Steuer-Schock: Deutschland fehlen 87,5 Milliarden Euro
08.05.2026 - 12:22:54 | boerse-global.deNeue Steuerschätzungen und ein politischer Rückschlag im Bundesrat setzen die Regierung massiv unter Druck.
Viele Selbstständige zahlen jedes Jahr zu viel Steuern – weil sie diesen EÜR-Fehler machen. Ein kostenloser Experten-Report zeigt, wie Sie Ihre Einnahmen-Überschussrechnung richtig ausfüllen und bares Geld sparen. EÜR-Ratgeber jetzt kostenlos herunterladen
Rekord-Einbruch durch Iran-Krise
Die 170. Steuerschätzung vom 7. Mai 2026 hat die Erwartungen drastisch nach unten korrigiert. Für das laufende Jahr erwarten die Experten Steuereinnahmen von nur noch 998,7 Milliarden Euro – ein Minus von 17,8 Milliarden Euro im Vergleich zur Oktober-Prognose. Besonders alarmierend: Bis 2030 summiert sich das Minus für Bund, Länder und Gemeinden auf 87,5 Milliarden Euro.
Finanzminister Klingbeil macht den anhaltenden Krieg im Iran und den daraus resultierenden Energieschock als Hauptverantwortliche aus. Die Konjunktur lahmt: Die Regierung rechnet für 2026 nur mit einem Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent, für 2027 mit 0,9 Prozent. Allein dem Bund fehlen in diesem Jahr 9,9 Milliarden Euro, im nächsten Jahr 10,1 Milliarden Euro.
Der Minister fordert deshalb strikte Konsolidierung und Strukturreformen. Die Industrieverbände BDI und DIHK kontern: Das Problem sei nicht zu wenig Einnahmen, sondern zu hohe Staatsausgaben.
Bundesrat stoppt Entlastungs-Bonus
Ausgerechnet am Tag nach der schlechten Steuerprognose erlitt die Regierung eine weitere Schlappe. Der Bundesrat verweigerte am 8. Mai die Zustimmung zu einer geplanten Steuerfreien Prämie von bis zu 1.000 Euro für Arbeitnehmer. Das Gesetz war bereits im April durch den Bundestag gegangen und sollte die Folgen des Iran-Kriegs abfedern – Arbeitgeber hätten die Zahlung freiwillig bis Juni 2027 leisten können.
Der Knackpunkt: Die Kosten. Die Prämie verursacht Steuerausfälle von 2,8 Milliarden Euro, von denen Länder und Gemeinden fast zwei Drittel tragen müssten. Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann kritisierte, der Bund wolle soziale Wohltaten auf Kosten der Länder beschließen.
Hamburgs Finanzsenator Dressel forderte, der Bund müsse den Kommunen mindestens 700 Millionen Euro erstatten. Nur Hamburg, Niedersachsen und das Saarland stimmten für das Gesetz. Jetzt könnte der Vermittlungsausschuss die Rettung bringen.
Steuerreform: Spahn bietet Kooperation an
Die Union prescht vor. Fraktionschef Spahn bot der SPD-geführten Regierung am 7. und 8. Mai eine gemeinsame Reform der Einkommensteuer an. Die Ziele: Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen, Glättung der sogenannten „Mittelstandsbauch" in der Steuerkurve und eine Anhebung des Spitzensteuersatzes auf höhere Einkommen.
Klingbeil zeigt sich gesprächsbereit – unter einer Bedingung: Spitzenverdiener müssen sich beteiligen. Sein Modell könnte vielen Bürgern mehrere hundero Euro Entlastung bringen. Die Finanzierung bleibt der Streitpunkt. Während SPD-Fraktionschef Miersch eine Aussetzung der Schuldenbremse wegen der Iran-Krise nicht ausschließt, lehnt die Union neue Schulden kategorisch ab. Spahn setzt stattdessen auf Streichung von Subventionen.
Die Dringlichkeit zeigt eine Umfrage des Verbands der Familienunternehmer vom 7. Mai: 57 Prozent der Familienbetriebe hätten die 1.000-Euro-Prämie wegen der anhaltenden Krise nicht zahlen können oder wollen. Nur zwölf Prozent hätten sie vollständig übernommen.
MeinElster überfordert viele Steuerzahler – dabei ist es so einfach. Dieses kostenlose E-Book erklärt Schritt für Schritt, wie Sie das Finanzportal richtig nutzen und durch die korrekte Übermittlung von Umsatzsteuererklärungen bares Geld sparen. Gratis-Leitfaden zu MeinElster sichern
Industrie schwächelt – Lkw-Maut als Frühindikator
Die schlechten Nachrichten reißen nicht ab. Der Lkw-Maut-Fahrleistungsindex – ein wichtiger Frühindikator für die Industrieproduktion – fiel im April um 0,7 Prozent zum Vormonat. Im Vergleich zum April 2025 beträgt das Minus sogar 0,8 Prozent.
Ausblick: Der Weg zum Bundeshaushalt 2027
Die Regierung arbeitet am Haushaltsentwurf für 2027, der Anfang Juli vorgelegt werden soll. Geplant sind Ausgaben von 543,3 Milliarden Euro und neue Schulden von 110,8 Milliarden Euro. Die aktuelle Steuerschätzung zwingt zu zusätzlichen Einsparungen von rund einer Milliarde Euro.
Der Streit um den Entlastungsbonus geht in die Verhandlungen des Vermittlungsausschusses. Die eigentliche Frage aber ist, ob Koalition und Opposition eine gemeinsame Steuerreform hinbekommen. Bei einem prognostizierten Einnahmeloch von 60 Milliarden Euro bis 2030 wird die Reform des Steuersystems die politische Agenda der nächsten Monate dominieren.
Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!
Für. Immer. Kostenlos.
