Steuerberater-Mangel: 14.000 Fachkräfte fehlen in Deutschland
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 22:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Piening GmbH sucht aktuell Verstärkung für ihr Team am Standort Vlotho. Die Stellenausschreibung für den Bereich Finanz- und Lohnbuchhaltung erfolgt in einer Phase, in der viele Unternehmen im Finanzsektor mit einem veränderten Marktumfeld und einem fortwährenden Bedarf an qualifizierten Fachkräften konfrontiert sind.
Das im Handwerk tätige Unternehmen mit rund 80 Mitarbeitern bietet die Position in Vollzeit an und stellt neben einem attraktiven Gehalt 30 Tage Urlaub in Aussicht. Die Suche der Piening GmbH steht exemplarisch für einen Trend im deutschen Mittelstand, spezialisierte Funktionen im Rechnungswesen trotz konjunkeureller Unsicherheiten langfristig zu besetzen.
Breit gefächerte Nachfrage nach Buchhaltungsexperten
Neben regionalen Handwerksbetrieben schreiben derzeit Unternehmen verschiedenster Ausrichtungen Vakanzen im Finanzwesen aus. So sucht das TaxTech-Startup Fideus Steuerfachangestellte für die Buchhaltung und Jahresabschlüsse im Rahmen einer Remote-Tätigkeit. Auch die SPEED-FIT Unternehmensgruppe besetzt aktuell eine Position für Buchhalter auf freiberuflicher Basis oder im Minijob-Modell, wobei Kenntnisse in DATEV und MS Office vorausgesetzt werden.
Im kirchlichen Bereich sucht der Caritasverband Rottenburg-Stuttgart in Stuttgart einen Key-User für die SAP-Module FI und CO. Die auf zwei Jahre befristete Stelle umfasst Aufgaben in der Prozessoptimierung und Durchführung von Schulungen. Auch im Nachbarland Österreich ist der Bedarf hoch: In Klagenfurt suchen sowohl die KARNERTA aus der VIVATIS Holding als auch eine Unternehmensgruppe aus dem Metall- und Fassadenbau Bilanzbuchhalter. Während KARNERTA ein Bruttomonatsgehalt ab 3.500 Euro sowie eine mögliche Überzahlung nennt, orientiert sich der Metallbaubetrieb am Kollektivvertrag der metalltechnischen Industrie mit mindestens 3.519,91 Euro brutto.
Rückläufige Indizes bei stabilen Übernahmequoten
Trotz der zahlreichen Ausschreibungen deutet der Fachkräfte-Index von Hays für das zweite Quartal 2026 auf eine Beruhigung des Marktes hin. Der Finance-Index sank demnach um 30 Punkte auf 62 Prozent. Auch in anderen Bereichen wie der IT oder dem Ingenieurwesen wurden deutliche Rückgänge verzeichnet. Parallel dazu berichtete das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) Anfang August 2026 über eine sinkende Übernahmequote bei Auszubildenden, die im Jahr 2025 bei 75 Prozent lag, nach einem Rekordwert von 79 Prozent im Vorjahr. Dennoch bleiben die Chancen im Finanz- und Verwaltungssektor mit einer Übernahmequote von rund 90 Prozent überdurchschnittlich hoch.
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Die angespannte Lage wird durch eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) untermauert. Demnach fehlten bereits im Jahr 2025 rund 14.000 Steuerberater, während Branchenschätzungen sogar von bis zu 25.000 fehlenden Experten ausgehen. Das Durchschnittsgehalt eines Steuerberaters liegt laut IW bei 73.500 Euro, während Steuerfachangestellte im Schnitt 41.000 Euro verdienen.
Mittelstand zwischen Fachkräftemangel und Kostendruck
Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bleibt der Fachkräftemangel laut dem Institut für Mittelstandsforschung (IfM) das größte Problem, gefolgt von der Kundengewinnung. Obwohl deutsche KMU im zweiten Quartal 2026 Umsatz und Gewinn steigern konnten, bleiben die Investitionen schwach. Sorgen bereiten den Betrieben vor allem die wachsenden Produktions- und Arbeitskosten.
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In einigen Industriezweigen führt der Kostendruck bereits zu Stellenstreichungen. So kündigte das Unternehmen Festo Anfang August 2026 an, im Rahmen eines Sparprogramms 1.300 von 8.200 Arbeitsplätzen in Deutschland abzubauen. Um den Bedarf an Fachkräften in anderen Bereichen dennoch zu decken, setzen Verbände verstärkt auf internationale Talente. Die Bauverbände NRW führten etwa Ende Juli 2026 Veranstaltungen mit Fachkräften aus Usbekistan und Kolumbien durch, um deutsche Klimaschutzunternehmen bei der Personalakquise zu unterstützen.
