 200.000 Lkw-Fahrern.

Personalmangel bei Bussen, Bahnen und Lkw: VDV warnt vor Rentenwelle
Junge Bahn-Auszubildende in Uniformen arbeiten in einer modernen Leitstelle, überwachen Bildschirme und lernen von erfahrenen Ausbildern. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das teilte der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) am Donnerstag mit. Bis 2041 werden demnach mehr als 60.000 Beschäftigte aus dem Dienst ausscheiden. Jährlich gehen etwa 6.000 Fahrer in Rente.

Noch dramatischer ist die Lage im Güterverkehr. In den kommenden zehn bis 15 Jahren scheiden rund 200.000 Lkw-Fahrer altersbedingt aus. Die Branche sucht händeringend nach Lösungen.

Bahnausbildung: Neues Konzept in Berlin

Die S-Bahn Berlin startet ein Pilotprojekt: 17 Auszubildende im zweiten Lehrjahr koordinieren eigenständig die Leitstelle für die Linie S3. Zwei Wochen lang übernehmen die Nachwuchskräfte am Standort Olympiastadion die Verkehrs- und Personaldisposition. Eine Fortsetzung ist für Ende August geplant.

Auch die DB Cargo AG baut ihr Qualifizierungsangebot aus. In bundesweiten Centern werden Lokführer, Wagenmeister und Rangierbegleiter geschult. Das Spektrum reicht von Basisausbildungen bis zu Spezialschulungen für moderne Zugsicherungssysteme wie ETCS.

Die Folgen des Personalmangels zeigen sich auch bei Infrastrukturprojekten. Die sanierte Strecke zwischen Nürnberg und Regensburg startet erst am 31. Juli statt wie geplant am heutigen Freitag. Grund sind ausstehende Sicherheitsprüfungen der Stellwerkstechnik. Fahrgastverbände fordern mehr Prüfkapazitäten und eine erleichterte Zulassung von Sachverständigen.

Arbeitssicherheit: „Risikodrom“ für Straßenwärter

Das NRW-Verkehrsministerium stellte am Donnerstag das Schulungsprogramm „Risikodrom“ vor. Hintergrund: Beschäftigte im Straßendienst haben ein 13-mal höheres Unfallrisiko als andere Branchen. Das Programm arbeitet mit Videoanalysen und soll landesweit zum Einsatz kommen.

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Auch bei Steigtechnik und Brandschutz wird die Schulung verdichtet. Die Krause Academy bietet Seminare für die Prüfung von Leitern, Fahrgerüsten und Schutzausrüstung gegen Absturz an. Ziel ist die Ausbildung „befähigter Personen“ für rechtssichere Prüfungen im Betrieb.

Digitalisierung: Elektronische Unterweisungen ersetzen Papier

Für den Mittelstand ist Weiterbildung nicht nur Mitarbeiterbindung, sondern rechtliche Pflicht. Das Arbeitsschutzgesetz, Betriebsverfassungsgesetz und branchenspezifische Regelwerke definieren klare Qualifizierungspflichten. Das Qualifizierungschancengesetz bietet finanzielle Unterstützung.

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Digitale Unterweisungssysteme ersetzen zunehmend papierbasierte Listen. Die DGUV Regel 100-001 fordert anlassbezogene Sicherheitsunterweisungen. Digitale Systeme ermöglichen automatisierte Wiederholungslogik und rechtssichere Dokumentation.

Das Handwerk bereitet sich auf neue Standards vor. Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen entwickelt Schulungen für Handwerksbetriebe zum nachhaltigen Bauen. Der Roll-out ist für Anfang 2027 geplant. Die Handwerkskammer Mannheim empfiehlt zudem kostenfreie Deutsch-Intensivkurse für Nachwuchskräfte mit Migrationsgeschichte – ab Ende Juli an verschiedenen Standorten in Baden-Württemberg.

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