Rente, Koalition

Rente mit 63: Koalition prüft 46 oder 47 Beitragsjahre als Kompromiss

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 22:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Union und SPD fanden bei ihrem Krisentreffen keine Einigung; Änderungen bei Renten- und Pflegepolitik bleiben umstritten.

Rentenreform: Koalition vertagt Streit um abschlagsfreie Rente
Die nächtliche Fassade eines historischen Regierungsgebäudes mit beleuchteten Fenstern und einem leeren Vorplatz. Illustration mit AI erstellt.

In einem am Dienstagabend im Kanzleramt abgehaltenen Krisengipfel haben die Spitzen der Koalition aus Union und SPD über die künftige Ausrichtung der Renten- und Sozialpolitik beraten. Das Treffen, das von 20 Uhr bis kurz vor Mitternacht andauerte, endete laut Berichten ohne konkretes Ergebnis und diente lediglich einer Bestandsaufnahme.

Zu den Teilnehmern gehörten Kanzleramtsministerin Nina Warken (CDU), Innenminister Alexander Dobrindt (CSU), Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD), Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) sowie Finanzstaatssekretär Björn Böning (SPD), der den SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil vertrat.

Stillstand bei der Reform der abschlagsfreien Rente

Ein zentraler Streitpunkt bleibt die Zukunft der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren, oft als „Rente mit 63“ bezeichnet. Während die Union auf eine Umsetzung der Empfehlungen der Rentenkommission dringt, lehnt die SPD, vertreten unter anderem durch Manuela Schwesig und Vize Alexander Schweitzer, eine Abschaffung ab. Schweitzer betonte, dass Personen, die lange gearbeitet haben, mehr erhalten müssten.

Innerhalb der Koalition werden laut Berichten Kompromissmodelle diskutiert. Im Gespräch sei eine Anhebung der erforderlichen Beitragsjahre auf 46 oder 47 Jahre sowie eine Beschränkung auf körperlich belastende Berufe. Arbeitsministerin Bärbel Bas stellte zudem eine Übergangszeit von etwa fünf Jahren in Aussicht.

Demgegenüber forderte Johannes Winkel, der neue stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion für den Bereich Arbeit und Soziales, die unveränderte Abschaffung der Regelung. Er bezeichnete es als sozial gerecht, die Rente auf ihren Ursprungsgedanken zurückzuführen.

Derzeit nehmen rund 30 Prozent der Neurentner diese Rentenart in Anspruch, wobei dies vorwiegend gesundheitlich besser gestellte Männer mit höheren Einkommen betrifft.

Finanzielle Herausforderungen und Reformpläne in der Pflege

Die Rentenversicherung beziffert die Kosten der abschlagsfreien Rente nach 45 Jahren auf knapp 10 Mrd. Euro jährlich. Wirtschaftsexperten warnen, dass der reguläre Rentenbeitragssatz ohne Reformen bis 2027/28 auf rund 20 Prozent steigen könnte.

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Im Bereich der Pflege plant Gesundheitsminister Carsten Linnemann, noch im September ein Spar-Gesetz durch das Kabinett zu bringen. Eine von der SPD geforderte Deckelung der Pflegekosten sieht die Unionsseite derzeit nicht vor.

Linnemann kündigte jedoch an, dass die geplanten Kürzungen beim Zuschuss zur Rentenversicherung für pflegende Angehörige nicht umgesetzt werden sollen. Eine umfassende Strukturreform im Gesundheitswesen wird bis Ende des Jahres angestrebt. Trotz einer Finanzspritze von 550 Mio. Euro warnen Kassen und Klinikbetreiber vor steigendem Druck und möglichen Beitragserhöhungen.

Kritik von Sozialverbänden und Gewerkschaften

Widerstand gegen die Reformpläne formiert sich bei den Sozialverbänden. Die Präsidentin des VdK, Verena Bentele, forderte einen sogenannten Sozialcheck und kritisierte insbesondere den Wegfall der abschlagsfreien Rente ohne ausreichende Ersatzlösungen für gesundheitlich belastete Arbeitnehmer.

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Wirtschaftsexperten warnen, dass der reguläre Rentenbeitragssatz bis 2027/28 auf rund 20 Prozent steigen könnte — und die neue private Altersvorsorge als Riester-Nachfolge startet erst zum 1. Januar 2027. Wer jetzt nicht gegensteuert, trägt die Lücke später allein. Der kostenlose Report zeigt Ihnen fünf konkrete Schritte, um Ihre Zusatzvorsorge rechtzeitig aufzustellen. 5 Schritte zur Zusatzvorsorge jetzt ansehen

Auch die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi bezeichnete die geplante Kapitalrente als Täuschung, die lediglich das sinkende Rentenniveau abfedern solle. Sie beklagte zudem eine mangelnde Einbindung der Sozialpartner in den Reformprozess.

Für den 26. September hat der DGB bereits zu Protesten gegen den befürchteten Sozialabbau aufgerufen. Ein nächster offizieller Koalitionsausschuss, bei dem die strittigen Themen weiter verhandelt werden sollen, ist für den 7. Oktober geplant.

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