Shanghai Fairtrade: Weitere Gewinnverdopplung in Sicht?
Veröffentlicht: 25.05.2009 um 11:58 Uhr, Redaktion AD HOC NEWS, Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller (Chefredaktion)
Die vorläufigen Zahlen der Shanghai Fairtrade AG haben positiv überrascht. Das schweizerisch-chinesische Handelsunternehmen hat seinen Gewinn 2008 um 119 Prozent auf 730.000 Euro gesteigert. Dies lag deutlich über der Prognose, die die Gesellschaft im vergangenen Herbst abgegeben hatte. Damals war ein Gewinnwachstum von 100 Prozent in Aussicht gestellt worden. Auch dies war angesichts der globalen Krise, die 2008 voll zum Ausbruch gekommen ist, durchaus optimistisch. Dennoch wurde diese Prognose nun sogar übererfüllt. Und auch die Umsatzverdopplung auf 8,2 Millionen Euro, die Shanghai Fairtrade im letzten Jahr erreicht hat, ist durchaus bemerkenswert.
Shanghai Fairtrade hat sich auf den Handel mit Maschinen, Anlagen und Industriegütern zwischen China und Europa spezialisiert. Das Unternehmen beliefert chinesische Unternehmen mit hochwertigen Investitionsgütern, die in der Regel von spezialisierten europäischen Maschinenbauern stammen. Umgekehrt vermittelt Shanghai Fairtrade der hiesigen Industrie zuverlässige chinesische Zulieferer. Shanghai Fairtrade tritt dementsprechend als Mittler zwischen europäischen und fernöstlichen Unternehmen auf. Die Gesellschaft erschließt Ihren Partnern gewinnbringende Märkte und Kooperationen, und hilft ihnen zusätzlich, die Hürden im interkontinentalen und interkulturellen Handel erfolgreich zu überwinden.
2008 war kein gutes Jahr für den globalen Handel. Die Nachfrage auf den westlichen Märkten ist wegen der Finanzkrise massiv eingebrochen. Dies hat insbesondere in der chinesischen Exportwirtschaft zu enormen Verwerfungen geführt. China Wirtschaft als Ganzes wies zwar weiterhin Wachstumsraten auf, die aber deutlich unter dem Niveau der Vorjahre gelegen hatten. Vor diesem Hintergrund hatten wir eigentlich erwartet, dass auch das Geschäft von Shanghai Fairtrade in Mitleidenschaft gezogen worden sein könnte. In einem Beitrag von Mitte April („Shanghai Fairtrade jetzt spottbillig – KGV knapp über 3“) waren wir insgeheim davon ausgegangen, dass das Unternehmen seine optimistischen Prognosen nicht erreichen werde.
Dennoch waren wir schon seinerzeit für die Aktie positiv gestimmt. Die Papiere notierten Mitte April zu Kursen um 20 Cents, woraus sich eine Marktkapitalisierung von nur noch 2 Millionen Euro ergab. Laut Prognose des Unternehmens war für 2008 ein Gewinn von etwas über 600.000 Euro zu erwarten. Dies hätte bedeutet, dass die Aktie nur noch für das 3,3fache ihres Jahresgewinns von 2008 gehandelt wurde. Doch selbst für den Fall, dass Shanghai Fairtrade die eigene Prognose komplett verfehlt hätte, und der Gewinn auf Vorjahresniveau stagniert wäre (333.000 Euro), hätte sich daraus lediglich ein KGV von 6 ergeben. Die Aktie wäre also auch in diesem Fall noch recht preiswert gewesen.
Inzwischen haben sich diese Überlegungen erübrigt. Der Gewinn von Shanghai Fairtrade lag 2008 nicht bei 600.000 Euro und auch nicht bei 330.000 Euro, sondern bei 730.000 Euro – und damit deutlich über den Erwartungen. Er ist somit gleichzeitig auf Jahressicht um 119 Prozent gestiegen. Zum einen haben sich dadurch auch die optimistischen Prognosen des Unternehmens noch als konservativ erwiesen. Zum anderen hat sich das hohe Gewinnwachstum aus dem Jahr 2007 sogar noch beschleunigt. Seinerzeit hatte Shanghai Fairtrade den Gewinn um 96,7 Prozent steigern können. Das Umsatzwachstum um exakt 100 Prozent auf 8,2 Millionen Euro lag ohnehin weit über dem Planziel. Hier war vom Unternehmen zuvor nur ein Anstieg um 21 Prozent in Aussicht gestellt worden.
Natürlich sind es bei Shanghai Fairtrade oft große Einzelprojekte, die für Umsatz und Gewinn sorgen. Beispielsweise nannte das Unternehmen zuletzt eine Bestellung von Straßenbauzubehör, die im Herbst abgewickelt werden konnte, und das Jahresergebnis versüßt hatte. Derartige Aufträge sind relativ schwierig prognostizierbar. Andererseits schließt die Gesellschaft immer wieder auch Verträge ab, die dauerhafte Ergebnisströme bringen. Dies gilt insbesondere für Fremdfertigungsverträge, die auch in den Jahren nach dem Abschluss kontinuierliche Einkünfte erbringen. Diese stetigen Zuflüsse bilden für die Gewinnentwicklung der kommenden Jahre ein solides Fundament.
Ganz neue Perspektiven ergeben sich aus der Expansion von Shanghai Fairtrade in den Pharma- und Heilmittel-Bereich. Bereits seit einigen Monaten ist bekannt, dass die Gesellschaft den Europa-Vertrieb eines großen chinesischen Sanddorn-Produzenten übernommen hat. Daneben will Shanghai Fairtrade künftig auch Medikamente von kleineren europäischen Pharmaherstellern nach China liefern. Am 11. Mai meldete das Unternehmen eine Kooperation mit einer chinesischen Vertriebsgesellschaft, die Zugriff auf 4000 Apotheken im Großraum Shanghai hat. Chinas Pharmamarkt ist riesig. Gleichzeitig leiden immer mehr Chinesen an typisch westlichen Zivilisationskrankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck. Der Bedarf an wirkungsvollen Arzneien ist enorm. Zudem ist es unter den westlichen Pharmaunternehmen bisher nur einigen wenigen Großkonzernen gelungen, sich diesen Markt halbwegs zu erschließen.
Natürlich betritt auch Shanghai Fairtrade mit dem Pharma-Geschäft unternehmerisches Neuland. Hier sind keine schnellen Erfolge im Wochentakt zu erwarten. Auf der Agenda stehen wohl eher komplexe Zulassungsverfahren und Verhandlungen, die sich in die Länge ziehen können. Die langjährigen Kontakte und China-Erfahrungen des Unternehmens sprechen aber dafür, dass auch dieses Geschäft mit einem professionellen Zugriff und den richtigen Partnern angegangen wird. Die erste Apotheken-Kooperation, die Shanghai Fairtrade abgeschlossen hat, klingt bereits vielversprechend. Das Marktpotential ist erheblich. Dementsprechend prognostiziert die Gesellschaft aus diesem Projekt schon für 2009 einen Umsatzbeitrag von 10 Millionen Euro. Damit würde allein der Pharma-Erlös im laufenden Jahr über dem Umsatz liegen, den Shanghai Fairtrade 2008 insgesamt erzielt hat.
Überhaupt die Prognosen: Shanghai Fairtrade geht davon aus, auch 2009 nochmals eine Umsatzverdopplung zu schaffen. Gleichzeitig soll die Rohmarge signifikant steigen. Sofern dies eintritt, ergäbe sich daraus ein Gewinnwachstum um über 100 Prozent. Gleichzeitig würde der Gewinn des Unternehmens damit das zweite Jahr in Folge im dreistelligen Bereich anwachsen, nachdem 2007 eine Verbesserung um „nur“ 96 Prozent erzielt worden ist. Natürlich klingt dieses Szenario fast zu schön, um wahr zu sein. Das hohe Gewinnwachstum in 2008 trotz Wirtschaftskrise hat die Glaubwürdigkeit dieser Prognose unserer Meinung nach aber stark erhöht.
Welche Bewertung soll man einem Unternehmen zubilligen, das derart hohe Wachstumsraten aufweist? Fest steht, dass der Markt hier bisher nicht allzu großzügig war. Zwar hat sich die Aktie auf Sicht eines Monats um zirka 20 Prozent verteuert; die Marktkapitalisierung befindet sich jetzt bei rund 2,4 Millionen Euro. Legen wir aber den Jahresgewinn von 730.000 Euro zugrunde, befindet sich das KGV für 2008 weiterhin nur bei 3,28 – und dies obwohl der Gewinn im dreistelligen Prozentbereich angewachsen ist und die Unternehmensprognose übertroffen hat. Sollte das Unternehmen auch 2009 wieder „erfüllen“, hätte die Aktie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von höchstens noch 1,64 – und möglicherweise niedriger. Auch für einen kleinen und volatilen Wert erscheint uns dies nicht gerade als ambitioniert.
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