Steuerreform, Grundfreibetrag

Steuerreform 2027: Grundfreibetrag auf 12.900 Euro, Reichensteuer bei 47%

Veröffentlicht: 12.07.2026 um 02:49 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Trotz schwacher Konjunktur bleiben Bilanzbuchhalter und kaufmännische Leiter stark gefragt. Steuerreformen und NIS2 treiben den Bedarf zusätzlich an.

Fachkräftemangel in kaufmännischen Berufen trotz Wirtschaftsflaute
Eine Gruppe von Finanzexperten arbeitet in einem modernen Büro an Finanzdokumenten und digitalen Hauptbüchern. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Besonders betroffen: Bilanzbuchhalter und kaufmännische Leiter.

Immer mehr Engpassberufe

Die Regionaldirektion Sachsen-Anhalt der Bundesagentur für Arbeit meldet alarmierende Zahlen. Die Zahl der Berufsgruppen mit gravierenden Besetzungsengpässen stieg auf 22 an – 2024 waren es noch 20. „Die Fachkräftelücke bleibt auch in Phasen wirtschaftlicher Schwäche bestehen", sagt Markus Behrens von der Regionaldirektion.

Das Kernproblem: Nur 6 Prozent der gemeldeten Arbeitslosen suchen eine Stelle in diesen Engpassberufen. Die Qualifikationen passen einfach nicht zur Nachfrage. Das betrifft nicht nur technische und medizinische Felder, sondern zunehmend auch spezialisierte kaufmännische Dienstleistungen.

Die trend interior GmbH aus Greding sucht aktuell einen Bilanzbuchhalter. Anforderungen: Haupt- und Anlagenbuchhaltung, Monats- und Jahresabschlüsse plus Controlling-Kompetenz. Ein Anforderungsprofil, das den aktuellen Markt spiegelt.

Reformen treiben den Bedarf

Der Druck auf Finanzabteilungen wächst – und das gleich mehrfach. Der Bundestag verabschiedete am 10. Juli eine umfassende GKV-Finanzreform. Ab 2027 sind tiefgreifende Änderungen geplant: Begrenzung der Vergütungsanstiege, ab 2028 ein Zuschlag für die beitragsfreie Familienversicherung von Kindern über zwölf Jahren.

Parallel dazu plant die Bundesregierung eine große Steuerreform für 2027. Die Eckpunkte:

  • Anhebung des Grundfreibetrags auf bis zu 12.900 Euro bis 2028
  • Kindergeld steigt auf 272 Euro
  • Reichensteuer ab 280.000 Euro Einkommen bei 47 Prozent
  • Befristungsmöglichkeiten bei Arbeitsverträgen auf bis zu 48 Monate ausgeweitet
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All das erhöht den administrativen Aufwand in der Entgeltabrechnung und Steuergesetzgebung enorm. Wer die komplexen Neuregelungen beherrscht, ist gefragt wie nie.

NIS2: Weitere Belastung für Betriebe

Und dann ist da noch die IT-Sicherheit. Der Stand der NIS2-Umsetzung zeigt eine massive Lücke: Rund 29.500 betroffene Betriebe sind noch nicht beim BSI registriert. Drohende Bußgelder von bis zu 10 Millionen Euro bei Verstößen machen den Handlungsdruck deutlich.

Kaufmännische Leiter müssen also nicht nur Steuerreformen im Blick haben, sondern auch Compliance-Anforderungen im Bereich Cybersicherheit managen. Ein Job, der immer mehr Spezialwissen erfordert.

Krankenhaus investiert in kaufmännische Führung

Trotz des schwierigen Umfelds investieren Unternehmen in ihre Führungsebene. Das Kreiskrankenhaus Weilburg schuf zum 10. Juli die Position eines Kaufmännischen Direktors. Grund: Die Übernahme der Neurologie Weilmünster brachte rund 300 neue Mitarbeiter. Dieter Becker übernimmt die Rolle mit Gesamtprokura.

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Dass fehlerfreie Bilanzierung existenzielle Bedeutung hat, zeigt der Fall der PSI Software SE. Der Jahresabschluss 2025 wurde uneingeschränkt testiert – beim Konzernabschluss schränkten die Wirtschaftsprüfer das Testat aber ein. Grund: eine Unstimmigkeit bei einer Bilanzposition von über 5 Millionen Euro.

Solche Vorfälle verdeutlichen das hohe Haftungs- und Reputationsrisiko in der Konzernrechnungslegung. Und sie treiben die Nachfrage nach erfahrenen Fachkräften weiter an, die eine ordnungsgemäße Dokumentation garantieren können.

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