Schulhitze: Klassenzimmer erreichen 46 Grad – Haftung blockiert Lösungen
Veröffentlicht: 13.07.2026 um 01:02 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Was die Arbeitsstättenverordnung eigentlich klar regelt, scheitert an Haftungsfragen und leeren Kassen.
Privater Ventilator? Haftungsrechtlich problematisch
Ein Fall aus Baden-Württemberg zeigt, wie absurd die Lage ist. Eine Lehrkraft stellte Ende Juni private Ventilatoren für ihre Schüler auf – die Temperaturen lagen bei über 40 Grad. Die Schulleitung untersagte den Einsatz per E-Mail. Begründung: Die nicht geprüften Elektrogeräte verstoßen gegen die Betriebssicherheitsverordnung. Im Schadensfall würde niemand haften.
Die Bildungsgewerkschaft GEW kritisierte das Verbot scharf. Schließlich schreibt die Arbeitsstättenverordnung ab 30 Grad konkrete Schutzmaßnahmen vor. Die betroffene Lehrkraft zeigte sich frustriert über die bürokratischen Hürden.
Klimaanlagen? Zu teuer für die Kommunen
In Baden-Württemberg hat sich die Zahl der jährlichen Hitzetage auf etwa 14 verdreifacht. Trotzdem bleibt der Einbau von Klimaanlagen die Ausnahme. Oberbürgermeister Elkemann aus Wiesloch erteilte entsprechenden Forderungen Mitte Juli eine Absage. Die Kosten für eine vollständige Klimatisierung aller städtischen Gebäude? 15 bis 20 Millionen Euro. Man wolle sich zunächst auf Kitas und einzelne kritische Räume konzentrieren.
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Am Ottheinrich-Gymnasium in Wiesloch wurden in Treppenhäusern Spitzenwerte von bis zu 46 Grad gemessen. In Hessen warf die Opposition der Landesregierung Versagen beim Hitzeschutz vor. Gefordert werden spezielle Programme für Klimatisierung – nicht nur in Schulen, sondern auch in Pflegeheimen.
Behelfslösungen statt Konzepte
Weil flächendeckende technische Lösungen fehlen, greifen Schulen zu einem Mix aus organisatorischen Maßnahmen:
Moers: Hier setzt man auf Rollläden, Unterricht in Kellerräumen oder im Freien sowie auf Kurzstunden und „Hitzefrei“. Klimaanlagen oder Wasserzerstäuber wurden abgelehnt.
Rheinland-Pfalz: Zum Schulstart Mitte Juli gibt es keine landesweit einheitliche Regelung. Die Entscheidung liegt bei den Schulleitungen. Empfohlen wird unter anderem die Anpassung des Sportunterrichts und die Erlaubnis, während der Stunden zu trinken.
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Südeuropa: Gleiches Problem, andere Dimension
Das Problem ist nicht auf Deutschland beschränkt. In der Region Madrid wurden im Juli 2026 in staatlichen Schulen Innentemperaturen von bis zu 37 Grad gemessen. Gewerkschaften sprechen von unzumutbaren Zuständen. Madrid gilt als einzige Region Spaniens, in der staatliche Schulen weitgehend ohne Klimatisierung auskommen müssen. Elternverbände fordern dort neben technischer Kühlung auch mehr natürliche Schattenzonen und Baumpflanzungen auf den Schulhöfen.
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