Sonntagsöffnung ab 2027: Bäckereien sollen bis zu acht Stunden öffnen
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 14:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die politische Debatte über eine Ausweitung der Sonntagsöffnungszeiten sorgt für erhebliche Spannungen zwischen Wirtschaftsverbänden und Arbeitnehmervertretungen. Während die Bundesregierung eine Lockerung der bestehenden Vorschriften anstrebt, warnen Gewerkschaften vor einer Schwächung des Arbeitsschutzes und einem zunehmenden sozialen Druck auf die Beschäftigten.
Geplante Liberalisierung ab Januar 2027
Ein Entwurf der Bundesregierung sieht vor, ab dem 1. Januar 2027 längere Sonntagsöffnungszeiten für bestimmte Branchen und öffentliche Einrichtungen zu ermöglichen. Demnach sollen Bäckereien und Konditoreien künftig an Sonntagen bis zu acht Stunden lang ihre Waren verkaufen dürfen. Für öffentliche Bibliotheken ist eine Öffnungszeit von bis zu sechs Stunden vorgesehen.
Diese Pläne stoßen beim Handelsverband Deutschland (HDE) sowie in Teilen der Politik und Wirtschaft auf Zustimmung. Diese Akteure fordern sogar eine noch weitergehende Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten am Sonntag. Demgegenüber lehnen die Gewerkschaft ver.di und der Sozialverband Deutschland (SoVD) eine Lockerung des Sonntagsschutzes ab und verweisen auf die damit verbundene Belastung für die Arbeitnehmer.
Massiver Widerstand der Gewerkschaften in Großstädten
Gegen das Reformpaket der Bundesregierung, das insgesamt 34 Punkte zu Steuersenkungen, Bürokratieabbau und zur Umgestaltung des Sozialstaats umfasst, formiert sich breiter Protest.
In insgesamt 15 deutschen Großstädten folgten am vergangenen Wochenende zahlreiche Menschen den Aufrufen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), von Sozialverbänden und weiteren Organisationen. Laut Angaben des DGB beteiligten sich bundesweit rund 175.000 Personen an den Demonstrationen.
In Frankfurt am Main variieren die Teilnehmerzahlen je nach Quelle: Während die Polizei von 15.000 Demonstrierenden berichtete, nannte der DGB Hessen-Thüringen eine Zahl von über 30.000 Teilnehmenden.
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In anderen Städten wurden ebenfalls hohe Teilnehmerzahlen gemeldet: In Nürnberg versammelten sich zwischen 20.000 und 25.000 Menschen, in Stuttgart waren es laut Polizei 10.000 und laut DGB 16.000 Personen. Weitere Kundgebungen fanden unter anderem in Hannover mit 13.000, in Essen mit 12.000 sowie in Berlin und Freiburg statt.
Juristische Auseinandersetzungen und regionale Forderungen
Dass die Sonntagsöffnung ein rechtlich sensibles Thema bleibt, zeigte eine Entscheidung der 11. Kammer am 21. September 2026. Das Gericht gab einem Eilantrag von ver.di statt, der sich gegen die Genehmigung von Sonntagsöffnungen für drei Einzelhändler in den Hannoveraner Stadtteilen Hainholz gerichtet hatte.
Auch in Österreich wird die Debatte geführt. In Wien verlangte ÖVP-Parteichef Markus Figl eine Reduzierung der Magistratsabteilungen um die Hälfte. Zudem forderte die Wiener ÖVP längere Öffnungszeiten am Samstagabend über 18 Uhr hinaus sowie Sonntagsöffnungen in speziellen Tourismuszonen. Die Gewerkschaft GPA lehnte dies mit Verweis auf die erschwerte Vereinbarkeit von Arbeit und Familie ab.
Kontroverse über Rentenniveau und Arbeitszeitflexibilisierung
Die Kritik der Gewerkschaften beschränkt sich nicht nur auf die Sonntagsruhe. DGB-Chefin Yasmin Fahimi und ver.di-Chef Frank Werneke bezeichneten das Reformpaket als Angriff auf die Rechte der Beschäftigten. Ein zentraler Kritikpunkt ist die mögliche Abkehr vom Achtstundentag zugunsten einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit sowie die Einführung einer Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag.
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Im Bereich der Altersvorsorge fordern die Gewerkschaften ein Rentenniveau von mindestens 50 % und den Erhalt der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren. Werneke warnte zudem vor Plänen, das Rentenniveau ab 2031 unter 48 % sinken zu lassen. Laut seinen Angaben könnten zudem rund 400.000 Haushalte ihren Anspruch auf Wohngeld verlieren.
Arbeitgebervertreter wie Steffen Kampeter vom Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) warfen den Gewerkschaften hingegen eine ritualisierte Verweigerung von notwendigen Reformen vor. Hessische Unternehmerverbände forderten ergänzend, die Gesamtbeiträge zur Sozialversicherung von derzeit 43 % auf unter 40 % zu senken, um die Wirtschaft zu entlasten.
Während IG-Metall-Chefin Christiane Benner vor einem Sozialabbau in Zeiten wirtschaftlicher Umstrukturierungen warnte, erklärte der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies, dass der Kern des Reformpakets bestehen bleibe, forderte jedoch eine soziale Abfederung der Maßnahmen.
