Schweizer Immobilienpreise steigen trotz Krise munter weiter
30.04.2026 - 12:06:35 | boerse-global.deDie Preise für Wohneigentum legten im ersten Quartal um 1,5 Prozent zu – im Jahresvergleich sogar um 4,7 Prozent. Trotz geopolitischer Spannungen und steigender Zinsen bleibt die Nachfrage enorm.
Eigentumswohnungen und Häuser legen zu
Die aktuellen Daten des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigen eine klare Tendenz: Eigentumswohnungen verteuerten sich um 1,8 Prozent, Einfamilienhäuser um 1,1 Prozent. Besonders in den großen Städten geht die Post ab – hier betrug der Preisanstieg innerhalb eines Quartals satte 3,1 Prozent.
Doch nicht überall läuft der Markt auf Hochtouren. In peripheren Regionen wie dem Jura gaben die Preise um 2,9 Prozent nach, im Alpenraum um 2,4 Prozent. Die Schere zwischen Stadt und Land öffnet sich weiter.
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In Bern zeigt sich ein kurioses Bild: Der durchschnittliche Quadratmeterpreis liegt bei 7.838 Franken. Doch im Jahresvergleich fielen die Preise für Wohnungen um 7,1 Prozent – bei Häusern sogar um 34,8 Prozent. Experten vermuten dahinter eine veränderte Zusammensetzung der angebotenen Objekte.
Mehrfamilienhäuser als Renditebringer
Investoren setzen weiter auf Beton. Die Preise für Mehrfamilienhäuser stiegen im ersten Quartal um 3,0 Prozent, auf Jahressicht um 5,0 Prozent. Der Grund: extrem niedrige Leerstände. Landesweit liegt die Quote bei etwa 1,0 Prozent – weit unter dem gesunden Gleichgewicht.
In Zürich beträgt die Leerstandsquote gerade einmal 0,1 Prozent. Kein Wunder, dass die Mieten dort im Quartalsvergleich um 1,1 Prozent stiegen. Die Differenz zwischen Angebots- und Bestandsmieten ist enorm: In Genf liegen Angebotsmieten bis zu 50 Prozent über den Bestandsmieten, in Zürich immerhin noch 20 Prozent.
Angebotslücke treibt Preise
Der eigentliche Treiber der Entwicklung ist simpel: Es wird zu wenig gebaut. 2025 kamen netto rund 32.200 Wohneinheiten auf den Markt – gleichzeitig wuchs die Bevölkerung um etwa 73.300 Personen. Diese Lücke schließt sich so schnell nicht.
Hinzu kommen externe Faktoren. Der Krieg im Iran verunsichert die Märkte, treibt Energiepreise und Inflation. Die Zinsen für Immobilienfinanzierungen zogen um etwa 0,3 Prozentpunkte an. Das dämpft die Preiserwartungen – kann den Aufwärtstrend aber nicht brechen.
Auch die Baukosten steigen. Diesel, Bitumen, Zement – alles wird teurer. Branchenvertreter fordern politische Maßnahmen, doch der sogenannte „Bauturbo" zeigt bislang kaum Wirkung.
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Finanzierung wird zum Hürdenlauf
Trotz der Zinswende bleibt der Schweizer Markt erstaunlich stabil. Experten führen das auf die solide Eigenkapitalbasis der Käufer und strenge Kreditrichtlinien zurück. Die Banken haben ihre Vergabepraxis weiter gestrafft – wer heute kaufen will, braucht ein tragfähiges Konzept.
Die Energieeffizienz wird zum entscheidenden Preisfaktor. Objekte mit moderner Haustechnik erzielen Spitzenpreise, während unmodernisierte Bestandsbauten mit Abschlägen rechnen müssen. In Deutschland diskutiert man bereits über eine hälftige Teilung der Sanierungskosten zwischen Vermieter und Mieter – ein Modell, das auch in der Schweiz aufmerksam beobachtet wird.
Ausblick: Weiter Aufwärts, aber moderater
Für den Rest des Jahres 2026 rechnen Marktforscher mit einem nominalen Preisanstieg von etwa 3,1 Prozent. Die Angebotsmieten dürften um rund 1 Prozent steigen, während bei den Bestandsmieten sogar ein leichter Rückgang von 0,8 Prozent möglich erscheint.
Die größte Herausforderung bleibt das Angebot. Witterungsbedingt und wegen hoher Materialkosten verzeichnete der Neubau im ersten Quartal Einbußen. Kurzfristig ist keine Entspannung in Sicht – die Schere zwischen Bedarf und Bauaktivität wird sich weiter öffnen.
Eine Trendwende hin zu sinkenden Preisen? Angesichts der strukturellen Knappheit in den wirtschaftlichen Zentren nicht in Sicht. Investitionen in Mehrfamilienhäuser dürften aufgrund sicherer Cashflows eine bevorzugte Anlageklasse bleiben – sofern die regulatorischen Rahmenbedingungen stabil bleiben.
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