Schwerbehinderung: Elektronische Steuer-ID seit Januar – was Betroffene wissen müssen
Veröffentlicht: 13.07.2026 um 01:01 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Kombination aus Kfz-Steuerbefreiung und kostenlosem Nahverkehr ist dabei besonders wertvoll. Doch die Regeln unterscheiden sich je nach Merkzeichen – und seit Januar läuft die Datenübermittlung an die Finanzämter elektronisch.
Wahlrecht bei Merkzeichen G und Gl
Die Vergünstigungen hängen direkt von den Einträgen im Schwerbehindertenausweis ab. Wer die Merkzeichen „aG“ (außergewöhnliche Gehbehinderung), „H“ (Hilflosigkeit) oder „Bl“ (Blindheit) hat, darf gleichzeitig von der Kfz-Steuerbefreiung profitieren und eine kostenlose Wertmarke für Bus und Bahn nutzen.
Anders sieht es bei den Merkzeichen „G“ (erhebliche Gehbehinderung) und „Gl“ (Gehörlosigkeit) aus. Hier müssen Betroffene wählen: Entweder sie zahlen nur 50 Prozent der Kfz-Steuer oder sie kaufen eine vergünstigte Wertmarke. Der Preis liegt 2026 bei 104 Euro fürs ganze Jahr, 53 Euro für sechs Monate. Eine kostenlose Wertmarke gibt es nur, wenn zusätzlich bestimmte Sozialleistungen bezogen werden.
Elektronische Datenübermittlung seit Januar
Seit dem 1. Januar 2026 läuft die Übermittlung von Behinderungsgrad (GdB) und Merkzeichen an die Finanzämter digital – über die Steuer-ID. Juristen warnen: Fehlt die Übermittlung oder ist sie falsch, wird der Behinderten-Pauschbetrag in der Steuererklärung nicht automatisch berücksichtigt.
Alte Bescheide aus der Zeit vor 2026 haben Bestandsschutz. Bei Neufeststellungen müssen Betroffene aber sicherstellen, dass ihre Steuer-ID korrekt bei den Versorgungsämtern hinterlegt ist. Die Pauschbeträge staffeln sich nach GdB: Bei 50 sind es 1.140 Euro im Jahr, bei 100 bis zu 2.840 Euro. Wer die Merkzeichen „H“ oder „Bl“ hat oder Pflegegrad 4 oder 5, bekommt sogar 7.400 Euro.
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Vorsicht bei Verschlimmerungsanträgen
Ein unbefristeter Schwerbehindertenausweis ist kein Freibrief. Das Bundessozialgericht hat klargestellt: Behörden können den Status später aufheben, wenn sich der Gesundheitszustand wesentlich bessert. Das betrifft etwa Fälle nach einer Heilungsbewährung, zum Beispiel nach Krebserkrankungen.
Experten raten daher zur Zurückhaltung bei Verschlimmerungsanträgen. Denn bei einer Neufeststellung wird der gesamte Gesundheitszustand neu bewertet – und der GdB kann auch sinken. Ein Verlust des Schwerbehindertenstatus hat weitreichende Folgen: Der besondere Kündigungsschutz fällt weg, der Zusatzurlaub von fünf Tagen entfällt, und die Altersrente für Schwerbehinderte ist gefährdet. Dafür ist ein GdB von mindestens 50 bei Rentenbeginn nötig.
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Weitere Änderungen im Sozialrecht
Zur Jahresmitte 2026 gab es auch andere Anpassungen. Die Renten stiegen um 4,24 Prozent, der aktuelle Rentenwert liegt nun bei 42,52 Euro. Auch die Unfallrenten wurden angehoben. Die Pfändungsfreigrenzen auf Pfändungsschutzkonten kletterten auf 1.590 Euro monatlich.
Bei der Grundsicherung wurden die Sanktionen verschärft: Bei Pflichtverletzungen drohen Kürzungen von bis zu 30 Prozent. Für Bürgergeld-Empfänger liegt die Belastungsgrenze für Zuzahlungen bei medizinischen Leistungen 2026 bei 135,12 Euro, für chronisch Kranke bei 67,56 Euro. Eine Schwerbehinderung allein reicht nicht für die Einstufung als chronisch krank – dafür ist meist ein GdB von mindestens 60 oder Pflegegrad 3 nötig.
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