Stimmrechtsberater, Bundesrat

Stimmrechtsberater: Bundesrat zwingt ISS und Glass Lewis zur Offenlegung

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 16:53 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Lübeck erhält Auszeichnung für vorbildliche Offenlegung seiner Unternehmensführung. Zugleich sorgt die geplante IFG-Reform für politischen Streit.

Lübeck gewinnt Governance-Preis für Transparenzbericht
Ein leuchtender, transparenter Würfel mit Datenvisualisierungen schwebt über einer stilisierten Karte von Lübeck bei Sonnenuntergang. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Expertenkommission des Deutschen Public Corporate Governance-Musterkodex (PCGK) ehrt die Stadt für ihren jährlichen PCGK-Bericht. Bürgermeister Jan Lindenau betonte: Transparenz sei ein entscheidender Faktor für erfolgreiche Stadtführung. Die Verleihung findet am 10. September 2026 in Friedrichshafen statt.

Transparenz wird zum Standard

Die Auszeichnung fällt in eine Zeit, in der öffentliche Verwaltungen ihre Arbeit zunehmend offenlegen. Der Preis würdigt, wie Lübeck seine Governance-Strukturen darstellt und hinterfragt. Der Musterkodex regelt die Führung und Kontrolle von Unternehmen der öffentlichen Hand.

Auch andere Städte ziehen nach. Augsburg präsentiert dieser Tage seinen ersten freiwilligen Bericht zu den UN-Nachhaltigkeitszielen in New York. Auf über 200 Seiten dokumentiert die Kommune ihre Fortschritte bei Klimaschutz und sozialer Gerechtigkeit.

Widerstand gegen IFG-Reform

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Ganz anders sieht es auf Bundesebene aus. Die geplante Reform des Informationsfreiheitsgesetzes (IFG) sorgt für heftige Diskussionen. Ex-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) kritisierte das Vorhaben scharf. Nötige Sicherheitsausnahmen seien bereits im geltenden Recht verankert. Der Arbeitsaufwand für Auskünfte – zuletzt geschätzt auf 460.000 Stunden – sei eine demokratische Notwendigkeit, so die Politikerin.

Auch in der SPD-Bundestagsfraktion regt sich Widerstand. Vertreter der Fraktion, Juso-Chef Philipp Türmer und Digitalexperte Johannes Schätzl warnen vor sinkenden Transparenzstandards. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig kündigte eine kritische Prüfung des Entwurfs an. Der Druck von außen ist enorm: Über 440.000 Menschen haben eine Petition gegen die Einschränkung der Informationsfreiheit unterschrieben.

Strengere Regeln für Stimmrechtsberater

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Der Transparenz-Trend erfasst auch die Finanzbranche. Der Bundesrat brachte einen Gesetzesentwurf auf den Weg, der Stimmrechtsberater wie ISS und Glass Lewis zur Offenlegung von Interessenkonflikten zwingen soll. Das Ziel: Aktionären eine bessere Entscheidungsgrundlage bieten.

Der Markt wird von zwei Giganten dominiert. ISS hält geschätzte 23 Prozent Stimmanteil, Glass Lewis kommt auf 14 Prozent. Die Konsultationsphase läuft bis September 2026. Die Politik reagiert damit auf die wachsende Macht dieser Berater bei Hauptversammlungen.

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