Selbstständige-Stimmung, Bundesregierung

Selbstständige-Stimmung: Nur 5,4% vertrauen Bundesregierung noch

03.06.2026 - 21:30:53 | boerse-global.de

Papierkram-Studie zeigt: Trotz stabiler Umsätze vertrauen nur 5,4 Prozent der Selbstständigen der Bundesregierung. Regionale Krisen belasten zusätzlich.

Samsung-Monitore erreichen historische Tiefstpreise - Bild: über boerse-global.de
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Während die eigenen Geschäftszahlen vielerorts stabil sind oder sogar wachsen, schwindet das Vertrauen in die Bundespolitik dramatisch.

Zwischen Optimismus und Politikverdrossenheit

Der am 3. Juni veröffentlichte Papierkram Business Monitor 2026 zeichnet ein differenziertes Bild der Selbstständigen-Landschaft. 43,3 Prozent der Befragten konnten ihre Umsätze im Jahr 2025 steigern, weitere 35,8 Prozent hielten zumindest das Niveau. Auch bei den Gewinnen zeigt sich Stabilität: 37,7 Prozent verzeichneten Zuwächse, 37,9 Prozent blieben stabil.

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Der Blick nach vorn fällt ebenfalls verhalten optimistisch aus. Knapp 44 Prozent der Solo-Selbstständigen und Kleinunternehmer rechnen für 2026 mit steigenden Einnahmen, 42,3 Prozent mit höheren Gewinnen. Mehr als die Hälfte (55,1 Prozent) fühlt sich bei der eigenen Geschäftsplanung sicher oder sehr sicher.

Doch dieser persönliche Optimismus kollidiert mit einem Vertrauenseinbruch auf Bundesebene. Nur noch 5,4 Prozent der Selbstständigen sind mit der Arbeit der Bundesregierung zufrieden – ein Absturz von 13,7 Prozent in früheren Erhebungen. Die steigenden Kosten und die als unzureichend empfundene Wirtschaftspolitik belasten die Stimmung massiv.

Regionale Krisenherde: Berlin und Mainz-Rheinhessen unter Druck

Während die Einzelunternehmer vergleichsweise stabil dastehen, kühlt sich das gesamtwirtschaftliche Klima in den Regionen ab. Die Berliner IHK meldete am 2. Juni einen Rückgang ihres Geschäftsklimaindex auf 100 Punkte – im Herbst 2025 lag der Wert noch bei 105. Knapp die Hälfte der Hauptstadt-Unternehmen nennt die Energiepreise als größtes Risiko, gefolgt vom Fachkräftemangel (39 Prozent).

Noch dramatischer ist die Lage in Mainz-Rheinhessen. Eine Umfrage von April bis Ende April 2026 ergab einen Einbruch des Geschäftsklimaindex auf 81 Punkte – ein Wert, der selbst während der Corona-Pandemie nicht erreicht wurde. Nur noch 23 Prozent der Unternehmen in der Region bewerten ihre Lage als gut.

Branchen im Abwärtstrend

Mehrere Schlüsselbranchen zeigen klare Kontraktionssignale:

Der HCOB-Einkaufsmanagerindex für den deutschen Dienstleistungssektor fiel im Mai auf 48,1 Punkte – den zweiten Monat in Folge unter der Wachstumsschwelle von 50. In der Druck- und Medienindustrie sank der Geschäftsklimaindex auf 86,4 Punkte, 52 Prozent der Firmen berichten von negativen Ertragslagen. Besonders hart trifft es die Logistikbranche: Eine TIMOCOM-Umfrage vom 2. Juni zeigt, dass 52,4 Prozent der Transportunternehmen die Marktlage als schlecht einstufen. Grund sind unter anderem die Dieselpreise, die im April im Jahresvergleich um 41,3 Prozent gestiegen sind.

Kanzler wirbt um Vertrauen – Analysten bleiben skeptisch

Bundeskanzler Friedrich Merz versuchte am 2. Juni auf dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum in Bad Saarow gegenzusteuern. Er argumentierte gegen die anhaltende Pessimismus-Stimmung und kündigte ein umfassendes Reformpaket vor der Sommerpause an. Im Fokus stehen die Rentenpolitik, Steuerentlastungen für kleine und mittlere Einkommen sowie eine Begrenzung der Sozialabgaben. Merz verwies zudem auf die Stärke Ostdeutschlands als Innovationsstandort: Jeder dritte in Europa produzierte Halbleiter stamme aus Sachsen.

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Doch die internationalen Prognosen bleiben verhalten. Die OECD senkte ihre Wachstumsprognose für Deutschland 2026 auf 0,7 Prozent – von zuvor 0,8 Prozent. Grund sind die Folgen geopolitischer Konflikte auf die Energiepreise.

Die jüngste Ausfallstudie von Creditreform untermauert die angespannte Lage. Die Experten erwarten für 2026 eine Unternehmensinsolvenzquote von 2,08 Prozent. Besonders betroffen: Mittelständler mit Umsätzen zwischen 500.000 und zwei Millionen Euro, für die eine Quote von 2,06 Prozent prognostiziert wird. Großkonzerne liegen mit 0,36 Prozent deutlich darunter.

Die selbstständige Mitte Deutschlands steht damit vor einem Paradox: Die eigenen Geschäfte laufen – doch das Vertrauen in die Rahmenbedingungen schwindet. Ob das angekündigte Reformpaket die Stimmung drehen kann, wird sich zeigen müssen.

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