Steuerreform, Koalition

Steuerreform 2027: Koalition plant radikale Mehrwertsteuer-Umstellung

18.05.2026 - 21:21:32 | boerse-global.de

Die Bundesregierung plant eine umfassende Steuerreform mit höheren Sätzen, aber befreiten Lebensmitteln. Parallel startet ein neues Portal für E-Auto-Prämien.

Steuerreform 2027: Koalition plant radikale Mehrwertsteuer-Umstellung - Foto: über boerse-global.de
Steuerreform 2027: Koalition plant radikale Mehrwertsteuer-Umstellung - Foto: über boerse-global.de

Eine grundlegende Reform der Mehrwertsteuer, ein neues Förderportal für E-Autos und milliardenschwere Entlastungen für Verbraucher stehen im Raum. Bis zum Sommer soll das Gesamtpaket stehen.

Die 21-10-0-Formel: Was auf Verbraucher zukommt

Die Koalitionsspitze hat sich auf eine der tiefgreifendsten Steuerreformen der letzten Jahrzehnte verständigt. Kernstück ist die sogenannte „21-10-0-Formel", die bereits bei der Klausur am 12. Mai 2026 im Koalitionsausschuss diskutiert wurde.

Der Plan: Der reguläre Mehrwertsteuersatz steigt von 19 auf 21 Prozent. Der ermäßigte Satz – bislang 7 Prozent – klettert auf 10 Prozent. Dafür werden Lebensmittel komplett von der Steuer befreit – null Prozent. Ein radikaler Schritt, der vor allem Geringverdiener entlasten soll.

Anzeige

Angesichts der geplanten Reformen und der komplexen Mehrwertsteuer-Regeln ist es für Selbstständige entscheidend, keine finanziellen Vorteile zu verschenken. Dieser kostenlose PDF-Ratgeber erklärt verständlich, wie Sie vom Vorsteuerabzug profitieren und sogar Geld vom Finanzamt zurückerhalten können. Umsatzsteuer-Ratgeber jetzt kostenlos herunterladen

Die finanziellen Auswirkungen sind gewaltig. Berechnungen zufolge bringt die Anhebung des Regelsatzes auf 21 Prozent rund 30 Milliarden Euro zusätzlich in die Kassen. Die Erhöhung des ermäßigten Satzes auf 10 Prozent spült weitere drei Milliarden herein. Dem stehen Steuerausfälle von 17 Milliarden Euro durch die Lebensmittel-Befreiung gegenüber. Unterm Strich bleibt ein Plus von 16 Milliarden Euro jährlich. Inkrafttreten soll die Reform am 1. Januar 2027.

Neues E-Auto-Förderportal startet am Dienstag

Parallel zur Steuerdebatte öffnet die Bundesregierung ein neues digitales Antragsportal für Elektroauto-Prämien. Ab dem 19. Mai 2026 können Privatpersonen über das BAFA-Portal Fördergelder beantragen – rückwirkend für Fahrzeuge, die seit dem 1. Januar 2026 gekauft wurden.

Die Fördersummen sind gestaffelt: Für reine Batterie-Elektrofahrzeuge (BEV) gibt es zwischen 3.000 und 6.000 Euro. Plug-in-Hybride (PHEV) werden mit 1.500 bis 4.500 Euro bezuschusst – allerdings nur, wenn sie bestimmte Umweltkriterien erfüllen, etwa CO2-Emissionen unter 60 Gramm pro Kilometer oder eine elektrische Reichweite von über 80 Kilometern.

Die Hürden sind klar definiert. Die Einkommensgrenze liegt bei 80.000 Euro pro Jahr, für Haushalte mit Kindern steigt sie um 5.000 bis 10.000 Euro. Wer die Prämie kassiert, muss das Fahrzeug mindestens 36 Monate halten. Der Antrag läuft digital über das BundID-System, entweder mit ELSTER-Zertifikat oder Online-Ausweisfunktion.

Volkswagen auf Sparkurs: Überkapazitäten und neue Partner

Während der Staat neue Anreize schafft, kämpft die Industrie mit harten Einschnitten. Volkswagen macht Fortschritte beim Abbau von Überkapazitäten an den Standorten Zwickau, Emden und Wolfsburg. Der Konzern will die Produktion bis 2030 um über 700.000 Fahrzeuge reduzieren – das spart jährlich rund 1,5 Milliarden Euro.

Ein Signal für die Modellpolitik: Der ID. Golf wird wohl nicht vor 2030 kommen. Parallel verhandelt VW mit dem chinesischen Hersteller Xpeng über eine mögliche Nutzung europäischer Werke. Die Frage nach der Auslastung der deutschen Standorte bleibt damit vorerst offen.

Neue Regeln für Reisekosten und Kinderbetreuung

Für das Steuerjahr 2026 gelten aktualisierte Pauschalen. Bei Dienstreisen liegt das Verpflegungsgeld bei 14 Euro für Abwesenheiten über acht Stunden, bei vollen Kalendertagen bei 28 Euro. Die Übernachtungspauschale bleibt bei 20 Euro, der Kilometersatz für den Dienstwagen unverändert bei 0,30 Euro.

Anzeige

Da die Verpflegungspauschalen und Reisekostenregeln für 2026 aktualisiert wurden, setzen immer mehr Unternehmen auf digitale Lösungen statt manueller Listen. Dieses kostenlose Excel-Tool automatisiert den gesamten Prozess und berücksichtigt bereits alle aktuellen Pauschalen für In- und Auslandsreisen. Kostenlosen Reisekostenrechner hier sichern

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat zudem klargestellt: Kinderbetreuungskosten – zu 80 Prozent absetzbar, maximal 6.000 Euro jährlich – können nur der Elternteil geltend machen, der mit dem Kind im selben Haushalt lebt. Zahlungen des getrennt lebenden Elternteils sind nicht als Sonderausgaben abziehbar.

Politische Großwetterlage: Wahlkampf und Umfragen

Die Reformpläne kommen zu einer Zeit politischer Hochspannung. Die jüngste Insa-Umfrage sieht die AfD bei 29 Prozent, die Union bei 22 Prozent, die SPD bei mageren 12 Prozent. Die Koalition steht unter enormem Druck, noch vor der Sommerpause ein schlüssiges Gesamtpaket aus Steuern, Rente und Bürokratieabbau zu schnüren.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Am 6. September 2026 wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt – ein wichtiger Stimmungstest für die Bundespolitik. Die 21-10-0-Reform und die E-Auto-Förderung werden dabei zentrale Wahlkampfthemen sein.

Auch in Österreich tut sich etwas. Die Regierung in Wien hat einen Agrardiesel-Zuschuss von rund 16 Cent pro Liter auf den Weg gebracht. Insgesamt 100 Millionen Euro sind im aktuellen Doppelhaushalt dafür eingeplant – ein weiteres Beispiel für die gezielte Unterstützung systemrelevanter Branchen.

Ausblick: Was Unternehmen jetzt wissen müssen

Bis Jahresende müssen sich Firmen auf die neuen elektronischen Rechnungsstandards (E-Rechnung) einstellen. Die Voranmeldungsfristen für die Umsatzsteuer bleiben eng: Der 10. des Folgemonats ist der Stichtag.

Die Autobranche wird genau verfolgen, wie viele Anträge über das neue BAFA-Portal eingehen. Reichen die Prämien aus, um die Nachfrage zu stabilisieren? Und wie bereiten sich Steuerberater und Unternehmen auf die 21-10-0-Reform vor? Fachseminare im Oktober 2026 werden hier voraussichtlich ausgebucht sein.

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | wirtschaft | 69367803 |