Steuererklärung: Ein-Klick-Verfahren für 11,5 Millionen ab Juli
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 19:35 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Das neue Verfahren über das Elster-Portal soll den Prozess radikal vereinfachen – doch Experten warnen vor versteckten Fallstricken.
Hamburg treibt die Digitalisierung voran
Die Hansestadt ist Vorreiter bei der digitalen Steuerverwaltung. Im ersten Halbjahr 2026 wurden 83,25 Prozent der Steuererklärungen elektronisch eingereicht. Besonders beeindruckend: 22,78 Prozent der Fälle liefen vollautomatisch durch.
Finanzsenator Dressel peilt bis 2030 eine vollständige Digitalisierung an. Ein zentraler Baustein ist das Pilotprojekt „AMSEL“ (Automatisierte Messung steuerlicher Eckwerte). Im Finanzamt Hamburg-Ost wurde es mit rund 7.000 Fällen getestet. Ähnliche Vorhaben laufen in Thüringen (50.000 automatisierte Vorschläge), Hessen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.
So funktioniert die Ein-Klick-Steuer
Das Verfahren richtet sich an rund 11,5 Millionen Steuerpflichtige – vor allem Alleinstehende, kinderlose Arbeitnehmer sowie Rentner mit einfachen Einkommensverhältnissen. Voraussetzung: ein aktives Elster-Konto und die App „MeinELSTER+“.
Das Finanzamt erstellt einen vorausgefüllten Entwurf aus vorhandenen Daten – Lohnsteuer, Rentenbezüge, Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge. Nutzer prüfen den Entwurf und übermitteln ihn digital.
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Doch hier liegt das Problem: Der Entwurf basiert nur auf gemeldeten Stammdaten. Individuelle Abzugsmöglichkeiten wie Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen fehlen oft. Wer sie nicht manuell ergänzt, verschenkt bares Geld. Die durchschnittliche Steuererstattung liegt bei 1.172 Euro.
Fristen und Fallstricke für Rentner
Für Steuerpflichtige ohne Steuerberater endet die Abgabefrist für 2025 am 31. Juli 2026. Bei Verspätung drohen Zuschläge von mindestens 25 Euro pro Monat. Wer einen Berater einschaltet, hat bis zum 1. März 2027 Zeit.
Besonders betroffen: Rentner. Die Rentenerhöhung um 4,24 Prozent zum 1. Juli 2026 macht schätzungsweise 204.000 Ruheständler erstmals steuerpflichtig. Der steuerpflichtige Rentenanteil für Neurentner 2026 liegt bei 84 Prozent. Der Grundfreibetrag beträgt 12.348 Euro für Alleinstehende.
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Geplante Reformen bis 2027
Die Bundesregierung arbeitet an einem Steuervereinfachungsgesetz bis Herbst 2026. Geplant ist unter anderem eine Arbeitstagepauschale.
Zum 1. Januar 2027 soll eine umfassende Einkommensteuer-Reform kommen: Der Grundfreibetrag steigt auf 12.900 Euro bis 2028, der Spitzensteuersatz greift ab 70.600 Euro. Zur Gegenfinanzierung der jährlichen Entlastungen von rund 10 Milliarden Euro ist eine Anpassung der Minijob-Pauschalsteuer von 2 auf 5 Prozent vorgesehen.
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