Steuererklärung: 11,5 Millionen nutzen neue okElster-App ab Juli
02.07.2026 - 17:33:03 | boerse-global.de
Seit dem 1. Juli 2026 können Millionen Deutsche ihre Steuererklärung per App erledigen. Die neue Funktion in „MeinELSTER+“ heißt offiziell „okElster“ und verspricht die Abgabe mit einem einzigen Klick.
11,5 Millionen Steuerzahler profitieren
Das Verfahren richtet sich an ledige und kinderlose Arbeitnehmer sowie Rentner ohne weitere Einkünfte. Entwickelt wurde es von Bayern im Rahmen des Bund-Länder-Projekts KONSENS. Rund 11,5 Millionen Steuerpflichtige fallen in die Zielgruppe.
Das System greift auf vorhandene Daten der Finanzverwaltung zurück: elektronische Lohnsteuerbescheinigungen und Rentenbezugsmitteilungen. Daraus erstellt die App automatisch einen Erklärungsvorschlag für das Steuerjahr 2025.
Nutzer prüfen den Vorschlag und schicken ihn per Klick ans Finanzamt. Voraussetzung: ein ELSTER-Benutzerkonto und die App-Version 65.0.0 oder höher. Das Ganze läuft auf Smartphones ab Android 13 oder iOS 17. Die Aktivierung war bereits seit März möglich.
Start in vier Bundesländern
Zunächst ist das Verfahren in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Niedersachsen und Baden-Württemberg verfügbar. Weitere Bundesländer sollen folgen. Im ersten Halbjahr 2027 plant die Finanzverwaltung die Freigabe für verheiratete Arbeitnehmer.
Bayerns Finanzminister lobte die Lösung als „schnell, unkompliziert und sicher“. Die manuelle Dateneingabe entfalle weitgehend – zumindest für einfache Steuerfälle.
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Steuerexperten warnen vor verpassten Rückerstattungen
Doch der Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL) und der Bund der Steuerzahler raten zur Vorsicht. Das Problem: Die App verarbeitet nur Daten, die dem Finanzamt bereits vorliegen. Individuelle Aufwendungen bleiben außen vor.
Prof. Dr. Joachim Englisch warnt: Werbungskosten über dem Pauschbetrag, Fahrtkosten, Spenden oder außergewöhnliche Belastungen erfasst das System nicht. Auch Handwerkerleistungen und haushaltsnahe Dienstleistungen müssen manuell ergänzt werden. Sonst verschenken Nutzer bares Geld.
Lohnsteuerhilfevereine befürchten, dass viele Steuerzahler durch die schnelle Abgabe auf Rückerstattungen verzichten.
Um keine Rückerstattungen durch unvollständige Angaben zu verschenken, hilft ein tieferer Blick in die Funktionen der Steuerverwaltung. Ein kostenloser Ratgeber zeigt, welche versteckten Funktionen Ihnen Zeit und Steuerberatungskosten ersparen. Gratis-Ratgeber für MeinElster sichern
Was gilt nach der Abgabe?
Nach dem Absenden und dem Erhalt des Bescheids läuft die reguläre Einspruchsfrist von vier Wochen. Steuerberater Pascal Hill weist darauf hin: Bei komplexeren Fällen – etwa Nebeneinkünften aus Vermietung – taugt die App nicht. Dann bleibt nur der Weg über das ELSTER-Portal oder spezialisierte Software.
Immerhin: Vor dem Absenden zeigt die App eine Vorschau auf den voraussichtlichen Steuerbescheid. Das gibt eine erste Orientierung – ersetzt aber keine gründliche Prüfung.
