Steuerkriminalität, Bundesregierung

Steuerkriminalität: Bundesregierung beschließt 100-Milliarden-Plan

Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 23:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Vietnam und Deutschland verschärfen Steuerregeln für E-Commerce. Neue Meldepflichten und höhere Strafen treiben den Mittelstand um.

Steuerpflicht im Online-Handel: Neue Regeln für Händler
Abstrakte Darstellung digitaler Datenflüsse und sicherer Finanztransaktionen, die globale Standorte verbinden, mit Steuersymbolen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Während die vietnamesische Finanzverwaltung einen umfassenden Leitfaden für ausländische Lieferanten vorlegt, treibt die Bundesregierung ihre Maßnahmen gegen Umsatzsteuerbetrug voran.

Vietnam veröffentlicht neuen Steuerleitfaden

Die vietnamesische Finanzverwaltung hat am 20. Juli 2026 einen Leitfaden zur steuerlichen Erfassung im E-Commerce veröffentlicht. Die Regelungen sind bereits seit dem 1. Juli in Kraft und richten sich explizit an ausländische Lieferanten und Plattformbetreiber. Ziel ist es, Steueransprüche unabhängig vom Vertriebskanal durchzusetzen.

Der Leitfaden enthält Umsetzungshinweise für Kleinstunternehmen und Influencer. Auch Compliance-Vorgaben für die elektronische Rechnungsstellung und Steuerverwaltung im Online-Handel sind enthalten.

Deutschland setzt auf Technologie gegen Steuerkriminalität

Mitte Juli legte die Bundesregierung einen Aktionsplan gegen Steuerkriminalität vor. Kernstück ist ein elektronisches Meldesystem zur Bekämpfung von Umsatzsteuerbetrug. Der jährliche Schaden durch Steuerkriminalität liegt Schätzungen zufolge bei rund 100 Milliarden Euro.

Der Plan sieht höhere Strafen für bandenmäßige Steuerhinterziehung vor. Zudem soll ein gemeinsames Zentrum gegen Steuer- und Finanzkriminalität beim Zoll entstehen. Ab dem 1. Januar 2028 gilt für Unternehmen mit mehr als 100.000 Euro Umsatz eine Registrierkassenpflicht.

Die Behörden erhalten erweiterte Befugnisse zur Vermögensabschöpfung. Inkriminierte Gelder können künftig bis zu 180 Tage beschlagnahmt werden – auch ohne vorherige Verurteilung.

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Neue Meldepflichten für Plattformbetreiber

Digitale Plattformen müssen ihre Transparenz erhöhen. Ähnlich der europäischen DAC7-Richtlinie bereiten auch Drittstaaten wie Montenegro entsprechende Gesetze vor. Ab 2027 müssen Plattformen die Einkünfte ihrer Nutzer bis zum 31. Januar des Folgejahres an die Finanzbehörden melden.

Besonders betroffen sind Influencer und Anbieter auf Online-Marktplätzen. Manche Staaten stufen diese Einkünfte als selbstständige Tätigkeit ein, andere nutzen den Abgleich von Deviseneinnahmen zur Identifikation undeklarierter Einkünfte.

Auch bei Kryptowerten schwindet die Anonymität. Seit Anfang 2026 melden Kryptobörsen Nutzerdaten und Transaktionen gemäß der Richtlinie DAC8. Die Daten für 2026 müssen bis zum 31. Juli 2027 an das Bundeszentralamt für Steuern übermittelt werden.

Dokumentationspflichten bleiben bestehen

Trotz zunehmender Automatisierung müssen Unternehmen weiterhin Dokumente vorhalten. In Deutschland gilt seit Jahren die Belegvorhaltepflicht, die die generelle Einreichung von Quittungen ersetzt. Fachleute empfehlen bei bestimmten Sachverhalten die proaktive Vorlage von Nachweisen.

Das gilt besonders für erstmals deklarierte ausländische Einkünfte oder Anträge auf unbeschränkte Steuerpflicht. Seit 2025 gelten verschärfte Regeln für Unterhaltsleistungen: Sie werden nur noch bei nachgewiesener Banküberweisung anerkannt. Auch die Fünftelregelung für Abfindungen kann seit 2025 ausschließlich über die Steuererklärung geltend gemacht werden.

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Mittelstand unter Druck

Die steigenden Compliance-Anforderungen treffen auf ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld. Laut Datev-Mittelstandsindex stiegen die Umsätze im deutschen Mittelstand im Juni 2026 um 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Der Lohnindex legte jedoch um 6,3 Prozent zu.

Während das Baugewerbe ein leichtes Plus verzeichnete, meldeten das verarbeitende Gewerbe und das Gastgewerbe rückläufige Tendenzen. Besonders Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten leiden unter der Kombination aus steigenden Kosten und komplexen regulatorischen Anforderungen.

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