Rohstoffpreise, Rekordkurs

Rohstoffpreise auf Rekordkurs: Iran-Krieg belastet deutsche Industrie massiv

06.05.2026 - 10:55:36 | boerse-global.de

Krieg im Nahen Osten treibt Rohstoffpreise auf Rekordniveau. Lithium und Wolfram verteuern sich drastisch, Öl könnte auf 150 Dollar steigen.

Rohstoffpreise auf Rekordkurs: Iran-Krieg belastet deutsche Industrie massiv - Foto: über boerse-global.de
Rohstoffpreise auf Rekordkurs: Iran-Krieg belastet deutsche Industrie massiv - Foto: über boerse-global.de

Der Rohstoffpreisindex der vbw erreichte im ersten Quartal 2026 mit 188,9 Punkten einen Anstieg um 14,3 Prozent – und nähert sich damit den Rekordmarken von 2021. Haupttreiber ist der seit Ende Februar tobende Krieg mit dem Iran, der die globalen Lieferketten für Energie und Rohstoffe massiv destabilisiert.

Explodierende Kosten für Schlüsselmaterialien

Besonders dramatisch fällt der Preissprung bei strategisch wichtigen Rohstoffen aus. Lithium verteuerte sich um 80 Prozent, Wolfram sogar um 130 Prozent. Beide Materialien sind unverzichtbar für die Hightech-Produktion – von der Elektronikindustrie bis zur E-Auto-Fertigung. Die Edelmetallpreise legten um 34 Prozent zu, Seltene Erden um 29,3 Prozent und Industrie-metalle um 14,3 Prozent.

Anzeige

Steigende Rohstoffpreise und instabile Lieferketten belasten die Liquidität vieler Betriebe massiv. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie durch gezielte Abschreibungen Steuern sparen und finanzielle Spielräume für notwendige Investitionen zurückgewinnen. Kostenlosen Abschreibungs-Ratgeber jetzt herunterladen

Die deutsche Industrie spürt die Folgen unmittelbar. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) rechnet für 2026 mit einer Stagnation der Industrieproduktion. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) meldete für das erste Quartal 4.573 Insolvenzen – der höchste Stand seit 2005. Ein alarmierendes Signal für die strukturelle Krise, die durch die geopolitische Lage weiter verschärft wird.

Energiemarkt unter Druck: Ölpreis könnte auf 150 Dollar steigen

Der Ölpreis bleibt der volatile Kern der Krise. Brent-Rohöl notierte Anfang Mai nahe der Jahres-höchstmarke von rund 120 Dollar pro Barrel. Zwar korrigierte der Preis am 5. Mai um 2,6 Prozent auf 111,47 Dollar – der Trend zeigt jedoch klar nach oben. Seit Kriegsbeginn Ende Februar stieg der Ölpreis um rund 40 Dollar pro Barrel. Analysten warnen: Eskaliert der Konflikt weiter, könnte Brent-Rohöl im Herbst die 150-Dollar-Marke erreichen.

Die Sicherheit der Öltransporte ist zum zentralen Problem geworden. Die USA starteten die Marine-Initiative „Project Freedom", um die Passage durch die Straße von Hormus zu sichern – nach iranischen Angriffen auf Ölanlagen in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der EU-Energiekommissar bezeichnete die Lage als die schwerste Energiekrise aller Zeiten und bezifferte die Mehrkosten für fossile Brennstoffimporte auf 30 Milliarden Euro.

Trotz der Krise fahren einige Konzerne Rekordgewinne ein: BP verbuchte im ersten Quartal Gewinne von über drei Milliarden Dollar, die Bank of America steigerte ihre Einnahmen um 60 Prozent. Doch die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist gedrückt. Eine DIHK-Umfrage unter 4.500 Unternehmen zeigt: 46 Prozent sehen hohe Energiepreise als größtes Risiko, 40 Prozent nennen Lieferkettenprobleme, 37 Prozent steigende Rohstoffkosten.

EU verschärft Regeln: Keine Förderung mehr für riskante Solar-Wechselrichter

Die EU-Kommission reagiert mit harten Sanktionen auf die Sicherheitslage. Seit dem 1. April 2026 stoppt die EU die Finanzierung von Energieprojekten, die Wechselrichter aus Hochrisikoländern wie China, Russland, Iran und Nordkorea verwenden. Ab dem 1. November wird das Verbot verschärft: Dann dürfen EIB, EBRD und KfW keine Projekte mehr finanzieren, die solche Komponenten enthalten.

Betroffen sind vor allem die chinesischen Hersteller Huawei und Sungrow, die weltweit marktführend sind. Die EU begründet den Schritt mit Cybersicherheitsrisiken – konkret der Gefahr von Datenzugriffen und Netzmanipulationen, die zu großflächigen Stromausfällen führen könnten. China kontrolliert zwar 80 Prozent des globalen Solarmarktes, doch die EU erwartet durch den Wechsel zu Anbietern aus Japan, Südkorea, der Schweiz und den USA nur geringfügige Mehrkosten von unter zwei Prozent.

Profiteure der neuen Regelung sind regionale Hersteller wie Fronius aus Österreich und SMA aus Deutschland sowie südkoreanische Firmen wie Hanwha Qcells und LS Electric. Die chinesische Handelskammer in der EU wies die Sicherheitsvorwürfe zurück – die EU hält jedoch an ihrem Zeitplan fest. Projekte in der Planungsphase erhalten eine Übergangsfrist, sofern sie bis Anfang Mai gemeldet wurden.

Zoll-Razzia: Großrazzia gegen Mindestlohn-Verstöße in der Paketbranche

Während die globalen Krisen die Schlagzeilen beherrschen, geht der deutsche Zoll auch im Inland massiv gegen Verstöße vor. Am heutigen Mittwoch führten über 2.900 Zollbeamte eine bundesweite Schwerpunktprüfung in der Kurier-, Express- und Paketbranche (KEP) durch. Im Fokus: die Einhaltung des gesetzlichen Mindestlohns von aktuell 13,90 Euro pro Stunde.

Die Behörden vermuten, dass viele Unternehmen systematisch Arbeitszeiten verkürzen – etwa durch Nichtbezahlung von Ladezeiten, Tankfahrten oder Wartezeiten zwischen den Zustellungen. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil betonte, die Maßnahmen dienten dem Schutz der Arbeitnehmer und der Sicherstellung fairen Wettbewerbs.

Allein in Regensburg waren 68 Zöllner im Einsatz, die Subunternehmer ins Visier nahmen, die im Verdacht des Sozialbetrugs und der Steuerhinterziehung stehen. Die detaillierten Ergebnisse der Razzia werden für Ende der Woche erwartet. Die Aktion fällt zeitlich mit der Vorstellung der Zoll-Jahresbilanz 2025 zusammen, die Klingbeil und der Präsident der Generalzolldirektion, Dr. Armin Rolfink, am 12. Mai am DHL-Hub in Leipzig/Halle präsentieren werden.

Exporteure unter Druck: DIHK senkt Prognose drastisch

Die Kombination aus geopolitischen Konflikten und explodierenden Kosten zwingt die deutsche Wirtschaft zu einer deutlichen Korrektur ihrer Erwartungen. Der DIHK senkte seine Exportprognose für 2026 und rechnet nun mit Stagnation – nachdem zuvor noch ein Wachstum von einem Prozent erwartet worden war. 44 Prozent der befragten Unternehmen nannten die schwache globale Nachfrage als größtes Risiko.

Anzeige

Der internationale Warenhandel wird durch neue Vorschriften und geopolitische Risiken immer komplexer. Sichern Sie Ihre Exportprozesse rechtlich ab und nutzen Sie diesen kostenlosen Leitfaden, um alle notwendigen Zolldokumente von der Tarifnummer bis zur Legalisierung fehlerfrei bereitzustellen. Gratis-E-Book zum Basiswissen Export sichern

Diplomatische Bemühungen zur Deeskalation laufen: Der iranische Außenminister reiste zu Gesprächen nach China. Doch der US-Verteidigungsminister bezeichnete die Lage trotz formal geltender Waffenruhe als fragil. Industrieführer setzen zunehmend auf den Ausbau erneuerbarer Energien und Atomkraft als langfristige Lösung der Energieabhängigkeit.

Der Blick der Unternehmen richtet sich nun auf die zweite Jahreshälfte 2026. Resilienz der Lieferketten und Kostenmanagement bleiben die bestimmenden Themen. Die für Mitte Mai erwarteten Berichte der Zollämter in Hamburg und Dresden werden zeigen, wie sich der Außenhandel und die Durchsetzung von Handelsregeln im vergangenen Jahr entwickelt haben – und welche Herausforderungen noch auf die Weltwirtschaft zukommen.

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | wirtschaft | 69284546 |