Rohölimporte, Energiepreise

Rohölimporte nach Deutschland sinken, Importwert steigt um 21,7 Prozent

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 08:18 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Deutschland hat von Januar bis August 2026 etwas weniger Rohöl eingeführt als im Vorjahr, dafür aber deutlich mehr bezahlt. Die wichtigsten Lieferländer waren die USA, Norwegen und Kasachstan.

Deutsche Rohölkosten im Jahresverlauf

  • Deutschland importierte von Januar bis August 2026 insgesamt 49,1 Millionen Tonnen Rohöl.
  • Der Durchschnittswert lag im August bei 607 Euro je Tonne und erreichte im Mai 768 Euro.
  • Die USA lieferten 10,8 Millionen Tonnen, Norwegen 8,0 Millionen und Kasachstan 6,8 Millionen.
Tanklager (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Deutschland zahlt mehr für weniger Rohöl

Deutschland hat von Januar bis August 2026 insgesamt 49,1 Millionen Tonnen Rohöl im Wert von 30,0 Milliarden Euro importiert. Damit sank die Einfuhrmenge gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,6 Prozent, während der Importwert um 21,7 Prozent stieg.

Das teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. Als Grund nannte die Behörde Preissteigerungen beim Rohöl infolge der Konflikte im Nahen Osten.

Rohölpreis erreichte im Mai den Jahreshöchststand

Im August kostete eine importierte Tonne Rohöl durchschnittlich 607 Euro. Im Februar waren es 460 Euro gewesen, im März 616 Euro und im April nach der Schließung der Straße von Hormus 757 Euro.

Den höchsten Durchschnittswert des Jahres verzeichnete Destatis im Mai mit 768 Euro je Tonne. Das Allzeithoch vom Juni 2022 lag mit 798 Euro noch höher. Im Juni und Juli gingen die Werte auf 657 beziehungsweise 578 Euro zurück.

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USA führen Lieferländer an

Im Durchschnitt mussten deutsche Importeure in den ersten acht Monaten 610 Euro je Tonne zahlen. Dieser Wert lag unter dem Jahresdurchschnitt von 686 Euro im Jahr 2022, aber über den Durchschnittswerten der Jahre 2012 und 2013 von 644 beziehungsweise 613 Euro.

Die wichtigsten Lieferländer waren die Vereinigten Staaten mit 10,8 Millionen Tonnen, Norwegen mit 8,0 Millionen Tonnen und Kasachstan mit 6,8 Millionen Tonnen. Zusammen kamen diese drei Länder auf 52,2 Prozent der deutschen Rohölimporte.

Russland spielt keine Rolle mehr

Bereits 2025 waren die USA mit 12,4 Millionen Tonnen das wichtigste Lieferland. Norwegen lag ebenfalls bei rund 12,4 Millionen Tonnen, Kasachstan bei 10,3 Millionen Tonnen.

In den Jahren 2024 und 2023 führte Norwegen die Rangliste an. Vor dem Inkrafttreten der Sanktionen gegen Russland im Jahr 2022 kam der größte Teil der deutschen Rohölimporte noch aus Russland.

2022 wurden 22,8 Millionen Tonnen russisches Rohöl nach Deutschland eingeführt. 2023 waren es noch 0,1 Millionen Tonnen und 2024 nur 0,02 Millionen Tonnen; seit 2025 wurden keine russischen Rohölimporte mehr nachgewiesen.

Die Importzahlen zeigen eine Verschiebung zwischen Mengen und Kosten: Deutschland bezog in den ersten acht Monaten 2026 nahezu dieselbe Rohölmenge wie im Vorjahreszeitraum, musste dafür aber deutlich mehr bezahlen. Der Anstieg des Importwerts fiel zeitlich mit den in der Meldung genannten Spannungen im Nahen Osten zusammen.

Für Verbraucher und Unternehmen wirken sich höhere Rohölkosten nicht eins zu eins, aber mittelbar auf Kraftstoffpreise, Transport, Chemie und viele weitere Produktionsbereiche aus. Entscheidend sind neben dem Rohölpreis auch Raffineriemargen, Wechselkurse, Steuern und die Verfügbarkeit von Transportwegen. Die Entwicklung der Durchschnittswerte je Tonne zeigt, wie stark geopolitische Ereignisse kurzfristig auf die Beschaffungskosten durchschlagen können.

Neue Lieferstruktur

Bei den Lieferländern setzt sich zugleich die seit 2022 erkennbare Neuordnung fort. Die Vereinigten Staaten, Norwegen und Kasachstan stellen inzwischen den größten Teil der deutschen Rohölimporte, während russisches Rohöl seit 2025 nicht mehr nachgewiesen wurde. Damit ist Deutschland stärker auf alternative Lieferanten und sichere See- und Pipelineverbindungen angewiesen.

Die geringere Importmenge begrenzt den Kosteneffekt nur teilweise, solange Preise und Transportbedingungen erhöht bleiben. Für die deutsche Wirtschaft bedeutet das: Selbst bei stabiler Nachfrage können außenpolitische Krisen den Wert der Energieimporte und damit den Druck auf Preise und Wettbewerbsfähigkeit deutlich erhöhen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Focus: „Lockere Sanktionen gegen Russland sorgen für sinkende Ölpreise“ (19.10.2026)

Der Beitrag beschreibt sinkende Rohöltransporte aus der Golfregion und ordnet dies in die jüngste Preisentwicklung ein. Damit ergänzt er die Importdaten um die kurzfristige Marktbewegung, während die dts-Meldung den längeren Zeitraum bis August und die deutsche Lieferstruktur in den Mittelpunkt stellt.

n-tv: „Ölpreise sinken nach Rekordhoch wieder“ (19.10.2026)

n-tv berichtet von einer Erholung der Öllieferungen aus dem Persischen Golf auf etwa 80 Prozent des Vorkrisenniveaus und von nachlassenden Preisen. Gemeinsam ist beiden Perspektiven die hohe Bedeutung der Nahost-Lage; offen bleibt, wie dauerhaft die Entspannung bei Transporten und Preisen ist.

Die Berichte verbinden die deutschen Importkosten mit der internationalen Versorgungslage, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte: Marktpreise und Lieferströme stehen neben der langfristigen Verschiebung deutscher Bezugsquellen.

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