Steuerreform ab 2027: Zehn Milliarden Euro Entlastung für Millionen
06.07.2026 - 07:51:25 | boerse-global.de
Die Neuregelungen betreffen Steuern, Rente, Bürokratie und den Arbeitsmarkt. Während Kanzler Merz von einer positiven Zukunft für den Standort spricht, formiert sich vor allem gegen die strengeren Krankschreibungsregeln Widerstand.
Weniger Steuern für die Mitte
Ein zentraler Punkt des Pakets ist die Steuerreform, die zum 1. Januar 2027 in Kraft treten soll. Das jährliche Entlastungsvolumen liegt bei rund zehn Milliarden Euro. Die Regierung hebt den Grundfreibetrag und den Kinderfreibetrag an. Durchschnittsverdiener sollen so jährlich rund 600 Euro sparen.
Gegenfinanziert wird das über eine schärfere Reichensteuer. Ab 250.000 Euro Einkommen steigt der Satz auf 45 Prozent, ab 280.000 Euro auf 47 Prozent. SPD-Vertreterin Rehlinger verteidigte die Reform als Signal an Familien. Wirtschaftsvertreter warnen dagegen vor Belastungen für leistungsstarke Betriebe.
Strengere Regeln bei Krankschreibung
Am Arbeitsmarkt lockert die Koalition die Befristungsregeln. Sachgrundlose Befristungen sind künftig bis zu 48 Monate möglich – allerdings nur bis 2030. Arbeitnehmervertreter kritisieren die Aufweichung von Schutzstandards.
Für heftige Debatten sorgt die Rückkehr zur strengen Attestpflicht. Die telefonische Krankschreibung wird abgeschafft. Arbeitnehmer müssen bereits ab dem ersten Krankheitstag ein ärztliches Attest vorlegen. Eine YouGov-Umfrage zeigt: 59 Prozent der Befragten lehnen diese Regelung ab.
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Rente wird teurer – und später
Auch die Sozialversicherung wird reformiert. Der Rentenbeitrag steigt um bis zu zwei Prozentpunkte. Gleichzeitig erhöht die Regierung das Rentenalter über 67 Jahre hinaus.
Weniger Bürokratie, mehr Tempo
Das Paket bringt auch lang geforderte Entlastungen für Unternehmen. Die Regierung hebt zahlreiche Berichtspflichten auf und führt eine Genehmigungsfiktion ein: Anträge gelten künftig als automatisch genehmigt, wenn Behörden nicht rechtzeitig entscheiden.
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Der IHK-Präsident von Darmstadt, Jöst, begrüßte die Ansätze, mahnte aber eine zügige Umsetzung an. Bäckereien dürfen sonntags länger öffnen. Der Datenschutz wird auf das EU-Mindestmaß begrenzt.
Merz: „Sehr gute Jahre“ für Deutschland
Kanzler Merz zeigte sich auf einem Parteitag in Nordrhein-Westfalen optimistisch. Deutschland stehe vor sehr guten Jahren, wenn die Reformbereitschaft erhalten bleibe. Er kündigte weitere Schritte an, darunter einen Aktionsplan gegen Sozialleistungsmissbrauch.
SPD-Chef Klingbeil räumte ein, dass man erst ein Teilstück geschafft habe. Er verteidigte die für 2027 geplante Neuverschuldung von 118,7 Milliarden Euro für Modernisierung und Bundeswehr. Ab 2028 soll ein schärferer Sparkurs mit zwei Prozent Einsparungen pro Ressort greifen.
Wirtschaftsvertreter wie Arbeitgeberpräsident Dulger sprachen von einem überfälligen Kurswechsel. Ökonomen wie Graeber vom DIW warnen dagegen: Die neuen Krankschreibungsregeln könnten paradoxerweise zu mehr Fehltagen führen – weil Patienten für jedes Attest eine Praxis aufsuchen müssen.
