Energiepreise, Privathaushalte

Statistik: Millionen Menschen in Deutschland können Strom- und Gasrechnungen nicht pünktlich zahlen

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 10:28 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Millionen Menschen in Deutschland geraten mit Strom- und Gasrechnungen in Rückstand, obwohl sich die Preise für Haushaltsenergie zuletzt leicht entspannt haben. Neue Daten des Statistischen Bundesamtes verdeutlichen, wie groß der finanzielle Druck auf viele Privathaushalte bleibt.

Millionen Haushalte in Deutschland können ihre Strom- und Gasrechnung nicht bezahlen. (Symbolbild) - Bild: Bernd Weißbrod/dpa
Millionen Haushalte in Deutschland können ihre Strom- und Gasrechnung nicht bezahlen. (Symbolbild) - Bild: Bernd Weißbrod/dpa

In Deutschland können Millionen Menschen ihre Strom- und Gasrechnungen nicht fristgerecht begleichen.

Millionen Betroffene im Zahlungsverzug

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lebten im Jahr 2025 rund 3,8 Millionen Menschen in Haushalten, die bei Forderungen von Energieversorgern im Zahlungsverzug waren. Das entspricht 4,6 Prozent der Bevölkerung. Damit war der Anteil der Betroffenen etwas niedriger als im Jahr 2024, als noch 5,0 Prozent der Menschen solche Zahlungsrückstände angaben.

Besonders Menschen, die zur Miete wohnen, gerieten häufiger in Rückstand als Personen mit Wohneigentum. Für viele Haushalte übersteigen die anfallenden Kosten für Strom und Gas weiterhin die finanziellen Möglichkeiten, obwohl sich die Lage auf den Energiemärkten zuletzt etwas verändert hat.

Leichte Entspannung bei Strom, Gas und Fernwärme

Im laufenden Jahr sind die Preise für Haushaltsenergie insgesamt leicht gesunken. Im August 2026 mussten Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland im Schnitt 0,7 Prozent weniger zahlen als im gleichen Monat des Vorjahres. Vor allem Strom wurde günstiger: Die Preise lagen 5,5 Prozent unter dem Niveau von August 2025.

Auch Erdgas einschließlich Betriebskosten war billiger und kostete 2,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Preise für Fernwärme sanken um 1,0 Prozent. Trotz dieser Rückgänge bleiben Energiepreise im historischen Vergleich hoch, nachdem sie insbesondere im Jahr 2022 nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine stark angestiegen waren.

Heizöl und Nebenkosten treiben Ausgaben nach oben

Nicht alle Energieformen wurden günstiger. Heizöl war im August 2026 fast 50 Prozent teurer als im Vorjahresmonat. Haushalte, die vor allem mit Öl heizen, sind dadurch besonders belastet. Hinzu kommt, dass auch andere laufende Wohnkosten zulegen.

Die Preise für Wohnungsnebenkosten wie Wasserversorgung, Müllabfuhr und Gebäudereinigung stiegen zuletzt überdurchschnittlich. Im August 2026 lagen diese Ausgaben um 3,1 Prozent höher als im August 2025. Für viele Privathaushalte summieren sich damit steigende Nebenkosten und weiterhin hohe Energiepreise zu einer erheblichen finanziellen Belastung.

Folgen für Haushalte mit geringem Budget

Für Menschen mit niedrigen Einkommen oder knappen Rücklagen erhöht die Kombination aus Energie- und Nebenkosten das Risiko, Rechnungen nicht rechtzeitig bezahlen zu können. Zahlungsrückstände können Mahngebühren nach sich ziehen und im Extremfall zu Sperren der Versorgung führen. Die Statistiker machen deutlich, dass erhebliche Teile der Bevölkerung weiterhin ans finanzielle Limit geraten, wenn zentrale Versorgungsleistungen bezahlt werden müssen.

Der Rückgang des Anteils der Haushalte im Zahlungsverzug im Vergleich zum Vorjahr zeigt zwar eine leichte Entspannung, ändert aber nichts daran, dass Millionen Menschen bei der Begleichung von Strom- und Gasrechnungen an ihre Grenzen stoßen.

Energierechnungen als Gradmesser sozialer Spannungen

Die neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass Versorgungsengpässe bei Strom- und Gasrechnungen inzwischen ein strukturelles Problem geworden sind. Wenn 4,6 Prozent der Bevölkerung angeben, mit Zahlungen an Energieversorger im Rückstand zu sein, deutet dies auf eine wachsende Energiearmut hin, die weit über kurzfristige Preisspitzen hinausreicht. Besonders betroffen sind Menschen in Mietwohnungen, die häufig geringere finanzielle Rücklagen und weniger Einfluss auf energetische Standards ihrer Gebäude haben.

Entlastung bei Energiepreisen, Druck bei Nebenkosten

Obwohl die Preise für Haushaltsenergie im August 2026 gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken sind, bleibt die finanzielle Lage vieler Haushalte angespannt. Rückgänge bei Strom, Gas und Fernwärme mindern zwar den Druck, werden jedoch durch deutlich gestiegene Nebenkosten für Wasser, Müllabfuhr und Gebäudereinigung partiell aufgezehrt. Die starke Verteuerung von Heizöl zeigt zudem, dass Haushalte je nach Energieträger sehr unterschiedlich betroffen sind. Gerade in älteren, schlecht gedämmten Gebäuden mit Ölheizung können Heizkosten Budgets massiv belasten.

Sozial- und energiepolitische Konsequenzen

Für die Sozial- und Energiepolitik markieren die Daten einen klaren Handlungsauftrag: Maßnahmen zur Entlastung von einkommensschwachen Haushalten und zur Begrenzung von Energie- und Wohnnebenkosten bleiben zentral. Dazu gehören etwa zielgenaue Sozialleistungen, Schutzregelungen vor Energiesperren sowie Investitionen in energetische Sanierungen und effizientere Heizsysteme. Für Verbraucherinnen und Verbraucher wird zugleich deutlich, wie wichtig eine langfristige Planung von Haushaltsbudgets und gegebenenfalls Beratung bei Schulden- und Energiefragen ist. Die Entwicklung der kommenden Monate entscheidet darüber, ob der leichte Rückgang des Anteils zahlungsverzugsgefährdeter Haushalte der Beginn einer Entspannung oder nur eine Zwischenetappe in einer anhaltend hohen Belastungsphase ist.

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