Rückenschmerzen, Milliarden

Rückenschmerzen kosten Wirtschaft 8,8 Milliarden Euro jährlich

01.07.2026 - 13:52:43 | boerse-global.de

Ein neues Webportal bündelt rund 120.000 zertifizierte Präventionskurse. Krankenkassen bezuschussen die Teilnahme, während Muskel-Skelett-Erkrankungen die Wirtschaft belasten.

Neues Portal listet 120.000 Präventionskurse für Patienten
Rückenschmerzen - Eine Person berührt sanft ihren unteren Rücken, um Rückenschmerzlinderung zu zeigen, mit einem unscharfen Hintergrund eines Wellnesszentrums. 01.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Seit dem 30. Juni 2026 ist ein neues Webportal online: praevention-direkt-finden.de. Es listet rund 120.000 zertifizierte Präventionskurse – von Bewegung über Ernährung bis hin zu Stressmanagement und Suchtprävention.

Das Angebot richtet sich an Ärzte, Psychotherapeuten und Beratungsstellen. Sie können Patienten gezielt in qualitätsgeprüfte Kurse vermitteln. Die Zentrale Prüfstelle Prävention hat alle Maßnahmen geprüft. Die gesetzlichen Krankenkassen bezuschussen die Teilnahme. Allein 2024 gaben die Kassen fast 700 Millionen Euro für Gesundheitsförderung und Primärprävention aus.

Muskel-Skelett-Erkrankungen belasten die Wirtschaft

Die Notwendigkeit für mehr Prävention zeigen aktuelle Arbeitsunfähigkeitszahlen. Der WIFO-Fehlzeitenreport 2025 weist Muskel-Skelett-Erkrankungen mit 19,1 Prozent als eine der häufigsten Krankenstandsursachen aus. 1994 lag der Wert noch bei 22,4 Prozent.

Die finanziellen Folgen sind enorm. Die direkten Kosten durch Entgeltfortzahlungen beliefen sich auf 4,8 Milliarden Euro. Hinzu kamen 1,2 Milliarden Euro an Krankengeld. Insgesamt entsprechen diese Ausgaben rund 1,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Wertschöpfungsverluste schätzen Experten auf bis zu 8,8 Milliarden Euro.

Auffällig sind die Geschlechterunterschiede: Frauen verzeichneten im Schnitt 15,5 Krankenstandstage, Männer 14,1 Tage.

Fokus auf Bandscheibenerkrankungen

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Bandscheibenerkrankungen. Der Fehlzeitenreport 2026 zeigt: Sie sind besonders oft für lange Abwesenheiten verantwortlich. Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) fordert deshalb, Bandscheibenerkrankungen in die offizielle Liste der Berufskrankheiten aufzunehmen.

Anzeige

Rückenschmerzen, Verspannungen und eine schwache Muskulatur zählen zu den häufigsten Ursachen für Fehlzeiten im Beruf. Prof. Dr. Wessinghage verrät in diesem Ratgeber 17 einfache Übungen, die in nur 3 Minuten täglich für sofortige Linderung sorgen. 17 Wunderübungen gegen Beschwerden jetzt kostenlos herunterladen

„Eine Anerkennung als Berufskrankheit ist notwendig, um Betroffene über die Unfallversicherung abzusichern“, sagt ÖGB-Gesundheitsexpertin Julia Stroj. Besonders betroffen sind Beschäftigte im Gesundheitswesen, in der Langzeitpflege und in der Behindertenbetreuung.

In Deutschland leiden Schätzungen zufolge jährlich rund 60 Prozent der Bevölkerung unter Rückenschmerzen. Nicht jeder Bandscheibenvorfall löst Symptome aus. Plötzliche brennende Schmerzen oder Taubheitsgefühle in Armen oder Beinen gelten jedoch als deutliche Warnsignale.

Altersmedizin: Prävention wird schwieriger

Mit zunehmendem Alter verschärft sich das Problem. Eine Schweizer Befragung ergab: Rund ein Drittel der Menschen ab 65 Jahren leidet mehrmals pro Monat unter Rückenschmerzen. Mediziner nennen als Hauptursachen den natürlichen Muskelabbau, den Verlust von Bandscheibengewebe sowie Arthrose und Osteoporose.

Anzeige

Da der Körper ab 50 jedes Jahr wertvolle Muskelmasse verliert, ist gezieltes Gegensteuern für die langfristige Mobilität entscheidend. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Leitfaden, wie Sie mit nur 6 einfachen Übungen zuhause Ihren Rücken stärken und Volkskrankheiten vorbeugen können. Kostenlosen Krafttraining-Ratgeber für zuhause sichern

Johannes Scherr von der Uniklinik Balgrisk empfiehlt: Vor Beginn eines Trainingsprogramms sollten Senioren ärztlich abklären lassen, ob Begleitsymptome wie unerklärlicher Gewichtsverlust, Fieber oder Gefühlsstörungen vorliegen.

Gleichzeitig geraten gängige Präventionsansätze in die Kritik. Eine kanadische Studie im Fachmagazin BMJ deutet darauf hin, dass Kalzium- und Vitamin-D-Präparate zur Vorbeugung von Knochenbrüchen und Stürzen bei älteren Menschen überschätzt werden. Für die Mehrheit der Senioren bieten sie kaum einen klinisch bedeutsamen Nutzen.

Trotz dieser differenzierten Studienlage bleibt Gesundheitsförderung ein zentrales Element der Kassenstrategie. Die Krankenkasse BIG direkt gesund feierte Anfang Juli ihr 30-jähriges Bestehen. Mit mittlerweile 480.000 Versicherten setzt sie seit der Gründung 1996 auf innovative Präventionsansätze.

de | wirtschaft | 69667210 |