Samsung-Konflikt, Gewerkschaft

Samsung-Konflikt: Gewerkschaft stoppt Abstimmung über Bonusvertrag

26.05.2026 - 08:30:01 | boerse-global.de

Eine Gewerkschaftsklage stoppt die Abstimmung über einen Bonusvertrag, der Chip-Mitarbeiter bevorzugt und Aktionäre verärgert.

Samsung-Konflikt: Gewerkschaft stoppt Abstimmung über Bonusvertrag - Foto: über boerse-global.de
Samsung-Konflikt: Gewerkschaft stoppt Abstimmung über Bonusvertrag - Foto: über boerse-global.de

Die Donghaeng-Gewerkschaft, die rund 13.000 Beschäftigte der Gerätesparte (DX) vertritt, hat heute beim Bezirksgericht Suwon einen Eilantrag eingereicht, um eine laufende Abstimmung über einen umstrittenen Lohn- und Bonusvertrag zu stoppen. Der Konflikt offenbart tiefe Risse zwischen dem profitablen Chip-Geschäft und den anderen Bereichen des Konzerns.

Spaltung der Belegschaft

Der juristische Vorstoß markiert den Höhepunkt eines sogenannten „Arbeitskampfes unter Arbeitnehmern". Die Donghaeng-Gewerkschaft wirft der übergeordneten Gewerkschaftsführung vor, ihr das Stimmrecht entzogen zu haben. Ursprünglich sei vereinbart worden, dass alle Mitglieder abstimmen dürfen. Nach einem Anstieg der Mitgliederzahlen in der DX-Sparte sei dieses Versprechen jedoch gebrochen worden.

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Die Abstimmung läuft seit dem 22. Mai und soll morgen früh enden. Während die rund 57.000 Beschäftigten der Chip-Sparte (DS) ihre Stimme abgeben dürfen, sind die 13.000 DX-Mitarbeiter ausgeschlossen. Sie befürchten, dass das Votum einen Präzedenzfall für den gesamten Konzern schaffen wird – ohne dass sie Einfluss nehmen können.

Ungleiche Boni: Chip-Mitarbeiter als Gewinner

Der Streit entzündet sich an den finanziellen Details des Vertrags. Das Abkommen sieht ein fixes, aktienbasiertes Gewinnbeteiligungsmodell vor: 10,5 Prozent des operativen Gewinns sollen zehn Jahre lang als Boni an die Belegschaft ausgeschüttet werden. Doch die Verteilung ist höchst ungleich:

  • Mitarbeiter der Speicherchip-Sparte könnten im Schnitt Boni von rund 600 Millionen Won (etwa 410.000 Euro) erhalten
  • Beschäftigte der Gerätesparte müssen sich mit Aktien im Wert von rund 6 Millionen Won (etwa 4.100 Euro) begnügen
  • Andere Halbleiterbereiche sollen Boni zwischen 100 Millionen Won erhalten

Zusätzlich ist eine allgemeine Lohnerhöhung von 6,2 Prozent vorgesehen, bestehend aus einem Basisanstieg von 4,1 Prozent und einer leistungsabhängigen Erhöhung von 2,1 Prozent.

Die hohen Einsätze treiben die Wahlbeteiligung in die Höhe. Bereits am 24. Mai hatten über 80 Prozent der Wahlberechtigten abgestimmt. Einen Tag später lag die Quote bei 87,93 Prozent – fast 49.000 der 57.291 berechtigten Arbeiter hatten ihre Stimme abgegeben. Gewerkschaftschef Choi Seung-ho hat bereits signalisiert, dass eine Ablehnung des Deals ein Misstrauensvotum gegen die aktuelle Gewerkschaftsführung auslösen würde.

Aktionäre laufen Sturm

Die großzügigen Bedingungen stoßen nicht nur innerhalb der Belegschaft auf Widerstand. Die Aktionärsgruppe ACT hat lautstark protestiert. Sie argumentiert, dass die Zusage, über ein Jahrzehnt hinweg 10,5 Prozent des operativen Gewinns als Boni auszuschütten, die Rechte der Aktionäre verletze und Dividenden verwässern könnte. Die Gruppe plant, am 27. und 28. Mai das Aktionärsregister zu prüfen – als Vorstufe zu einem Antrag auf eine außerordentliche Hauptversammlung.

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Branchenanalysten warnen, dass ein so hoher Gewinnbeteiligungssatz Samsungs Fähigkeit beeinträchtigen könnte, massive Investitionen in Forschung und Produktion im hart umkämpften globalen Halbleitermarkt zu stemmen. Der „Dominoeffekt" ist bereits sichtbar: Töchter wie Samsung Display, Samsung SDI und Samsung Electro-Mechanics sehen sich mit ähnlichen Forderungen ihrer Belegschaften konfrontiert.

Politischer Zündstoff: „Gelbe-Umschlag-Gesetz"

Der Konflikt bei Samsung hat längst die nationale Politik erreicht. Er entfacht die Debatte um das sogenannte „Gelbe-Umschlag-Gesetz" neu. Diese geplante Arbeitsreform soll Unternehmen daran hindern, von Gewerkschaften Schadensersatz für Streikverluste zu verlangen. Die regierende People Power Party (PPP) nutzt den Fall Samsung, um das Gesetz zu kritisieren. Es fördere überzogene Forderungen und häufige Streiks, die die Wettbewerbsfähigkeit des führenden Technologieunternehmens Südkoreas untergraben könnten.

Die oppositionelle Demokratische Partei verteidigt das Gesetz als notwendigen Schutz für das Recht der Arbeitnehmer auf kollektive Aktionen und faire Vergütung. Staatsvermittelte Verhandlungen waren entscheidend, um die aktuelle Einigung zu erzielen und einen 18-tägigen Streik im Frühjahr zu vermeiden.

Ausblick: Entscheidung am Mittwoch

Das endgültige Ergebnis der Abstimmung wird morgen nach 10 Uhr erwartet. Es wird entscheiden, ob Samsung in eine phase relativer Stabilität eintritt oder erneuten Turbulenzen entgegensieht.

  • Ein „Ja" würde eine zehnjährige Bonusstruktur festschreiben, könnte aber zu anhaltenden Klagen der DX-Sparte und der Aktionäre führen.
  • Ein „Nein" würde wahrscheinlich eine Führungskrise innerhalb der Gewerkschaft auslösen und die Rückkehr an den Verhandlungstisch erzwingen – mit der erneuten Gefahr von Arbeitskampfmaßnahmen.

Die globale Halbleiterindustrie beobachtet die Entwicklungen genau. Das beispiellose Ausmaß der vorgeschlagenen Boni könnte die Lohnerwartungen im gesamten Technologiesektor Ostasiens neu definieren. Während das Bezirksgericht Suwon über den Eilantrag entscheidet, steht Samsung an einem Scheideweg: zwischen der Belohnung seiner profitabelsten Sparte und dem Erhalt einer geeinten Belegschaft.

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