Start-up-Strategie: Kabinett mobilisiert bis zu 130 Milliarden Euro
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 11:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bundesregierung will privates Kapital in Milliardenhöhe mobilisieren und bürokratische Hürden abbauen. Am heutigen Mittwoch hat das Kabinett eine umfassende Start-up- und Scale-up-Strategie verabschiedet. Der Fokus liegt auf der technologischen Souveränität – besonders im Sicherheits- und Verteidigungsbereich.
Der Plan reagiert auf ein drängendes Problem: Im internationalen Vergleich fließt in Deutschland wenig Wagniskapital. Wirtschaftsministerin Reiche zufolge sind es nur 0,15 Prozent des BIP – in den USA liegt der Wert bei 0,8 Prozent. Die Strategie soll das ändern.
Bis zu 130 Milliarden Euro privates Kapital
Kern der Maßnahmen: Wagniskapital soll künftig stärker in der Altersvorsorge verankert werden. Der sogenannte Deutschlandfonds wird ausgebaut. Ziel ist es, privates Kapital in Höhe von bis zu 130 Milliarden Euro für Investitionen zu gewinnen. Die Zusagen für die WIN-Initiative wurden zudem auf über 25 Milliarden Euro verdoppelt.
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Direktbeteiligungen an Rüstungs-Start-ups
Ein Schwerpunkt liegt auf Sicherheits- und Verteidigungstechnologie. Die Regierung plant ein neues Finanzierungsinstrument für direkte Staatsbeteiligungen an Start-ups dieser Branche. Die Umsetzung übernimmt die staatliche Förderbank KfW. Ziel: militärisch nutzbare Produkte und Dual-Use-Technologien schneller zur Marktreife bringen.
Gleichzeitig sollen junge Tech-Unternehmen leichter Zugang zu öffentlichen Verteidigungsaufträgen bekommen. Das betrifft etwa Drohnentechnologie oder Cybersicherheit – Bereiche, in denen innovative Lösungen dringend gesucht werden.
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Weniger Bürokratie, bessere Steuerbedingungen
Das Projekt „Schneller Gründen“ soll administrative Prozesse vereinfachen und die Zeit bis zur Marktfähigkeit verkürzen. Die Bundesregierung setzt sich zudem für eine einheitliche EU-Rechtsform ein – das erleichtert grenzüberschreitendes Wachstum im Binnenmarkt.
Gegen den Fachkräftemangel hat die Strategie mehrere Hebel:
- Mitarbeiterbeteiligung: Steuerliche Verbesserungen für ESOP-Programme sollen Start-ups attraktiver für hochqualifizierte Talente machen.
- Kündigungsrecht: Flexiblere Regelungen in der Wachstumsphase sind vorgesehen.
- Fondsmodernisierung: Der Bundesverband Beteiligungskapital (BVK) begrüßt die geplanten Steuererleichterungen für Private-Equity-Fonds, mahnt aber eine zügige Umsetzung an.
Markt zeigt zweigeteiltes Bild
Die neue Strategie trifft auf einen uneinheitlichen Markt. Laut EY stieg das investierte Risikokapital im ersten Halbjahr 2026 um 14 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro. Gleichzeitig sank die Zahl der Finanzierungsrunden um 11 Prozent.
Besonders dynamisch: Verteidigungs-Start-ups erhielten im selben Zeitraum 579 Millionen Euro. Insgesamt gab es rund 3.053 Neugründungen – ein Plus von 52 Prozent gegenüber dem zweiten Halbjahr 2025.
Bitkom-Präsident Wintergerst begrüßt die neue Ausrichtung, betont aber: Der Erfolg hängt von der Geschwindigkeit der Umsetzung ab. Der bestehende Future Fund soll über 2030 hinaus verlängert werden – für langfristige Planungssicherheit bei Investoren.
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