Rentenreform: 33 Maßnahmen sollen System bis 2090 stabilisieren
27.06.2026 - 04:31:31 | boerse-global.de
Nach der Übergabe des Kommissionsberichts am 23. Juni hat der Bundestag eine intensive Debatte aufgenommen. In einer Aktuellen Stunde am Freitag diskutierten die Abgeordneten über die Kernpunkte der geplanten Reform. Die Bundesregierung will das Paket noch bis Jahresende verabschieden.
Kapitalrente und späterer Renteneintritt
Das Vorhaben sieht einen grundlegenden Umbau vor. Geplant sind die Einführung einer Kapitalrente und die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung. Bundeskanzler Friedrich Merz verteidigte die Pläne bereits am Mittwoch im Rahmen einer Regierungsbefragung. Er betonte die Notwendigkeit, die Alterseinkommen dauerhaft zu stabilisieren. Vorwürfe, das Paket bedeute Rentenkürzungen, wies er zurück.
Der Zeitplan ist ambitioniert. Die Eckpunkte der Reform sollen noch vor der Sommerpause stehen. Die konkreten Gesetzentwürfe folgen im Laufe des Sommers, das parlamentische Verfahren startet im Herbst. Neben der Rentenstabilisierung ist die Reform Teil einer umfassenderen Agenda für Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsmarkt.
33 Maßnahmen für die System-Sicherung
Die Rentenkommission hat insgesamt 33 Maßnahmen vorgeschlagen. Die zentrale Empfehlung: Das Renteneintrittsalter soll an die statistische Lebenserwartung gekoppelt werden – im Verhältnis zwei zu eins. Berechnungen zufolge könnte das Rentenalter bis 2090 schrittweise auf 70 Jahre steigen.
Weitere Vorschläge im Überblick:
- Abschaffung der abschlagsfreien Frührente (Rente mit 63)
- Wegfall von Minijobs zugunsten vollständiger Einbeziehung in die Rentenversicherung (Ausnahmen für Schüler)
- Versicherungspflicht für Selbstständige und Vorstände
- Absenkung der Beamtenpensionen
- Prüfung der Witwenrente
Ein wesentlicher Pfeiler ist die kapitalgedeckte Rente nach schwedischem Vorbild. Sie soll ab 2040 erste Erträge liefern. Finanziert wird sie durch zusätzliche Beiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern – jeweils ein Prozent.
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Heftige Kritik von links und von den Gewerkschaften
Gegen die Pläne regt sich erheblich Widerstand. Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek kritisierte die Kapitalrente als Systembruch. Sie warnte, die Orientierung an Kapitalmärkten erhöhe den Renditedruck in sensiblen Bereichen wie Wohnen und Pflege. Zudem würden Geringverdiener benachteiligt, die statistisch eine kürzere Lebenserwartung haben.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund legte am Freitag ein eigenes Gegenkonzept vor. Es sieht ein Rentenniveau von 53 Prozent vor und will die Rente mit 63 behalten. Die Finanzierung soll nicht über Beitragssteigerungen laufen, sondern über einen Demografiezuschuss aus Steuermitteln. Die Einnahmen dafür: höhere Abgaben auf große Vermögen und hohe Einkommen.
DIW: Paket ausgewogen – Boomer-Soli als Zusatzidee
Wissenschaftliche Unterstützung kam vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Experte Peter Haan bezeichnete das Paket als ausgewogen. Er brachte jedoch einen „Boomer-Soli" ins Gespräch. Die Idee: eine Sonderabgabe von zehn Prozent auf Alterseinkünfte über 1000 Euro. Das würde rund 20 Prozent der Rentnerhaushalte betreffen und das allgemeine Armutsrisiko senken.
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Streit um die Finanzierung und die Lohnnebenkosten
Innerhalb der Koalition wird die Finanzierung heiß debattiert. Kritiker merken an, dass der zusätzliche Zwei-Prozent-Beitrag für die Kapitalrente den Wirtschaftsstandort schwächen könnte. Die junge Generation werde doppelt belastet – durch das Umlageverfahren und den neuen Kapitalstock. Alternativ wird vorgeschlagen, die Kapitalsäule stärker über den Bundeshaushalt zu finanzieren statt über direkte Lohnnebenkosten.
