Sonntagsarbeit, Bäckereien

Sonntagsarbeit: Bäckereien dürfen ab Januar 8 Stunden öffnen

06.07.2026 - 22:32:18 | boerse-global.de

Die Koalition will die Sonntagsarbeit in Bäckereien auf acht Stunden ausweiten. Gewerkschaften kritisieren die Pläne scharf.

Bundesregierung plant längere Sonntagsarbeit für Bäckereien
Sonntagsarbeit - Nahaufnahme der Hände eines Bäckers, der Teig auf einer bemehlten Holzfläche in einer Bäckerei knetet. 06.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das Reformpaket der Koalition soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten. Arbeitgeberverbände zeigen sich gespalten, Gewerkschaften laufen Sturm.

Bäckereien: Von drei auf acht Stunden

Im Kern geht es um eine Anpassung des Arbeitszeitgesetzes. Bisher dürfen Bäcker und Konditoren sonntags maximal drei Stunden arbeiten – eine Regelung aus dem Jahr 1996. Einige Bundesländer erlauben bereits fünf Stunden. Künftig sollen es bundesweit acht Stunden sein.

Auch öffentliche Bibliotheken profitieren von der Reform. Sie dürfen dann bis zu sechs Stunden sonntags öffnen. Der Deutsche Bibliotheksverband zeigt sich dennoch unzufrieden. Der Grund: Museen haben bereits heute großzügigere Regeln.

Das Problem mit dem Verkauf

Die Reform hat einen Haken – und der sitzt im Föderalismus. Das Arbeitszeitgesetz regelt nur die Herstellung, also die Arbeit in der Backstube. Die Ladenöffnungszeiten bleiben Ländersache. Wer in Bayern sonntags frische Brötchen kaufen will, wird weiterhin leer ausgehen: Der Verkauf ist dort auf drei Stunden begrenzt.

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Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks kritisiert diese Schieflage scharf. „Ohne eine Harmonisierung der Verkaufszeiten bleibt die Reform für die Verbraucher unsichtbar“, so der Tenor. Die Forderung: Herstellung und Verkauf endlich gleichstellen.

HDE fordert komplette Freigabe

Die Debatte um die Sonntagsöffnung bekommt neuen Schwung. Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), fordert eine vollständige Freigabe für den gesamten Einzelhandel. „Die Unternehmen und ihre Beschäftigten sollen selbst entscheiden“, so Genth. Nur so sei der Wettbewerb mit dem Online-Handel zu gewinnen.

Gewerkschaften: „Das macht die Branche unattraktiv“

Die Arbeitnehmervertreter sehen das ganz anders. Die Gewerkschaften NGG und Verdi warnen vor einer höheren Arbeitsbelastung. Ihre Sorge: Die Ausweitung der Sonntagsarbeit könnte die Branche für Fachkräfte noch unattraktiver machen. Die gesundheitlichen Risiken seien nicht zu unterschätzen.

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Flankiert wird die Reform von einer steuerlichen Verschärfung. Die Pauschalsteuer für Minijobs soll von zwei auf fünf Prozent steigen. Ausgerechnet das Bäckerhandwerk, das stark auf Minijobber angewiesen ist, fürchtet nun um die positiven Effekte der Flexibilisierung. Handwerkspräsident Dittrich hingegen lobt die Reform als „längst überfällige Modernisierung veralteter Arbeitszeitvorgaben“.

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