Rentenreform, DGB

Rentenreform: DGB fordert 53-Prozent-Satz statt Rente mit 70

26.06.2026 - 07:03:17 | boerse-global.de

Der DGB fordert ein Rentenniveau von bis zu 53 Prozent und lehnt eine Anhebung des Rentenalters ab. Die Finanzierung soll über Arbeitgeberbeiträge und Steuern erfolgen.

DGB präsentiert Gegenentwurf zur Rentenkommission: Höheres Niveau, kein späterer Renteneintritt
Rentenreform - Ein Stapel Euro-Münzen neben einem System kleiner Zahnräder, das die Komplexität der Rentenreform und Finanzierung symbolisiert. 26.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Kernforderungen: ein höheres Rentenniveau und kein späterer Renteneintritt.

Höhere Renten, keine Rente mit 70

Das DGB-Modell will das Rentenniveau auf 70 bis 90 Prozent des letzten Nettoeinkommens heben. Konkret soll der gesetzliche Satz von derzeit 48 Prozent über 50 auf schließlich 53 Prozent steigen. Eine Anhebung des Rentenalters lehnen die Gewerkschaften strikt ab.

Zur Finanzierung sollen Arbeitgeber verpflichtend zwei Prozent des Bruttolohns in die betriebliche Altersvorsorge einzahlen. Die gesetzliche Rente will der DGB durch leicht höhere Beiträge und einen Demografiezuschuss aus dem Bundeshaushalt stabilisieren. Diesen Zuschuss sollen Steuern auf hohe Einkommen, Vermögen und Kapitaleinkünfte gegenfinanzieren.

Ein weiterer Baustein: die Erwerbstätigenversicherung. Künftig sollen auch Selbstständige, Politiker und Vorstände einzahlen. Das würde die Beitragsbasis verbreitern.

Streit um die „Rente mit 63“

Der Vorstoß ist die Antwort auf die Regierungskommission, die am Dienstag ihre Empfehlungen vorgelegt hatte. Die Experten schlugen unter anderem vor, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln. Berechnungen zufolge könnten heute Vierjährige erst mit 70 in Rente gehen.

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DGB-Chefin Yasmin Fahimi hatte die Pläne bereits am Mittwoch zurückgewiesen. Sie nannte die Debatte über längeres Arbeiten unsachlich und forderte stattdessen bessere Arbeitsbedingungen. Besonders die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren – bekannt als „Rente mit 63“ – stieß auf Widerstand. IG Metall und Verdi warnten vor drohender Altersarmut.

Kapitalrente: Zankapfel zwischen den Lagern

Ein zentraler Streitpunkt bleibt die kapitalgedeckte Vorsorge. Die Regierungskommission empfiehlt eine verpflichtende Kapitalrente nach schwedischem Vorbild. Ab 2028 sollen zunächst ein, später zwei Prozent des Bruttolohns in Aktien fließen. Der DGB lehnt eine solche Kapitaldeckung innerhalb der gesetzlichen Rente ab und will sie lieber in die betriebliche Altersvorsorge integrieren.

Die Arbeitgeber reagierten gespalten. BDA-Hauptgeschäftsführer Kampeter lobte am Mittwoch den politischen Mut der Kommission, kritisierte aber die „Zwangs-Kapitalrente“ wegen hoher Kosten und die empfohlene Abschaffung von Minijobs. Die OECD begrüßte genau diese Vorschläge – sie nannte die Einschränkung von Minijobs und das Ende der abschlagsfreien Frührente angesichts des Fachkräftemangels zeitgemäß.

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Zeitplan: Koalitionsausschuss nächste Woche

Die Debatte wird die politische Agenda der kommenden Tage bestimmen. Für den 1. Juli ist ein Koalitionsausschuss angesetzt. SPD-Chefin Bas drängt auf eine gesetzliche Umsetzung noch in diesem Jahr.

Wirtschaftsforschungsinstitute wie IMK und WSI warnten unterdessen vor übereilten Schritten. Der Aufbau eines Kapitalstocks ab 2028 könnte Wachstum kosten, so die Experten am Mittwoch. Die Beitragssätze könnten bis 2032 auf bis zu 22 Prozent steigen.

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