Steuerberatung, KPMG

Steuerberatung: KPMG bringt KI-System für 276.000 Mitarbeiter

29.05.2026 - 17:50:28 | boerse-global.de

Großkanzleien setzen auf KI-Partnerschaften, spezialisierte Steuer-Agenten starten und der DStV gibt erste Leitlinien für den Einsatz heraus.

Steuerberatung: KPMG bringt KI-System für 276.000 Mitarbeiter - Foto: über boerse-global.de
Steuerberatung: KPMG bringt KI-System für 276.000 Mitarbeiter - Foto: über boerse-global.de

Die globale Steuerberatungsbranche erlebt einen tiefgreifenden Wandel: Weltweit rüsten die großen Beratungshäuser auf künstliche Intelligenz um, während spezialisierte KI-Agenten die Steuererklärung automatisieren. Was bedeutet das für den deutschen Markt?

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Großkanzleien im KI-Wettlauf

KPMG treibt die digitale Transformation massiv voran. Am 19. Mai 2026 gab das Unternehmen eine Partnerschaft bekannt, die 276.000 Mitarbeitern in 138 Ländern Zugang zum System „Digital Gateway Powered by Claude" verschaffen soll. Der Rollout beginnt in den Bereichen Steuerberatung und Private Equity, die vollständige Einführung ist für September 2026 geplant. Gehostet wird die Plattform auf Microsoft Azure, um höchste Sicherheitsstandards zu gewährleisten.

Bemerkenswert: Innerhalb von nur 60 Tagen haben mit Deloitte, PwC und KPMG drei der „Big Four"-Beratungsgesellschaften Enterprise-Verträge für Claude-basierte Systeme abgeschlossen. Parallel dazu drängt OpenAI in den Markt: Das Unternehmen gründete ein vier Milliarden Euro schweres Beratungsunternehmen, unterstützt von Investoren wie TPG, Bain Capital, Brookfield und Advent. Teil der Expansion war die Übernahme der Beratungsfirma Tomoro mit rund 150 Ingenieuren.

Auch die Konsolidierungswelle im KI-Sektor setzt sich fort: Cohere übernahm Aleph Alpha für umgerechnet 18 Milliarden Euro. Und Google brachte am 21. Mai 2026 mit Gemini Spark einen cloudbasierten Agenten sowie das Videogenerierungstool Omni auf den Markt.

Spezialisierte Steuer-KI: Vom Beleg zur Betriebsprüfung

Neben den Universalmodellen drängen zunehmend spezialisierte KI-Agenten auf den Markt, die gezielt für die Steuercompliance entwickelt wurden. Am 27. Mai 2026 startete Byron, eine KI-Plattform für Steuerberater, offiziell. Das Unternehmen hatte zuvor 6 Millionen Euro in einer Seed-Finanzierungsrunde eingesammelt, angeführt von Square Peg, Sorenson Capital und Liquid2 Ventures.

Die Plattform automatisiert den Übergang von unstrukturierten Mandantendaten zu prüffähigen Arbeitspapieren für spezifische US-Steuerformulare. Die Genauigkeit bei der Datenextraktion liege bei über 97 Prozent – ein Wert, der die Fehleranfälligkeit manueller Prozesse drastisch reduzieren dürfte.

Parallel dazu entwickelte OpenAI gemeinsam mit Thrive und Crete einen selbstlernenden Steueragenten auf Basis des Codex-Modells. Dieser soll Steuererklärungen automatisieren und sich durch eine interne Bewertungsschleife stetig verbessern. In einem Pilotprojekt mit über 30 Kanzleien wurden bereits 7.000 Steuererklärungen bearbeitet. OpenAI hält seit Dezember 2025 Anteile an Thrive, das geistige Eigentum am System verbleibt jedoch beim Entwickler.

Deutsche Regulierung: DStV gibt Leitplanken vor

Während die Technologie rasant voranschreitet, ziehen die Berufsverbände nach. Bereits am 28. April 2026 veröffentlichte der Deutsche Steuerberaterverband (DStV) einen Musterleitfaden für den KI-Einsatz in Kanzleien. Die Richtlinien konzentrieren sich auf Governance, Datenschutz und Qualitätssicherung. Sie sollen Praktikern helfen, die ethischen Dimensionen der KI-Nutzung zu meistern – von Fairness bis Transparenz.

Doch der Aufstieg der „Tax-Tech"-Branche führt auch zu juristischen Auseinandersetzungen. Im Mai 2026 reichte die Steuerberaterkammer Berlin Klage gegen das Startup Accountable ein. Der Vorwurf: irreführende Werbung als „KI-Steuerberater". Der Fall fällt in eine Zeit, in der auch die Diskussion um das Verbot von Drittbeteiligungen durch Finanzinvestoren im Steuerberatungsmarkt neu entflammt ist.

Laut der aktuellen Berufsstatistik aus dem April 2026 wächst die Branche weiter: 105.953 Mitglieder zählt der Verband, der Frauenanteil liegt bei 39,3 Prozent. Branchenkenner betonen: Nicht jeder Berater müsse zum KI-Experten werden – ein grundlegendes Technologieverständnis werde jedoch zunehmend zur Voraussetzung für die berufliche Entwicklung.

Effizienzsprünge und neue Honorarmodelle

Die Integration von KI wird die wirtschaftlichen Grundlagen der Beratungsbranche nachhaltig verändern. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass KI repetitive Aufgaben und operative Prozessoptimierung übernehmen kann – mit Effizienzsteigerungen von bis zu 100 Prozent in bestimmten Bereichen.

Die Kehrseite: Die Nachfrage nach Berufsanfängern dürfte sinken. Gleichzeitig zwingt die Automatisierung die Branche, das traditionelle Stundenhonorar zu überdenken. Immer mehr Kanzleien stellen auf Festpreise oder leistungsbasierte Vergütungsmodelle um, da KI die Bearbeitungszeit für Projekte drastisch verkürzt.

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Während Strategieberatung und Change-Management vergleichsweise wenig betroffen sind, zeigen sich in der Marktforschung bereits deutliche Auswirkungen automatisierter Tools.

E-Rechnung als digitaler Katalysator

Eine entscheidende Grundlage für diesen digitalen Wandel in Deutschland: Seit Januar 2025 sind B2B-Unternehmen verpflichtet, elektronische Rechnungen in den Formaten XRechnung und ZUGFeRD empfangen zu können. Die Übergangsfristen für den Versand elektronischer Rechnungen laufen 2026 und 2027 aus. Strukturierte Daten ermöglichen zunehmend Echtzeit-Meldungen und automatisierte KI-Analysen – ein trend, der die Steuerberatung in den kommenden Jahren fundamental verändern wird.

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