Steuerreform ab Juli: Ein-Klick-Erklärung und 500 Euro Entlastung
19.06.2026 - 03:40:13 | boerse-global.de
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) bereitet ein umfassendes Reformpaket zur Vereinfachung der deutschen Steuerlandschaft vor. Die Pläne basieren auf Empfehlungen zweier Expertenkommissionen aus dem Sommer 2024. Am 1. Juli 2026 soll das Vorhaben im Koalitionsausschuss von Union und SPD beraten werden.
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Neue Pauschale soll Steuererklärung überflüssig machen
Ein Kernstück der Reform ist die sogenannte Arbeitstagepauschale. Sie bündelt bisher getrennte Werbungskosten wie Pendlerpauschale, Arbeitszimmer und Homeoffice-Kosten. Das Ziel: Die Einkommensteuererklärung soll deutlich einfacher werden – oder in vielen Fällen ganz wegfallen.
Bereits zum 1. Juli 2026 startet ein Pilotprojekt, das eine Steuererklärung mit nur einem Klick ermöglicht. Für Arbeitnehmer mit einem Bruttoeinkommen von bis zu 70.000 Euro ist eine jährliche Entlastung von rund 500 Euro geplant. Die vollständige Umsetzung der Reform ist für den 1. Januar 2027 vorgesehen.
Auch Rentner und Unternehmen profitieren
Das Konzept sieht auch Anpassungen für Rentner vor. Geplant sind eine Rentenabzugsteuer und ein Rentner-Pauschbetrag von 102 Euro. Schätzungen zufolge könnten davon rund 4,4 Millionen Rentner profitieren.
Für Unternehmen peilt das Ministerium eine vereinfachte Unternehmensteuer mit einer Gesamtbelastung von rund 25 Prozent auf Gewinne an. Die Reform der Gewerbesteuer gilt allerdings als politisch komplex. Derzeit werden zwei Varianten diskutiert: Entlastungen von entweder 10 oder 20 Milliarden Euro.
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Streit um Gegenfinanzierung und Länder-Kompetenzen
Trotz der geplanten Entlastungen gibt es innerhalb der Koalition Diskussionsbedarf. Im Gespräch ist eine Anhebung des Spitzensteuersatzes von 42 auf 44,5 Prozent – ein potenzieller Streitpunkt mit der Union.
Auch die Bundesländer machen Druck. NRW-Finanzminister Marcus Optendrenk (CDU) fordert eine vollständige Entschädigung für zu erwartende Steuerausfälle. Er kritisierte, dass Bundeskanzler Olaf Scholz und Finanzminister Klingbeil die Länder nicht ausreichend eingebunden hätten. Optendrenk signalisierte Zustimmung nur für verfassungsrechtlich zwingende Anpassungen wie bei Grund- und Kinderfreibeträgen. Sein Prinzip: Wer bestellt, muss auch bezahlen.
