Sonntagsöffnung, Bäckereien

Sonntagsöffnung: Bäckereien dürfen ab 2027 acht Stunden öffnen

Veröffentlicht: 12.07.2026 um 08:43 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Bundesregierung plant ab 2027 Ausnahmen für Sonntagsöffnungen. Handel fordert mehr Freiheiten, während Gewerkschaften und Kirchen protestieren.

Sonntagsöffnung: Neue Pläne der Bundesregierung ab 2027
Eine stilisierte Uhr zeigt frühe Morgenstunden. Dahinter verschwimmen moderne Ladenfronten in einer belebten Stadt bei Sonnenaufgang. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Bundesregierung will ab 2027 gezielte Ausnahmen für bestimmte Branchen erlauben. Der Handel fordert deutlich mehr.

Bäckereien dürfen länger backen

Bäckereien und Konditoreien sollen künftig an Sonn- und Feiertagen bis zu acht Stunden öffnen dürfen. Bisher galten hier deutlich strengere Regeln. Auch Bibliotheken sollen mehr Spielraum für Sonntagsöffnungen bekommen. Die Pläne sind Teil eines größeren Reformpakets mit steuerlichen Entlastungen und Änderungen im Arbeitsrecht.

Die Bundesländer gehen eigene Wege. In Baden-Württemberg fordert der Handelsverband vier statt drei verkaufsoffene Sonntage pro Gemeinde. In Nordrhein-Westfalen will der Verband das Verbot sogar ganz kippen. Die Landesregierung verweist auf den verfassungsrechtlichen Sonntagsschutz.

Online-Handel setzt Läden unter Druck

Der Handelsverband HDE fordert bundesweit zehn bis zwölf verkaufsoffene Sonntage pro Jahr. Die Begründung: Der stationäre Handel steckt im Strukturwandel. Während der Online-Kleidungsverkauf zwischen 2019 und 2024 um 41 Prozent zulegte, büßten die Läden 17 Prozent ein.

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Chinesische Onlineplattformen kosten den deutschen Handel jährlich rund 2,5 Milliarden Euro Umsatz. Rund 40.000 Arbeitsplätze sind bereits weggefallen. „Rechtssichere Sonntagsöffnungen sind überlebenswichtig für die Innenstädte“, so die Branche. In Mecklenburg-Vorpommern zeigen Tourismusorte, was möglich ist: Dort erwirtschaften Händler an Sonntagen zehn bis 25 Prozent ihres Gesamtumsatzes.

Ver.di und Kirche laufen Sturm

Die Gewerkschaft Ver.di und kirchliche Vertreter lehnen die Pläne ab. Ihre Sorge: Zusätzliche Öffnungstage verschieben nur den Umsatz innerhalb der Woche – neuer Konsum entsteht nicht. Die Belastung für die Beschäftigten steige.

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Die Bevölkerung ist skeptisch. Laut einer INSA-Umfrage lehnt eine Mehrheit der Deutschen generelle Sonntagsöffnungen ab. Auch in der Buchbranche sind 55 Prozent dagegen, nur 20 Prozent dafür.

Gerichte streiten über Sonntagsschutz

In Nordrhein-Westfalen verweist die Wirtschaftsministerin auf Artikel 140 des Grundgesetzes. Das Land erlaubt maximal acht verkaufsoffene Sonntage. In Mecklenburg-Vorpommern liegt der Fall vor Gericht. Das Land hat Beschwerde gegen ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts eingelegt, das eine Sonntagsöffnungsregelung gekippt hatte.

Bis zur Entscheidung bleibt die bisherige Regelung in Kraft: 84 Tourismusorte dürfen an bis zu 36 Sonntagen im Jahr öffnen. Die Landesregierung hofft auf ein Grundsatzurteil mit Signalwirkung für die ganze Republik.

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