Reiseveranstalter: Abgaben sinken ab November um 75 Prozent
25.06.2026 - 12:52:50 | boerse-global.de
Ab November zahlen Unternehmen nur noch 0,25 Prozent statt bisher einem Prozent ihres Umsatzes in den Deutschen Reisesicherungsfonds (DRSF). Das spart der Branche jährlich rund 70 Millionen Euro.
Mehr Liquidität durch flexible Sicherheitsleistungen
Noch deutlicher fällt die Entlastung bei den Sicherheitsleistungen aus. Bisher mussten Reiseanbieter zwischen 5 und 9 Prozent ihres Umsatzes hinterlegen. Künftig reicht eine Spanne von 1 bis 9 Prozent. Laut Regierungsangaben setzt das rund 560 Millionen Euro frei, die Unternehmen jetzt für ihr Kerngeschäft nutzen können.
Die Einigung zwischen DRSF-Geschäftsführung, Deutschem Reiseverband und Bundesjustizministerium kommt nicht überraschend. Große Marktteilnehmer wie TUI hatten wiederholt Reformen angemahnt. Branchenvertreter kritisierten, dass seit 2021 rund eine Milliarde Euro im Fonds gebunden sei – ohne Verzinsung und ohne Nutzen für die Unternehmen.
Gericht weist Klage von Dertour ab
Parallel zur politischen Entscheidung gab es eine juristische Klärung. Das Kammergericht Berlin wies am 23. Juni eine Klage von Dertour gegen den DRSF ab. Der Reiseveranstalter hatte 1,27 Millionen Euro Rückzahlung gefordert und argumentiert, bestimmte Buchungen seien doppelt belastet worden.
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Die Richter begründeten die Abweisung mit dem gesetzlich gewollten Systemwechsel. Der Umsatz sei als abstrakte Rechengröße zu verstehen, nicht zwingend an einzelne Buchungen geknüpft. Höhere Belastungen für Unternehmen seien rechtlich nicht zu beanstanden. Eine Revision ließen sie nicht zu.
Sommergeschäft hinter den Erwartungen
Die Entlastung trifft auf eine Branche in widersprüchlicher Lage. 2025 erzielte die Pauschalreisebranche mit 43,4 Milliarden Euro einen Rekordumsatz. Doch das Sommergeschäft 2026 läuft schleppend: 69 Prozent der Reisebüros berichten von Ergebnissen unter den Erwartungen.
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Besonders Familienbuchungen bleiben aus. Hauptgrund: die hohen Preise. Ein zweiwöchiger Familienurlaub auf Mallorca kostet schnell 9.000 Euro. Nur 14 Prozent der Reisevermittler rechnen noch mit einem signifikanten Last-Minute-Geschäft.
Immerhin: Zum 1. Juli senkt die Bundesregierung die Luftverkehrsteuer. Ob Airlines die Ersparnis weitergeben, ist fraglich. In Österreich stellt die Regierung im Doppelbudget 2027/28 jährlich 30 Millionen Euro für die Luftfahrtbranche bereit – über die Verwendung entscheidet sie bis Ende September.
