Shanghai Fairtrade jetzt spottbillig - KGV knapp über 3
Veröffentlicht: 21.04.2009 um 17:44 Uhr, Redaktion AD HOC NEWS, Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller (Chefredaktion)
Anfang November haben wir die Aktie von Shanghai Fairtrade (WKN: A0RACP) erstmals besprochen. Die Titel notierten damals zu Kursen zwischen 1,00 Euro und 80 Cents. Mittlerweile sind die Papiere jäh eingebrochen. Es scheint kaum noch Anleger zu geben, die dem Unternehmen Beachtung schenken; die Aktie ist schlichtweg vergessen worden. Daraus ergibt sich allerdings eine erhebliche Kurschance, denn Shanghai Fairtrade ist eine echte Ertragsperle. Zudem hat die Gesellschaft in den letzten Jahren ein erhebliches Wachstum hingelegt.
Shanghai Fairtrade ist auf den Handel mit technischen Anlagen, Maschinen und Industriegütern zwischen China und Westeuropa spezialisiert. Das Unternehmen erschließt in China insbesondere mittelgroßen europäischen Unternehmen einen riesigen Markt, den diese ohne die Hilfe eines erfahrenen Mittlers gar nicht bearbeiten könnten. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen die hohe Ertragskraft seines Geschäftsmodells unter Beweis gestellt.
Von 2006 auf 2007 stieg der Umsatz von Shanghai Fairtrade um 57 Prozent; der Nettogewinn sprang seinerzeit um 96 Prozent nach oben auf 333.900 Euro. Die Zahlen für das Jahr 2008 liegen noch nicht vor. Noch im November hatte das Unternehmen allerdings ein Umsatzwachstum von 21 Prozent prognostiziert. Der Nettogewinn soll sogar um über 100 Prozent nach oben schnellen. Somit wäre für 2008 ein Gewinn von mindestens 600.000 Euro zu erwarten. Die komplette Marktkapitalisierung des Unternehmens liegt allerdings nur noch bei rund 2 Millionen Euro. Daraus ergibt sich ein KGV von nicht einmal 3,3.
Gehen wir nun alternativ von einem Negativ-Szenario aus: Wir nehmen an, dass der Gewinn in 2008 nicht – wie vom Unternehmen prognostiziert – bei über 600.000 Euro, sondern lediglich auf dem Niveau des Vorjahres gelegen hat. Selbst in diesem – sehr ungünstigen – Fall hätten wir immer noch einen Gewinn von 333.000 Euro bei einem Börsenwert von 2 Millionen Euro. Auch in diesem sehr ungünstigen Szenario wäre die Aktie von Shanghai Fairtrade damit lediglich mit einem KGV von 6 bewertet.
Skeptiker könnten einwenden, dass der Gewinn von Shanghai Fairtrade im Gegensatz zu unseren Annahmen nicht gestiegen, sondern sogar zurückgegangen sein könnte – schließlich befinden wir uns mitten in einer globalen Krise, was bei vielen börsennotierten Unternehmen zu herben Gewinneinbußen geführt hat.
Für Shanghai Fairtrade halten wir eine solche Entwicklung für wenig wahrscheinlich. Zum einen befindet sich das Unternehmen nicht in einem bereits gesättigten Markt, in dem ein Nachfragerückgang stattgefunden hat. Shanghai Fairtrade ist nicht auf bestimmte Branchen und Produktgruppen festgelegt, sondern kann sein Geschäftsmodell noch auf viele weitere Industriebereiche ausweiten. Entscheidend sind die guten China-Kontakte, die die Gesellschaft in den letzten Jahren sukzessive ausgebaut hat. Daneben ist von hoher Bedeutung, dass das Unternehmen gegenüber seinen Partnern immer wieder seine Fähigkeit unter Beweis gestellt hat, internationale Geschäfte erfolgreich einzuleiten und abzuwickeln. Jede Transaktion, die mit Erfolg abgeschlossen werden kann, zieht neue Anfragen potentieller Kunden nach sich.
Zum anderen muss festgestellt werden, dass Chinas Wachstum 2008 nicht etwa eingebrochen ist, sondern sich lediglich verlangsamt hat. Selbst im vierten Quartal des vergangenen Jahres wurde noch ein Wirtschaftswachstum von 6,8 Prozent erzielt. Zwar gab es etliche Branchen, wie etwa die Exportwirtschaft, die empfindliche Umsatzeinbußen hinnehmen mussten. Dem stand aber eine immer noch sehr hohe Investitionsbereitschaft der chinesischen Unternehmen gegenüber. Hier wurden auch 2008 hindurch jeweils Zuwachsraten im zweistelligen Prozentbereich erfasst. Und noch im ersten Quartal 2009 sind dort die Anlageinvestitionen um knapp 30 Prozent gestiegen.
Das riesige Konjunkturprogramm der chinesischen Regierung sollte die Investitionsneigung der chinesischen Industrieunternehmen noch zusätzlich anheizen, und damit Shanghai Fairtrade zugute kommen. China hat außerdem seit Beginn der Finanzkrise die Notwendigkeit erkannt, die eigene Wirtschaft nachhaltig umzuformen. Die wenig einträgliche Massenproduktion von Billigartikeln soll sukzessive dem Aufbau innovativer und hochtechnologischer Branchen weichen. Zugleich steht Chinas produzierende Industrie unter einem enormen Modernisierungsdruck. Dies wird dazu führen, dass immer mehr chinesische Konzerne nur noch hochwertige Anlagen auf internationalem Standard nachfragen werden. Das Geld dafür ist bei Chinas Unternehmen reichlich vorhanden. Das Know-how und der Zugang zu den spezialisierten westlichen Lieferanten kommen von Shanghai Fairtrade.
Wir gehen davon aus, dass Shanghai Fairtrade über ein erprobtes und aussichtsreiches Geschäftsmodell verfügt, und auch in den kommenden Jahren noch Wachstumsraten im hohen zweistelligen Bereich erzielen kann. Angesichts dessen ist die Bewertung des Unternehmens geradezu lächerlich niedrig. Das KGV für 2008 befindet sich je nach gewähltem Gewinn-Szenario zwischen 3 und 6. Wir halten die Aktie von Shanghai Fairtrade deshalb weiterhin für enorm aussichtsreich. Zugleich bekräftigen wir unser Kursziel von 1,35 Euro, das wir im November 2008 aufgestellt haben.
Aufgrund des geringen Handelsvolumens sind kurzfristig starke Kursschwankungen zu erwarten. Spekulative Naturen können sich dies zunutze machen, und sich bereits vor Veröffentlichung der Jahreszahlen mit einigen Papieren eindecken. Zugleich ist die Aktie derzeit wegen ihrer niedrigen Bewertung auch für den mittelfristig agierenden Value-Investor kaufenswert. Je nach Risikoneigung und Anlagehorizont sollten entsprechende Stoppkurse gesetzt werden.
Weiterführende Informationen zu dem Unternehmen finden Sie in unserem Beitrag „Shanghai Fairtrade: Wachstumsstark und grundsolide“ auf www.emfis.de .
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