Steuerzinsen, Satz

Steuerzinsen: Satz verdoppelt sich ab Januar 2027 auf 3,6%

Veröffentlicht: 16.07.2026 um 02:31 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die Bundesregierung plant ein umfassendes Steuerpaket mit steigenden Nachzahlungszinsen, zwei Einkommensteuer-Modellen und höheren Freibeträgen bis 2028.

Steuerpaket 2026: Höhere Zinsen, neue Modelle und mehr Freibeträge
Eine Hand hält eine Lupe über Euro-Banknoten und Münzen, mit einem Taschenrechner und einem Stift im Hintergrund, der finanzielle Prüfung symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und Justizministerin Stefanie Hubig haben Mitte Juli ein umfassendes Steuerpaket vorgestellt. Es kombiniert Entlastungen für über 35 Millionen Steuerzahler mit schärferen Regeln gegen Steuerbetrug.

Zinsen für Steuernachzahlungen steigen drastisch

Ab dem 1. Januar 2027 verdoppelt sich der jährliche Zinssatz für Steuernachzahlungen und -erstattungen. Aus 1,8 Prozent werden dann 3,6 Prozent. Monatlich steigt der Satz von 0,15 auf 0,3 Prozent. Die Regierung begründet den Schritt mit der Entwicklung der Marktzinsen.

Der Bund rechnet allein für 2027 mit Mehreinnahmen von rund 60 Millionen Euro. Bis 2031 könnten sich die zusätzlichen Einnahmen auf über 600 Millionen Euro summieren. Zum Vergleich: Bis 2022 lag der Zinssatz noch bei 6 Prozent. Das Bundesverfassungsgericht hatte ihn in der Niedrigzinsphase auf das aktuelle Niveau drücken lassen.

Zwei Modelle für die Einkommensteuer

Die Regierung um Kanzler Merz und Finanzminister Klingbeil legte zwei Varianten zur Reform der Einkommensteuer vor. Welche kommt, entscheiden die kommenden Verhandlungen.

Modell 1 entlastet mit insgesamt 28 Milliarden Euro. Die Finanzierung kommt primär von höheren Steuern auf große Vermögen. Der Reichensteuersatz steigt auf 49 Prozent – und greift ab einem zu versteuernden Einkommen von 200.000 Euro.

Modell 2 fällt mit 17 Milliarden Euro Entlastung geringer aus. Es verzichtet auf eine Erhöhung der Erbschaftsteuer. Der Spitzensteuersatz liegt bei 44 Prozent ab 75.657 Euro, die Reichensteuer bei 48 Prozent ab 200.000 Euro.

Für Einkommensgruppen zwischen 40.000 und 60.000 Euro jährlich bedeuten die Modelle je nach Variante zwischen 400 und 900 Euro mehr netto.

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Freibeträge steigen – aber die kalte Progression bleibt

Bereits Anfang Juli einigte sich die Regierung auf konkrete Eckpunkte, die bis 2028 schrittweise kommen. Der Grundfreibetrag steigt auf 12.900 Euro. Das Kindergeld soll bis 2028 auf 272 Euro pro Monat klettern, die Kinderfreibeträge ebenfalls. Der Arbeitnehmerpauschbetrag erhöht sich um 200 auf 1.430 Euro.

Doch Kritik kommt von Wirtschaftsverbänden und Wissenschaftlern. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat berechnet: Für einen vollen Ausgleich der kalten Progression wären rund 15 Milliarden Euro nötig. Die tatsächliche Entlastung im Kernbereich beträgt lediglich 10 Milliarden Euro.

Finanzwissenschaftler wie Frank Hechtner von der FAU warnen vor realen Kaufkraftverlusten. Grund sind steigende Sozialabgaben. Der Rentenbeitrag soll bis 2028 auf 19,9 Prozent steigen, dazu kommen Erhöhungen der Beitragsbemessungsgrenzen in der Kranken- und Pflegeversicherung. Für viele mittlere und höhere Einkommen könnten diese Mehrbelastungen die Steuervorteile übersteigen. Besonders kinderlose Singles drohen am Ende weniger netto zu haben.

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Schärfere Regeln gegen Steuerbetrug

Parallel zur Steuerreform präsentierte die Regierung am 15. Juli einen Aktionsplan gegen Steuerbetrug. Justiz- und Finanzministerium planen unter anderem, die strafbefreiende Selbstanzeige einzuschränken. Sie soll nicht mehr generell zur Straffreiheit führen.

Ein weiterer Fokus liegt auf der Besteuerung von Kryptowährungen. Der Bund erhofft sich durch diese Maßnahmen Mehreinnahmen von rund einer Milliarde Euro.

Weitere Änderungen: Der Handwerkerbonus sinkt von 20 auf 15 Prozent, die Pauschalsteuer für Minijobs steigt von 2 auf 5 Prozent. Zudem soll die KfW in den Jahren 2027 und 2028 jeweils 500 Millionen Euro Gewinn an den Bundeshaushalt abführen.

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