Schwerbehinderten-Anträge: Sachsen-Anhalt verkürzt Bearbeitungszeit auf 6 Monate
Veröffentlicht: 11.07.2026 um 11:51 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Möglich machten das eine Reform der Sozialverwaltung und der Einsatz externer Gutachter.
Reform zeigt Wirkung trotz steigender Fallzahlen
Die Neuorganisation startete im März. Kernstück ist das neue Landesamt für Soziales, Jugend und Gesundheit (LAS) in Halle an der Saale. Seit dem 1. April bündelt die Behörde mit rund 450 Beschäftigten die zuvor dezentralen Aufgaben. Nebenstellen gibt es in Magdeburg und Dessau-Roßlau.
Die Beschleunigung gelang trotz eines deutlichen Anstiegs der Fallzahlen, erklärte die Sozialministerin. Die Zahl der Anträge stieg von rund 35.500 im Jahr 2021 auf über 45.000 im Jahr 2024. Um den Rückstau abzuarbeiten, setzt das Land auf gestraffte Verfahren und zusätzliche externe Gutachter.
Seit Januar wird der Grad der Behinderung (GdB) zudem elektronisch an die Finanzämter übermittelt. Das vereinfacht die bürokratischen Abläufe für die Betroffenen erheblich.
Niedersachsen startet Inklusionsoffensive
Auch andere Bundesländer ziehen nach. Am 9. Juli startete Niedersachsen einen Zehn-Punkte-Plan zur Integration von rund 15.800 schwerbehinderten Arbeitslosen. Das Programm will bürokratische Hürden abbauen, Beratungsangebote transparenter machen und finanzielle Anreize für Arbeitgeber schaffen.
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KI entlastet Verwaltung im Kreis Borken
Ein Pilotprojekt im Kreis Borken zeigt, wie Technologie helfen kann. Künstliche Intelligenz in der Antragsbearbeitung für Hilfe-zur-Pflege senkte den Aufwand um rund 20 Prozent. Das System prüft Unterlagen auf Vollständigkeit, bereitet Finanzdaten auf und erstellt Entscheidungsvorschläge. Einzelne Arbeitsschritte wurden so um bis zu 35 Prozent schneller.
EU-Behindertenausweis kommt bis 2028
Auf europäischer Ebene zeichnet sich eine Vereinheitlichung ab: Bis zum 5. Juni 2028 soll der EU-Behindertenausweis in allen 27 Mitgliedstaaten gelten. Deutschland muss die Richtlinie bis zum 5. Juni 2027 in nationales Recht umsetzen. Der Ausweis soll vor allem Reisen erleichtern, berührt aber nicht die nationalen Regelungen zur Grundsicherung.
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Reform der Alterssicherung in der Diskussion
In der Bundespolitik stehen Reformen der Alterssicherung zur Debatte. Eine Expertenkommission legte im Juni Vorschläge vor, die ab 2027 wirksam werden könnten. Sie beinhalten eine engere Kopplung des Rentenbeginns an die Lebenserwartung und eine Verkürzung der Antragsfristen für Rehabilitationsmaßnahmen von zehn auf vier Wochen. Aktuell leben in Deutschland rund 7,9 Millionen Menschen mit einer anerkannten Schwerbehinderung.
Therapie und Mindestlohn: Neue Baustellen
Trotz der Fortschritte bei der Antragsbearbeitung bleiben andere Bereiche unter Druck. Therapeuten warnen vor längeren Wartezeiten in der Psychotherapie. Grund sind geplante Honorarkürzungen durch das Beitragsstabilisierungsgesetz.
Auch die Entlohnung in Behindertenwerkstätten beschäftigt die Justiz. Vor dem Arbeitsgericht Münster klagt ein Beschäftigter auf Zahlung des gesetzlichen Mindestlohns. Die durchschnittliche Vergütung für die rund 300.000 Betroffenen liegt bei etwa 233 Euro pro Monat. Eine Entscheidung wird für September erwartet.
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