Steuerpolitik, SPD

Steuerpolitik: SPD plant 10 Mrd. € Entlastung und höhere Spitzensätze

Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 21:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

SPD plant Nettoentlastung von 10 Mrd. Euro, FDP fordert Soli-Aus. Union und IW kritisieren unzureichenden Ausgleich der kalten Progression.

Steuerreform-Debatte: SPD-Entwurf und FDP-Modell im Vergleich
Ein moderner, sonnendurchfluteter Arbeitsplatz in einem mittelständischen Unternehmen mit Blick auf ein Gewerbegebiet. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Vertreter des deutschen Mittelstands haben Reformen beim Solidaritätszuschlag angemahnt, um die steuerliche Belastung für Betriebe spürbar zu senken. In der laufenden Debatte um die künftige Steuerpolitik positionierten sich Mitte August zudem verschiedene politische Akteure mit gegensätzlichen Modellen zur Entlastung der Bürger und Unternehmen.

Widerstand gegen neue Belastungen und Substanzsteuern

Die Chefin der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT), Gitta Connemann, sprach sich deutlich gegen die Einführung einer Vermögensteuer aus. Solche Pläne, wie sie zuletzt von CDU-Politiker Kai Wegner ins Gespräch gebracht wurden, bezeichnete sie als massive Belastung für mittelständische Strukturen.

Auch innerhalb der SPD wird derzeit über die Verteilung von Steuerlasten diskutiert. Während Teile der Partei auf höhere Belastungen drängen, sieht ein aktueller Entwurf des Parteivorsitzenden Lars Klingbeil keine Vermögensteuer vor.

SPD-Konzept sieht Entlastungen und höhere Spitzensteuersätze vor

Der überarbeitete Gesetzentwurf von Lars Klingbeil zielt auf eine Netto-Entlastung von insgesamt 10 Mrd. € ab, die im Jahr 2028 wirksam werden soll. Kernpunkte des Papiers sind die Anhebung des steuerlichen Grundfreibetrags auf 12.900 € sowie eine Erhöhung des Kindergelds auf 272 € für das Jahr 2028.

Gleichzeitig plant der Entwurf eine stärkere Belastung hoher Einkommen. Ab einer Einkommensgrenze von 70.600 € soll der Spitzensteuersatz von 42 % greifen. Zudem sieht das Konzept eine neue Reichensteuer in Höhe von 47 % für Einkommen ab 280.000 € vor.

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Nach Protesten aus den Reihen der Union strich Klingbeil die ursprünglich geplante Abschaffung des Steuerfreibetrags für Mitarbeiterrabatte in Höhe von 1080 € aus dem Entwurf. Auch der Vereins-Freibetrag von 5000 € soll demnach erhalten bleiben. Das Bundeskabinett wird sich voraussichtlich Anfang September mit diesen Plänen befassen.

FDP präsentiert weitreichendes Vier-Stufen-Modell

Die FDP verfolgt hingegen ein deutlich umfangreicheres Entlastungskonzept. Ein kürzlich beschlossenes Papier der Liberalen sieht ein steuerliches Gesamtvolumen von 31 Mrd. € zur Entlastung vor. Das Modell basiert auf einem Vier-Stufen-Tarif mit Sätzen von 15, 25, 35 und 42 %.

Im Gegensatz zu den SPD-Plänen fordert die FDP die vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags. Weitere Bestandteile des Konzepts sind die Streichung der CO2-Steuer sowie eine deutliche Anhebung des Sparerfreibetrags auf 10.000 €. Zudem plädiert die Partei für die Einführung einer sogenannten 50-Cent-Regel. Eine konkrete Gegenfinanzierung für dieses Paket ist in dem Konzept nicht vorgesehen.

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Experten und Opposition kritisieren unzureichende Korrekturen

Kritik am Entwurf der SPD kam vonseiten der Union. CDU-Vertreter warfen der Koalition vor, die kalte Progression nicht vollständig auszugleichen. Um diesen Effekt zu neutralisieren, seien nach Einschätzung der Union zusätzliche 8 Mrd. € notwendig.

Unterstützt wird diese Sichtweise durch Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Die Experten des Instituts beziffern das Volumen, das für einen vollständigen Ausgleich der kalten Progression erforderlich wäre, auf insgesamt 15 Mrd. €. Damit liegen die Forderungen der Wirtschaftsforscher deutlich über den bisherigen Zusagen aus dem Entwurf des SPD-Vorsitzenden.

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