Steuerzinsen: Bundesregierung verdoppelt Sätze ab 2027 auf 3,6%
09.06.2026 - 09:51:32 | boerse-global.de
Ab 2027 sollen statt 1,8 Prozent nun 3,6 Prozent pro Jahr fällig werden.
Die geplante Neuregelung ist Teil des Jahressteuergesetzes 2026. Über das umfassende Reformpaket berät die Koalition am 10. Juni mit Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden im Kanzleramt.
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Doppelt so hohe Zinsen für Steuerzahler
Die Erhöhung auf 0,3 Prozent pro Monat betrifft sowohl Nachzahler als auch Empfänger von Steuererstattungen. Nach einer Karenzzeit von 15 Monaten greifen die neuen Sätze. Der Gesetzgeber reagiert damit auf die veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
BFH bestätigt höhere Zinssätze
Flankiert wird die politische Debatte durch aktuelle Urteile der Finanzgerichtsbarkeit. Der Bundesfinanzhof (BFH) bestätigte im Januar 2026, dass ein Zinssatz von 5,5 Prozent im Bewertungsrecht verfassungsgemäß ist. Das betrifft die Berechnung des Barwerts lebenslänglicher Renten bei der Schenkungsteuer.
Die Richter stellten klar: Die strengen Maßstäbe des Bundesverfassungsgerichts zur Vollverzinsung lassen sich nicht direkt auf das Bewertungsrecht übertragen. Hier verfolge man andere Zwecke – etwa den Ausgleich von Zinsschwankungen über längere Zeiträume.
Bereits Ende 2025 entschied der BFH zudem: Zinsen auf Umsatzsteuernachzahlungen aus Vorsteuerberichtigungen sind rechtmäßig. Unternehmen müssen bei Betriebsprüfungen also weiter mit erheblichen Zinsforderungen rechnen.
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Streit um die Einkommensteuerreform
Die Zinsanpassung ist eingebettet in eine grundlegende Diskussion über die Steuersystem-Reform. Bundeskanzler Merz will den Kurs vor der Sommerpause forcieren, die am 10. Juli beginnt. Doch innerhalb der Koalition gibt es deutliche Differenzen bei der Bürgerentlastung.
Die SPD fordert eine jährliche Entlastung von mindestens 500 Euro für Gering- und Mittelverdiener mit monatlichen Einkommen zwischen 2.500 und 3.000 Euro. Ziel: Inkrafttreten zum 1. Januar 2027.
Die CDU plädiert für eine Anhebung der Spitzensteuersatz-Grenze von knapp 70.000 auf 80.000 Euro.
Noch weiter geht IG-BCE-Chef Vassiliadis. Er schlägt vor, den Spitzensteuersatz erst ab 100.000 Euro Jahreseinkommen greifen zu lassen – dafür aber um zwei bis drei Prozentpunkte zu erhöhen. Zur Finanzierung von Infrastruktur und Verteidigung bringt die Gewerkschaft eine zusätzliche Abgabe für Einkommen ab 200.000 Euro sowie eine höhere Erbschaftsteuer ins Spiel.
Länder drohen mit Blockade
Bundesratspräsident Bovenschulte warnt vor einer Überlastung durch zu viele gleichzeitige Reformvorhaben. Er signalisiert eine mögliche Blockade durch die Länder, falls Steuersenkungen nicht ausreichend kompensiert werden.
Während die Steuerreform für die Regierung Priorität genießt, könnten andere Vorhaben wie die Rentenreform erst in der zweiten Jahreshälfte finalisiert werden.
Offen bleibt auch die Umsetzung bereits angekündigter Maßnahmen aus dem Vorjahr. Die geplante Steuerfreiheit für Überstundenzuschläge, ursprünglich zum 1. Januar 2026 geplant, ist Anfang Juni noch nicht rechtskräftig. Auch die Entlastungsprämie scheiterte im Mai im Bundesrat – ein Zeichen für die komplexen Abstimmungsprozesse zwischen Bund und Ländern.
Der nächste wichtige Termin: die Sitzung des Koalitionsausschusses am 30. Juni 2026.
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